Wie man sich setzt, so schreibt man

Es mag vordergründig gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben, doch auch der Schreibplatz spielt eine bedeutende Rolle. Wer hauptberuflich an einem Schreibtisch sitzt, der sollte sehr großen Wert auf sein Sitzmöbel legen. Haltungsschäden, die durch Computerarbeitsplätze entstehen, machen unter den chronischen Erkrankungen einen großen Anteil aus. Wer den Arbeitsplatz häufiger wechselt und nicht immer auf dem gleichen Stuhl sitzt, hat Vorteile. Doch die meisten Berufsautoren richten sich früher oder später einen festen Arbeitsplatz ein. Hier gilt, auf die Gesundheit der Wirbelsäule zu achten. Außerdem sollten Autoren in den Pausen den Arbeitsplatz verlassen und vielleicht ein paar Entspannungsübungen machen.

Auch die Augen werden in Mitleidenschaft gezogen, so modern der Bildschirm auch sein mag. Augentraining in den Schreibpausen kann Wunder wirken. Dabei sind die gesunden Pausen nicht etwa ein Zeitverlust, ganz im Gegenteil.

Eine unbequeme Haltung führt zu Verspannungen, Kopfschmerzen und fehlender Konzentration. Die Zeit, die mit ein bisschen Gesundheitspflege verbracht wird, holt jeder Autor schnell wieder rein, wenn er danach frisch und munter ans Werk geht.

Mancher schreibt vielleicht auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl. Doch die sind teuer und oft auch nicht gerade ansprechend in ihrer Optik. Es gibt aber auch Alternativen, die erschwinglicher sind und trotzdem für eine gesunde Sitzhaltung sorgen.

Mein Favorit ist der Kniestuhl/ Kniehocker von Idimex. Er ist nicht unbedingt für den ganzen Tag geeignet, aber er passt bequem unter den Schreibtisch und kann immer mal wieder hervorgeholt werden. Die Sitzanordnung sorgt dafür, dass der Rücken aufrecht ist. Das entspannt die Rückenmuskulatur. Da der Kniehocker höhenverstellbar ist, passt er für fast alle Körpergrößen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich ihn auf Reisen mitnehmen kann. So kann ich auch im Ferienhaus oder Hotelzimmer vernünftig arbeiten. Der geringe Preis ist optimal! Wer ein bisschen mehr ausgeben will, findet natürlich auch noch hübschere und extravagantere Modelle.

                                      Cinius Hocker, Gummibaumholz, etwa 145,00 €

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Kniehocker Idimex, 38,95 €- versandkostenfrei Kniehocker in Schwarz, schlichtes aber praktisches und preiswertes Modell

Mahora in rot, etwa 165,00 €

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Dynamisch und irgendwie chic sieht dieser aus, der Hocker Mahora ist in vielen Farben erhältlich.

Wer noch keinen Bürostuhl hat und sich gerade nach einem geeigneten Modell umschaut, der sollte mal einen Blick auf diesen „Samtsessel“ werfen. Ein tolles Teil für Autoren mit Anspruch und dabei für unter 80 Euro.

Nützliche Tipps für die Entspannung der Augen sind hier zusammengestellt. Und ein paar Lockerungsübungen, für die niemand gleich die Yogamatte rausholen muss, gibt es hier. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in diversen Ratgebern tolle Infos und viele Ideen zum Nachmachen.

 

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Drei gute Gründe, um Briefe zu schreiben

Briefe zu schreiben ist eine antiquierte Tätigkeit geworden. Unter Briefen verstehen manche jungen Menschen heute nur noch Rechnungen, Behördenpost oder Anträge, die gestellt werden müssen. Herr Google weiß auf den ersten beiden Seiten nur Vorlagen für Geschäftsbriefe und Formulare anzubieten, wenn „Briefe schreiben“ gesucht wird. Dabei war das Schreiben von Briefen früher ein bedeutsames Kommunikationsmittel. Ist der Brief ersetzbar? Was hat den Brief früher ausgemacht? Ein wichtiges Element des Briefs war früher sicher schon das Material. Meist waren es ein Füller und ein extra ausgewähltes Briefpapier. Damit wurde der Empfänger ebenso wert geschätzt wie das Medium Brief selbst.

