Schreiben ist auch „Mut zur Freiheit“

Immer wieder kaufe ich Bücher aus den Ramschkisten in den Warenhäusern oder auf den Tischen vor den Buchhandlungen. Auch alte Bestände aus der Bibliothek sind willkommene Beute für mich. Auf keiner Bestsellerliste, in keinem Marketingkonzept spielen sie noch eine große Rolle. Aber sie sind oft wertvoll, geistreich und zauberhaft zu lesen. Oft, nicht immer. Sie können wiederentdeckt werden. Und manchmal entfaltet sich ihr Wert und ihre Besonderheit erst auf den zweiten Blick.

Ich hab ein solches Buch in einer Bibliothek gefunden, für einen Euro gekauft und zuhause verschlungen. Der Grund? Die Sprache. Der Autor wechselt nicht nur zwischen den verschiedensten Perspektiven, er baut auch gekonnt Abwesende in das Geschehen ein. Dabei schreibt er auch noch zweisprachig, mit leichten Übergängen, die die englischen Passagen (für Anfänger mit Schulenglisch gut lesbar) einleiten. Da finden sich Tagebucheinträge, die sich wie Dialoge mit dem Protagonisten lesen, Visionen und Wirklichkeit verschwimmen. Er schafft es, eine bunte Gefühlswelt im Leser zu erzeugen. Dabei geht es nicht um Weichspülsprache. Ich habe mich manchmal vor der Hauptfigur, dem Ich-Erzähler geekelt und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Lesezeit: Ein Wochenende, gefesselt zwischen der beschriebenen Erlebenswelt und der Fassungslosigkeit ob des schwarzen und bissigen aber feinsinnigen Humors. Und nicht ich allein bin begeistert von diesem Buch. Im Mai 2017 erschien Höhtkers „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“  als Taschenbuch, vollkommen verständlich.

Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite, Taschenbuch, 16,00 €

Frank Stremmer, PR-Mann auf dem Schleudersitz in einer dubiosen Finanzfirma, Wohnort Genf. Und auf dem Schleudersitz in seiner Beziehung mit Marion, die er seit Jahren auszutauschen erträumt. Welthass, Narzissmuss und Ignoranz zeichnen ihn aus. Ein wahres und doch zynisches Bild vom Leben mit dem Kapitalismus, der Selbstüberschätzung und der Orientierungslosigkeit.

Mich hat das Buch darauf hingewisen, dass es sich lohnt, Mut zu einer ganz eigenen Sprache, einem kreativen Stil zu zeigen. Über Grammatik und Rechtschreibung wurde und wird viel gesagt und geschrieben. Doch auch wahre Sprachkunstwerke können so entstehen. Da denke ich sofort an Marcel Proust, der in einem Band von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit  einen Satz mit 845 Wörtern untergebracht hat. Stil, Kunst oder einfach nur Spaß an der Sprache? Es muss nicht jedem gefallen, doch Experimente mit der Sprache verbessern die Geschmeidigkeit der eigenen Texte. Dazu zählen auch Drabbles oder das Verfassen von Limericks.

Mit dem Thema Sprache, Sprachkunst, Stil und Schreiblust befasst sich übrigens das Heft III des Autorentrainings von TextTime.

Wochenendgeschenk: Autorentraining – 12 Monate lang jeweils ein Trainingsheft mit 30 Übungsschritten.

ATRgratis1Nehmen Sie an der Sonderaktion vom 10.11.2017 bis zum 12.11.2017 teil. Bestellen Sie das Autorentraining komplett und vollkommen gratis. Ein Geschenk von TextTime an alle Besucher der Webseite. Schreiben Sie einfach eine Nachricht und erhalten Sie ab 1.12.17 regelmäßig das Autorentraining per pdf. in Ihr Postfach. Nach zwölf Monaten ist das Training beendet und verlängert sich nicht. 

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Wie man sich setzt, so schreibt man

Es mag vordergründig gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben, doch auch der Schreibplatz spielt eine bedeutende Rolle. Wer hauptberuflich an einem Schreibtisch sitzt, der sollte sehr großen Wert auf sein Sitzmöbel legen. Haltungsschäden, die durch Computerarbeitsplätze entstehen, machen unter den chronischen Erkrankungen einen großen Anteil aus. Wer den Arbeitsplatz häufiger wechselt und nicht immer auf dem gleichen Stuhl sitzt, hat Vorteile. Doch die meisten Berufsautoren richten sich früher oder später einen festen Arbeitsplatz ein. Hier gilt, auf die Gesundheit der Wirbelsäule zu achten. Außerdem sollten Autoren in den Pausen den Arbeitsplatz verlassen und vielleicht ein paar Entspannungsübungen machen.