Ich kenne noch die Bilder von Briefschreibern in Parks und öffentlichen Bibliothken. Stirnrunzelnd, wohl überlegend und immer in dem Bemühen, nichts durchstreichen zu müssen. Es gab keine Reset-Taste. Und es gab auch, schon wegen der Laufzeit der Post, keine Chance schnell noch einen blinzelnden Smilie hinterherzuschicken, wie es bei WhatsApp möglich ist. „Bitte nimm nicht so ernst, was ich dir mitteile.“

Der Empfänger und auch der Schreiber selbst hatten Zeit, nachzudenken. Zwischen dem Erhalt eines Briefes und der Beantwortung lagen oft mindestens Tage. Diese Wartezeit auf den Brief ist zu vergleichen mit der Pause in einem guten Musikstück. Und die Pause hat ihren Sinn im Freiraum, den sie bietet. Dieser Raum wird gefüllt mit eigenen Gedanken. Die Verarbeitung des Gelesenen braucht Zeit. Genau das bietet der Brief. Und das ist nicht zu ersetzen durch eine sms, die verspätet beantwortet wird. Die modernen Medien sind prima geeignet, um schnell etwas zu klären. Doch das Medium Brief ist hervorragend geeignet, um Prozesse so lange reifen zu lassen, wie sie brauchen. Wir haben durch Messengersysteme eine wirklich tolle Bereicherung unserer Kommunikation erfahren. Das Medium Brief muss dabei aber nicht abgeschafft werden. Ich plädiere dafür, regelmäßig einen Brief zu schreiben. Drei Gründe sprechen dafür:

  • Durch die relativ lange Wartezeit auf eine Antwort trainieren wir, auf Beziehungen zu vertrauen. „Er“ hat uns nicht gleich vergessen, weil nicht sofort eine Reaktion auf das Smartphone kommt.
  • Wir machen uns unsere eigenen Wörter und Ausdrucksweisen bewusster, wenn wir keine Löschfunktion nutzen können. Manch ein Wort wird gar nicht erst geschrieben, wenn wir wissen, dass es auch gelesen wird.
  • Wer Briefe schreibt, erlebt Entschleunigung. Und er taucht tief in einen Prozess ein. Ein Brief ist wie ein Blick in den Spiegel. Unsere eigenen Unklarheiten lassen sich durch einen Brief oft viel besser reflektieren als durch eine E-Mail.

Ein letzter Grund betrifft in erster Linie die Schreibenden unter uns. Wir verändern unseren Sprachcode je nach Medium. Eine sms muss anders klingen als eine verbale Unterhaltung, eine E-Mail folgt speziellen sprachlichen Regeln. Auch der Brief ist speziell. Unser Wortschatz und unser Sprachstil werden durch Briefe erweitert.

Ein Brief ist ein Geschenk. Das fängt beim Papier an und reicht bis zum Inhalt. Wie schön wäre es, wenn neben Rechnungen und Behördenschreiben auch noch Briefumschläge im Briefkasten lägen, die jemand mit der Hand beschriftet hat?

In diesem Sinne empfehle ich den folgenden Schatz aus der Bücherkiste:

„Schreiben Sie mir oder ich sterbe“ Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer

Von großen Gefühlen in großen Worten: Die schönsten Liebesgeschichten berühmter Frauen und Männer. – »Seien Sie mein Schutzengel, meine Muse und meine Madonna«, schreibt Charles Baudelaire an eine Frau, mit der ihn eine unerfüllte Liebe verbindet. In ihren Briefen werden Berühmtheiten zu Menschen. Dort finden Sehnsucht, Treue, Verwirrung und Verzweiflung ihren unmittelbaren Ausdruck, oft entstehen literarische Meisterwerke daraus. Dieser aufwändig ausgestattete Band erzählt die Geschichten der Liebenden in Wort und Bild und versammelt Briefe u.a. von Johann Wolfgang von Goethe, Marlene Dietrich, Edith Piaf, Oscar Wilde und Virginia Woolf.

Oder diese hervorragende Sammlung von „Briefen die die Welt bedeuten“ – Letters of Note

Letters of Note ist eine Sammlung von 125 der unterhaltsamsten, inspirierendsten und ungewöhnlichsten Briefe der Weltgeschichte. Das Buch basiert auf der sensationell populären Website gleichen Namens – einer Art Online-Museum des Schriftverkehrs, das bereits von über 70 Millionen Menschen besucht wurde.
Von Virginia Woolfs herzzerreißendem Abschiedsbrief an ihren Mann bis zum höchsteigenen Eierkuchen-Rezept von Queen Elizabeth II. an US-Präsident Eisenhower, vom ersten aktenkundigen Gebrauch des Ausdrucks »OMG« in einem Brief an Winston Churchill bis zu Gandhis Friedensersuch an Adolf Hitler und von Iggy Pops wundervollem Brief an einen jungen weiblichen Fan in Not bis hin zum außergewöhnlichen Bewerbungsschreiben von Leonardo da Vinci zelebriert und dokumentiert Letters of Note die Faszination der geschriebenen Korrespondenz mit all dem Humor, der Ernsthaftigkeit, der Traurigkeit und Verrücktheit, die unser Leben ausmachen.

Schreiben Sie mir – vielleicht werden wir Brieffreunde! Wenn Sie diesem Blog folgen, lesen Sie als nächstes Thema alles über den „Briefroman“.

Letzter Tag – Autorentrainingsspiel

Schreiben Autoren eigentlich täglich? Wer schafft es, eine Ruhepause einzulegen? Wer schafft einen schreibfreien Tag pro Woche? Und das ist überhaupt sinnvoll? Die meisten Ratgeber und Schreibtrainer sind sich einig, dass das Schreiben täglich auf dem Plan stehen sollte. Es ist gängige Meinung, dass ein guter und erfolgreicher Autor sich keinen freien Tag gönnen sollte. Doch ich möchte diese Aussage hier in Farge stellen. Ich möchte sie nicht verändern, nur anzweifeln. Ich glaube, täglich zu schreiben ist sehr gut. Aber noch besser wäre es , einmal im Monat einen absolut schreibfreien Tag zu haben. Denn das erweitert den Horizont und verhindert Betriebsblindheit. Allerdings klappt diese Schreibfreiheit nur, wenn sie geplant ist und der Schreiber sich auf etwas freuen kann, was er an diesem freien Tag erleben will. Ich spreche nicht vom Haushaltstag oder dem Erledigen der Buchhaltung. Ich bin überzeugt, dass wir regelmäßig die Möglichkeit haben müssen, uns außerhalb unserer gedanklichen Welt als reiner Mensch wahrnehmen zu können. Alle hauptberuflichen Autoren, die ich kenne, schreiben täglich, auch im Urlaub, an Feiertagen, 365 Tage im Jahr. Manchmal 16 Stunden, manchmal nur die eine tägliche Pflichtseite, die in den meisten Ratgebern empfohlen wird. Was würden Sie unternehmen, wenn Sie zwölf Tage im Jahr nicht schreiben dürften? Was könnte ein Autor genießen, ohne daran zu denken, es zu Papier zu bringen. Machen Sie sich Gedanken, was Sie mit zwölf Tagen á 24 Stunden im Jahr machen würden? Oder sind Sie schon in der vier Tage Woche angekommen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Übrigens ist heute der fünfte Tag unseres Trainingsspiels. Sie erreichen mich über meine Mail-Adresse oder hier im Kontaktformular.

Am Anfang war das Wort…. und davor gab es Wasser

Heute ist der vorletzte Tag dieses Test-Trainings für Autoren. Wer will, kann immer noch einsteigen und ein kostenloses Feedback bekommen. Hier gibt es die Spielregeln.


Viele Autoren leben mit der festen Überzeugung, dass mit dem Wort alles beginnt und begann. Ich auch. Deshalb befasse ich mich, wann immer ich kann, mit Wörtern in jeder Variation. Und doch wird mir von Zeit zu Zeit bewusst, dass am Anfang nicht das Wort stand sondern dass Wasser die Basis allen Lebens ist. Ich merke das am stärksten, wenn der Kaffeekonsum auf Sodbrennen-Niveau klettert und die Konzentration nachlässt. Wer viel denkt und vor allem im Sitzen arbeitet, sollte unbedingt auf seinen Wasserhaushalt achten. Das Autorentraining berücksichtigt diese Aspekte. Es ist nämlich KEIN Schreibtraining. Es trainiert nicht nur die fachlichen Kompetenzen sondern auch die handelnde Person. Das bedeutet im besten Fall „ganzheitlich“. Der heutige Text unserer Fünf-Tage-Aktion stammt aus dem zweiten Heft des TextTime Autorentrainings. Heute geht es um das Trinken.