Auch die Augen werden in Mitleidenschaft gezogen, so modern der Bildschirm auch sein mag. Augentraining in den Schreibpausen kann Wunder wirken. Dabei sind die gesunden Pausen nicht etwa ein Zeitverlust, ganz im Gegenteil.

Eine unbequeme Haltung führt zu Verspannungen, Kopfschmerzen und fehlender Konzentration. Die Zeit, die mit ein bisschen Gesundheitspflege verbracht wird, holt jeder Autor schnell wieder rein, wenn er danach frisch und munter ans Werk geht.

Mancher schreibt vielleicht auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl. Doch die sind teuer und oft auch nicht gerade ansprechend in ihrer Optik. Es gibt aber auch Alternativen, die erschwinglicher sind und trotzdem für eine gesunde Sitzhaltung sorgen.

Mein Favorit ist der Kniestuhl/ Kniehocker von Idimex. Er ist nicht unbedingt für den ganzen Tag geeignet, aber er passt bequem unter den Schreibtisch und kann immer mal wieder hervorgeholt werden. Die Sitzanordnung sorgt dafür, dass der Rücken aufrecht ist. Das entspannt die Rückenmuskulatur. Da der Kniehocker höhenverstellbar ist, passt er für fast alle Körpergrößen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich ihn auf Reisen mitnehmen kann. So kann ich auch im Ferienhaus oder Hotelzimmer vernünftig arbeiten. Der geringe Preis ist optimal! Wer ein bisschen mehr ausgeben will, findet natürlich auch noch hübschere und extravagantere Modelle.

                                      Cinius Hocker, Gummibaumholz, etwa 145,00 €

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Kniehocker Idimex, 38,95 €- versandkostenfrei Kniehocker in Schwarz, schlichtes aber praktisches und preiswertes Modell

Mahora in rot, etwa 165,00 €

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Dynamisch und irgendwie chic sieht dieser aus, der Hocker Mahora ist in vielen Farben erhältlich.

Wer noch keinen Bürostuhl hat und sich gerade nach einem geeigneten Modell umschaut, der sollte mal einen Blick auf diesen „Samtsessel“ werfen. Ein tolles Teil für Autoren mit Anspruch und dabei für unter 80 Euro.

Nützliche Tipps für die Entspannung der Augen sind hier zusammengestellt. Und ein paar Lockerungsübungen, für die niemand gleich die Yogamatte rausholen muss, gibt es hier. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in diversen Ratgebern tolle Infos und viele Ideen zum Nachmachen.

 

Letzter Tag – Autorentrainingsspiel

Schreiben Autoren eigentlich täglich? Wer schafft es, eine Ruhepause einzulegen? Wer schafft einen schreibfreien Tag pro Woche? Und das ist überhaupt sinnvoll? Die meisten Ratgeber und Schreibtrainer sind sich einig, dass das Schreiben täglich auf dem Plan stehen sollte. Es ist gängige Meinung, dass ein guter und erfolgreicher Autor sich keinen freien Tag gönnen sollte. Doch ich möchte diese Aussage hier in Farge stellen. Ich möchte sie nicht verändern, nur anzweifeln. Ich glaube, täglich zu schreiben ist sehr gut. Aber noch besser wäre es , einmal im Monat einen absolut schreibfreien Tag zu haben. Denn das erweitert den Horizont und verhindert Betriebsblindheit. Allerdings klappt diese Schreibfreiheit nur, wenn sie geplant ist und der Schreiber sich auf etwas freuen kann, was er an diesem freien Tag erleben will. Ich spreche nicht vom Haushaltstag oder dem Erledigen der Buchhaltung. Ich bin überzeugt, dass wir regelmäßig die Möglichkeit haben müssen, uns außerhalb unserer gedanklichen Welt als reiner Mensch wahrnehmen zu können. Alle hauptberuflichen Autoren, die ich kenne, schreiben täglich, auch im Urlaub, an Feiertagen, 365 Tage im Jahr. Manchmal 16 Stunden, manchmal nur die eine tägliche Pflichtseite, die in den meisten Ratgebern empfohlen wird. Was würden Sie unternehmen, wenn Sie zwölf Tage im Jahr nicht schreiben dürften? Was könnte ein Autor genießen, ohne daran zu denken, es zu Papier zu bringen. Machen Sie sich Gedanken, was Sie mit zwölf Tagen á 24 Stunden im Jahr machen würden? Oder sind Sie schon in der vier Tage Woche angekommen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Übrigens ist heute der fünfte Tag unseres Trainingsspiels. Sie erreichen mich über meine Mail-Adresse oder hier im Kontaktformular.