Tag 13

Die ganz disziplinierten Schreiber unter uns sind immer brav, sitzen am aufgeräumten Schreibtisch und haben eine gefüllte Wasserkaraffe und ein Kristallglas rechts neben dem Rechner stehen. Diese ganz disziplinierten Menschen sind sehr seltene Ausnahmen. Thomas Mann war  ein Vertreter dieser Art. Ich glaube, auch John Irving schreibt sehr diszipliniert. Ich persönlich brauche schon ein paar Krücken, damit ich das gesunde Trinken, das Wasser, nicht während der Arbeit vergesse. Dazu gehört für mich ein Wohlgefühl beim Trinken. Ein einfacher Teebeutel inspiriert mich nicht. Und nur Wasser auch nicht. Wasser mit einem Schuss Zitrone, frisch gepresster O-Saft oder Tee, der vom Geschmack und auch von der Verpackung etwas Besonderes ist, können mich schon eher zum Trinken bewegen. Es sollten unbedingt mindestens 2 Liter pro Tag sein, drei Liter sind besser. Die heutige Aufgabe ist zweiteilig. Zuerst gilt es, einen Trinkplan für sich selbst zu entwickeln. Hierfür werden die folgenden Fragen beantwortet:

Was will ich trinken?

Wann will ich es trinken?

Wie kann ich mich daran erinnern?

 

Die Schreibübung dieses Tagesschrittes sieht so aus:

Schreiben Sie auf, welche Story Ihnen zum Titel: „Schwimmende Wörter“ einfällt. Nehmen Sie sich etwa 20 Minuten Zeit dafür und legen Sie die Arbeit dann weg. Sie können Sie später jederzeit wieder vornehmen und vielleicht auch in einem Ihrer Werke verwenden.


Ich habe übrigens Shuyao Tees für mich entdeckt. Naturrein, ergiebig und bis zu fünfmal aufzugießen. Mit einer Tagesportion komme ich also von morgens bis abends zu meinem Trinkgenuss. Ich persönlich ziehe einen geräucherten Tee vor, aber auch die Gewürz-und Kräutertees sind überzeugend gut. Und weil ich von diesen Tees wirklich überzeugt bin, verschenke ich heute eine Tagesportion Shuyao Tee zusätzlich zu jedem Heft 1 des TextTime Autorentraining. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Print- oder um die E-Book-Version handelt. Ich freue mich darauf, dass wir dann gemeinsam – wenn auch nur in Gedanken – einen großen Pott Tee genießen können. Diese Aktion gilt bis 7.1.17, 23.59 Uhr.

coverGedruckt, aus Papier, DIN A4, ein echtes Arbeitsheft zum Reinschreiben und Ausfüllen, 9,90 €, portofrei

E-Book, Inhalt identisch mit der Printversion, 2,99 € / Download


 

Tag 3 Autorentraining

Der dritte Tag des Trainings auf diesem Block stammt aus dem Anhang des Arbeitsheftes 1

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Im Anhang finden Sie in jeder Lektion eine Erklärung oder eine Technik rund um Genre, Gattung oder Stil.

Drabbles

Drabbles sind Geschichten aus exakt 100 Wörtern. Dabei ist die Überschrift nicht mitgezählt. Können Sie sich nicht vorstellen? Es klappt aber.

Hier finden Sie ein Beispiel:

Die Geburtstagstorte
„Was soll das werden?“ Dieter stapfte mit lauten Schritten in die Küche. Er war mürrisch, seit er seine Arbeit verloren hatte. Seine cholerische Art wuchs mit jedem Tag seiner Untätigkeit. Elsa bekam schon Angst, wenn sie ihn nur sah. „Ich wollte eine Geburtstagtorte für dich backen.“ Dieter rülpste laut. „Du und backen? Das wird ein schönes Giftzeug werden.“ Elsa schluckte schwer. Sie musste eine Lösung finden. „Giftzeug, das war es.“ Voller Vorfreude mischte sie das Backpulver und das Rattengift unter das Mehl. Der Kuchen gelang ihr prächtig. Dieter konnte nach dem ersten Stück keinen miesen Kommentar mehr zum Giftzeug abgeben.