Am Anfang war das Wort…. und davor gab es Wasser

Heute ist der vorletzte Tag dieses Test-Trainings für Autoren. Wer will, kann immer noch einsteigen und ein kostenloses Feedback bekommen. Hier gibt es die Spielregeln.


Viele Autoren leben mit der festen Überzeugung, dass mit dem Wort alles beginnt und begann. Ich auch. Deshalb befasse ich mich, wann immer ich kann, mit Wörtern in jeder Variation. Und doch wird mir von Zeit zu Zeit bewusst, dass am Anfang nicht das Wort stand sondern dass Wasser die Basis allen Lebens ist. Ich merke das am stärksten, wenn der Kaffeekonsum auf Sodbrennen-Niveau klettert und die Konzentration nachlässt. Wer viel denkt und vor allem im Sitzen arbeitet, sollte unbedingt auf seinen Wasserhaushalt achten. Das Autorentraining berücksichtigt diese Aspekte. Es ist nämlich KEIN Schreibtraining. Es trainiert nicht nur die fachlichen Kompetenzen sondern auch die handelnde Person. Das bedeutet im besten Fall „ganzheitlich“. Der heutige Text unserer Fünf-Tage-Aktion stammt aus dem zweiten Heft des TextTime Autorentrainings. Heute geht es um das Trinken.

Tag 13

Die ganz disziplinierten Schreiber unter uns sind immer brav, sitzen am aufgeräumten Schreibtisch und haben eine gefüllte Wasserkaraffe und ein Kristallglas rechts neben dem Rechner stehen. Diese ganz disziplinierten Menschen sind sehr seltene Ausnahmen. Thomas Mann war  ein Vertreter dieser Art. Ich glaube, auch John Irving schreibt sehr diszipliniert. Ich persönlich brauche schon ein paar Krücken, damit ich das gesunde Trinken, das Wasser, nicht während der Arbeit vergesse. Dazu gehört für mich ein Wohlgefühl beim Trinken. Ein einfacher Teebeutel inspiriert mich nicht. Und nur Wasser auch nicht. Wasser mit einem Schuss Zitrone, frisch gepresster O-Saft oder Tee, der vom Geschmack und auch von der Verpackung etwas Besonderes ist, können mich schon eher zum Trinken bewegen. Es sollten unbedingt mindestens 2 Liter pro Tag sein, drei Liter sind besser. Die heutige Aufgabe ist zweiteilig. Zuerst gilt es, einen Trinkplan für sich selbst zu entwickeln. Hierfür werden die folgenden Fragen beantwortet:

Was will ich trinken?

Wann will ich es trinken?

Wie kann ich mich daran erinnern?

 

Die Schreibübung dieses Tagesschrittes sieht so aus:

Schreiben Sie auf, welche Story Ihnen zum Titel: „Schwimmende Wörter“ einfällt. Nehmen Sie sich etwa 20 Minuten Zeit dafür und legen Sie die Arbeit dann weg. Sie können Sie später jederzeit wieder vornehmen und vielleicht auch in einem Ihrer Werke verwenden.


Ich habe übrigens Shuyao Tees für mich entdeckt. Naturrein, ergiebig und bis zu fünfmal aufzugießen. Mit einer Tagesportion komme ich also von morgens bis abends zu meinem Trinkgenuss. Ich persönlich ziehe einen geräucherten Tee vor, aber auch die Gewürz-und Kräutertees sind überzeugend gut. Und weil ich von diesen Tees wirklich überzeugt bin, verschenke ich heute eine Tagesportion Shuyao Tee zusätzlich zu jedem Heft 1 des TextTime Autorentraining. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Print- oder um die E-Book-Version handelt. Ich freue mich darauf, dass wir dann gemeinsam – wenn auch nur in Gedanken – einen großen Pott Tee genießen können. Diese Aktion gilt bis 7.1.17, 23.59 Uhr.

coverGedruckt, aus Papier, DIN A4, ein echtes Arbeitsheft zum Reinschreiben und Ausfüllen, 9,90 €, portofrei

E-Book, Inhalt identisch mit der Printversion, 2,99 € / Download


 

Tag 3 Autorentraining

Der dritte Tag des Trainings auf diesem Block stammt aus dem Anhang des Arbeitsheftes 1

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Im Anhang finden Sie in jeder Lektion eine Erklärung oder eine Technik rund um Genre, Gattung oder Stil.

Drabbles

Drabbles sind Geschichten aus exakt 100 Wörtern. Dabei ist die Überschrift nicht mitgezählt. Können Sie sich nicht vorstellen? Es klappt aber.

Hier finden Sie ein Beispiel:

Die Geburtstagstorte
„Was soll das werden?“ Dieter stapfte mit lauten Schritten in die Küche. Er war mürrisch, seit er seine Arbeit verloren hatte. Seine cholerische Art wuchs mit jedem Tag seiner Untätigkeit. Elsa bekam schon Angst, wenn sie ihn nur sah. „Ich wollte eine Geburtstagtorte für dich backen.“ Dieter rülpste laut. „Du und backen? Das wird ein schönes Giftzeug werden.“ Elsa schluckte schwer. Sie musste eine Lösung finden. „Giftzeug, das war es.“ Voller Vorfreude mischte sie das Backpulver und das Rattengift unter das Mehl. Der Kuchen gelang ihr prächtig. Dieter konnte nach dem ersten Stück keinen miesen Kommentar mehr zum Giftzeug abgeben.

Schreiben Sie doch ein eigenes Drabble. Spielen Sie mit und gewinnen Sie das kostenlose Feedback für Ihre Ergebnisse. Sie können bis Sonntag, 8.1.2017 problemlos einsteigen.

Hier gibt es weitere Infos zum Autorentraining von TextTime

Vom Ghostwriting und anderen Selbstschädigungen

Autoren wollen leben. Dazu gehört auf körperlicher Ebene auch Essen, Trinken, Wohnen. Ihre Kompetenz und ihre Ware ist das Wort, der Umgang mit der Sprache. Damit haben sie die höchste Kompetenz in dieser Gesellschaft. Es geht definitiv nicht ohne Wort. Das tollste Produkt muss über das Wort erklärt, beschrieben, vermarktet werden. Die größte Wissenschaft wird über Wörter vermittelt. Sprache ist ein Kulturgut, das wegen seiner Selbstverständlichkeit kaum noch geachtet wird.

Was können Autoren verkaufen? Wörter. Die Wörter sind ihr Eigentum, sie können damit tun und lassen, was sie wollen. Betrachten wir aber einmal eine andere Komponente. Fragen wir uns, wer die Käufer sind. Immer mehr greift es um sich, dass erfolgreiche Menschen sich Wörter kaufen. Sie verkaufen damit ihre Produkte und Dienstleistungen.

Nehmen wir allein das moderne Dropshipping. Waren werden hergestellt und in Online-Shops präsentiert und verkauft. Der Hersteller verpackt und liefert die Ware an den Kunden. Alles das geht nicht ohne Wörter. Denn die Online-Shops brauchen Texte. Kategorie-Texte, SEO-Texte, Produktbeschreibungen, Newsletter, Blogartikel und viele Texte mehr.
Der Texter, der vielleicht nicht bis zum Schriftsteller gekommen ist, weil er einfach keine Zeit und kein Geld für seine Entwicklung gefunden hat, liefert diese Texte.

Warum eigentlich? Er könnte diese Texte auch in seinen eigenen Shop oder seine eigene Website investieren. Was hält den Texter davon ab, sich zuerst selbst mit allen Gewinnen zu versorgen, die mit Wörtern gemacht werden können? Fehlt das Selbstwertgefühl? Würde eine Köchin hungern? Oder ein Schneider nackt herum laufen?

Ich finde diese Frage bedenkenswert. Wenn wir einen Ausflug in die Welt der Märchen machen, begegnen wir den Kaiser und seinen neuen Kleidern. Manchmal, wenn ich sehr, dass Menschen mit Wörtern Erfolg haben, die Ihnen nicht gehören, dann frage ich mich, ob wir als Schreibende nicht unsere Wörter besser schützen sollten. Wir kleiden nämlich Menschen, die nicht kommunizieren können. Und wir helfen Ihnen, Macht und Einfluss zu bekommen.