Schreiben Sie doch ein eigenes Drabble. Spielen Sie mit und gewinnen Sie das kostenlose Feedback für Ihre Ergebnisse. Sie können bis Sonntag, 8.1.2017 problemlos einsteigen.

Hier gibt es weitere Infos zum Autorentraining von TextTime

Schreiben bedeutet sichtbar machen – Tag 2 des Autorentrainings

Zweiter Teil, Tag 23 des Autorentrainings Hier geht es zum ersten Teil

Hier erhalten Sie einen Einblick in das erste Heft. Und eine Motivation dazu. Wer es schafft, fünf Tage lang durchzuhalten und mir bis Sonntag, 8. Januar 2017, seine Lösungen zu schicken, erhält das Trainingsmaterial für den ersten Monat kostenlos als pdf. geschenkt!

coverDIN A4, 40 Seiten Heftbindung, 9,90 € inklusive Porto
E-Book (Format ePub), 2,99 €

Schreiben heißt beschreiben. Ihre Sprache transportiert Bilder in das menschliche Gehirn. Die Leser sind begeistert, wenn diese Bilder möglichst bunt und farbenfroh erscheinen. Allerdings gibt es auch Bilder, die jeder Leser schon viel zu oft gesehen hat. Sie wirken dadurch langweilig und lassen die Konzentration des Lesers schwinden. Wenn der Leser denkt: „Das kenne ich“, hat er keinen Gewinn durch das, was er liest.

„Er legte schützend den Arm um ihre Schultern und sie saßen schweigend auf der Bank.“ Wie öde. Jeder hat dieses Bild schon in verschiedensten Variationen vor Augen. Wer das liest, wird denken, dass er schon weiß, wie es weitergeht. Es fehlt jede Spannung. Beschreiben Sie doch die Bank oder die Fußspitzen der beiden, die zueinander zeigen. Beschreiben Sie, dass seine Hose am Hintern nass wird, weil die Bank voller Tau war. So wird der Leser gezwungen, ein neues Bild zu kreieren. Und er bleibt freiwillig in Ihrem Bann. Beschreiben Sie das, was nicht augenscheinlich aber trotzdem real ist. Nutzen Sie die folgenden zwei Bilder, um sich mit der Beschreibung von unscheinbaren Details zu befassen, die nur Sie sehen und erschaffen können.

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Gutes Gelingen! Wenn Sie Fragen haben, stellen Sie sie, ich freue mich auf einen Austausch.

Die 3 Motive des Schreibers

Schreiben ist eine Tätigkeit, die viele als eine Art von Lebensmittel ansehen. Wem das Schreiben „im Blut“ liegt, der kann es einfach nicht lassen. Der Aspekt der Leidenschaft ist gerade bei kreativen Schreibern ausgesprochen wichtig. Die zweite Kategorie der Schreibenden sind die Menschen, die zum Zweck der Selbstherapie schreiben. Schreiben bedeutet für sie, sich zu befreien und sich Luft zu verschaffen. Eine dritte Kategorie sind Personen, die über ein gutes Sprachvermögen verfügen und ihre Kompetenz nutzen, um Geld zu verdienen. Die meisten Schreibenden sind Mischtypen. Leidenschaftliche Selbsttherapie mit wirtschaftlichen Vorteilen. Eine tolle Art der Beschäftigung, Schreiben ist quasi ein all-in-one-Luxus. Betrachten wir aber den Schreibenden einmal aus der Sicht der modernen Psychologie, wird es viel spannender. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Mensch verschiedenen Grundbedürfnissen nachgeht. Ernährung und ein Dach über dem Kopf haben in unserer Gesellschaft alle, die es wollen. Diese drängenden, existentiellen Bedürfnisse haben keine wirklich motivierende Wirkung mehr wie etwa vor 60 oder 70 Jahren. Es bleiben andere Bedürfnisse, die uns motivieren und bewegen können. Grob gesagt handelt es sich um

  1. Macht
  2. Verbundenheit
  3. Wachstum

Macht ist hier nicht die Macht über andere sondern durchaus auch die macht über das eigene Leben. Verbundenheit spielt eine große Rolle, weil Feedback und Anerkennung uns helfen, uns selbst zu erkennen. Das Bedürfnis nach Wachstum und Entwicklung verbindet die Menschen mit allen anderen Lebewesen auf der Erde. Es ist ein Bestandteil des Lebens per se.