Jeder, der Wörter besitzt und sie verkaufen möchte oder muss, sollte wenigstens einmal am Tag, mindestens 300 Wörter nur für sich selbst schreiben. Das sollte er sich wert sein. Denn eine Köchin hungert nicht und ein Schneider ist nicht nackt. Aber es ist vielleicht gefährlich, eine Strömung zu unterstützen, bei der es eine Frage von wenigen Cents ist, ob sich ein Mensch mit fremden Federn schmücken darf oder nicht. Und wir wissen ja alle noch nicht, ob die Wörter nicht irgendwann einmal aufgebraucht sind. Dann bleibt dem Schreiber nichts.

Das ist mein Tipp für das Selbst-Management des Autors: Versorge dich zuerst selbst mit dem, was du kannst und hast. Jeder anderee würde es ebenso machen.

Und hier noch ein Tipp zum Lesen, zum Verschenken, zum Genießen:

Das Magazin HOHE LUFT befasst sich mit aktuellen und bewegenden Themen aus Gesellschaft & Kultur, Politik & Wirtschaft aus einem philosophischen Blickwinkel. Eine etwas andere Philosophie-Zeitschrift, die den Leser jedes Mal auf eine Denkreise einlädt.

HOHE LUFT [Jahresabo]

 

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Warum dein bester Freund nicht dein Testleser sein kann

Wir Autoren arbeiten recht einsam. Es gibt selten Arbeitsgruppen, die gemeinsam an einem Werk arbeiten. Das macht unsere Arbeit einerseits reizvoll, auf der anderen Seite aber wünschen wir uns auch Feedback, um unsere Selbstzweifel zu besiegen oder um einfach eine neue Orientierung oder Ermutigung zu bekommen. Wenn wir etwas geschrieben haben, möchten wir auch wissen, wie es beim Leser ankommt. Wir brauchen Testleser. Doch unsere Familie und Freunde oder gar unser Partner eigenen sich für diese Aufgabe ganz und gar nicht. Warum nicht?

  1. Wer uns gut kennt, liest oder hört unseren Text mit all den Informationen, die er über uns hat. Er merkt nicht, wenn Gedankengänge nicht ausgereift sind oder Prämissen nicht klar definiert sind. Ein Testleser, der uns kennt, hat viel zu viele Informationen, um den Text objektiv auf sich wirken zu lassen.
  2. Ein Mensch, dem wir sympathisch sind, wird immer Rücksicht auf unsere Gefühle nehmen. Das geschieht unbewusst und unmerklich. Deshalb wird die Kritik immer weniger ehrlich sein als die Kritik eines Fremden. Der fremde Testleser hat nicht den Autor im Blick, ihm geht es viel stärker und ausschließlich um den Text.
  3. Manchmal verwenden wir unsere eigene Alltagssprache in unserer Schreiberei. Das merken Bekannte und Freunde gar nicht, denn sie verwenden meist den gleichen Sprachcode. Ob der sich aber für Veröffentlichungen eignet, ist manchmal fraglich.
  4. Wir könnten übersehen, dass der gute Freund oder die Partnerin unseren Text nur aus Gefälligkeit lesen. Detailfreude und erhöhte Aufmerksamkeit dürfen wir dann nicht erwarten.
  5. Der wichtigste Grund ist aber noch ein anderer: Beruf und Privatleben sollten getrennt bleiben. Ein Autor ist auch ein Mensch, der sich von seiner Arbeit erholen muss. Und eine Freundschaft ist keine Arbeitsgemeinschaft. Es ist einfach gesünder, nach der Arbeit frei für private Dinge zu haben. Das nennt man eine gesunde „Work-Life-Balance“. Wer beruflich schreibt und privat seine Arbeit diskutiert, wird merken, dass er viel zu wenig Ausgleich hat. Es ist sinnvoller, sich seine Kritiker auf der beruflichen Ebene zu suchen. Hier gibt es Communities und Foren, die diese Arbeit zu erledigen helfen können. Also sollte der Autor schreiben, Kritik einstecken, sich eine blaue Nase holen und dann nach Hause (ins Privatleben) gehen und den Feierabend mit anderen Themen verbringen. So erhält er die notwendigen Streicheleinheiten und immer neue Inspirationen.

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