Eigene Motive erkennen lässt effizienter arbeiten

Wer seine eigenen Motive erkennt, findet schneller die Art von texten, die er schreiben sollte, heraus. Wo das Motiv „Macht“ vorn steht, der braucht möglichst viele Freiheiten, er ist als klassischer Self-Publisher glücklicher als Auftragsschreiber. Wem es um Wachstum geht, der sollte sein Spektrum möglichst breit halten und wer Verbundenheit durch das Schreiben sucht, der ist als Ghostwriter vollkommen falsch.

Verbindung mit dem Leser

Das Erkennen der eigenen Motive (auch hier sind meist Mischtypen gegeben) erhöht die Empathie mit dem Leser bzw. der Zielgruppe. Denn auch der Leser wird von einem oder mehreren Motiven angetrieben. Er liest etwas, um seine betreffenden Bedürfnisse zu befriedigen. Aus dem selben Grund geschieht alles, was Menschen handeln. Wir sehen die Motive manchmal nicht, aber sobald wir die Oberfläche verlassen, werden die Motive sichtbar. Das hat eine große Bedeutung für die Ermittlung der Zielgruppe. Was hat der Leser davon, gerade dieses Buch zu lesen? Wir sollten es unseren Lesern mitteilen, wenn wir gelesen werden wollen.

Einfluss auf die Figuren

Wer Figuren erschafft, will realistische Figuren schaffen. Das ist wichtig, damit der Leser sich identifizieren kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Held fünf Augen oder drei Beine hat. Die Äußerlichkeiten sind zwar für die Vorstellungskraft wichtig, nicht aber für das Begreifen der Figuren. Jede Figur hat ein Grundmotiv. Meist entstehen Konflikte in Storys dadurch, dass die Personen sich in der Erfüllung der Grundbedürfnisse gegenseitig behindern. Die Frau verlässt den Mann, der ihr das Arbeiten verbieten will (Wachstum). Der Vater jagt den Mörder seiner Tochter (Verbundenheit). Auch weniger dramatische Konflikte haben die Grundmotive im Hintergrund. Die Beziehungskrise, weil er wegen seiner Karriere nicht mit ihr zusammenziehen will (Verbundenheit contra Wachstum). Die Ablehnung von eigenen Kindern, die zur Scheidung führt (Macht über sich selbst contra Verbundenheit und Wachstum).

Innere Konflikte erkennen

Es macht Freude, die inneren Konflikte bei sich selbst zu entdecken. Anschließend können sie glaubhaft auf die Helden unserer Geschichten übertragen werden. So entsteht Authentizität. Unsere inneren Konflikte entstehen, wenn wir einen festen und gut bezahlten Auftrag ablehnen, weil in uns die Motive Wachstum (hier finanziell) und Macht (hier Autonomie) streiten. Warum haben wir uns entschieden, wie wir entschieden haben? Auch unsere Helden stecken immer wieder in diesen Konflikten. Das ändert sich erst, wenn wir über Roboter schreiben. Das würde gar nicht funktionieren, deshalb wird den Maschinen in der Literatur immer so etwas wie menschliches Leben angedichtet. Wo keine inneren Konflikte vorliegen, gibt es keinen Spannungsbogen. Und wo es keine Spannung gibt, so sehr es zu bedauern ist, kann es keine Entspannung geben.

Suchen Sie Ihre inneren Konflikte

Liebe Schreibenden, suchen Sie Ihre inneren Konflikte. Begeben Sie sich auf die Reise in das Innere Ihrer eigenen Existenz und finden Sie nicht nur heraus, welche Motive Ihre Tätigkeit bestimmen. Finden Sie auch viele neue Vorlagen für ihre kommenden Geschichten.


Vom 23. – 25. März 2017 findet im Salzlandkreis ein Workshop für Autorinnen und Autoren statt.

Autorentraining: Lebendigere Figuren erschaffen

Inhalte:

Lebendigere Figuren erschaffen durch

  • Erkennen der eigenen Motive
  • Begegnung mit den eigenen Archetypen
  • Kreativitätsübungen

Für acht Teilnehmer gibt es Platz. Der Workshop bietet abwechselnd jeweils Entspannungsaspekte von Meditation bis Tanz, Kreativitätsübungen mit Wörtern, Farbe und in der Natur und die Arbeit an den eigenen Motiven und den Archetypen. Die Arbeit wird auf der Basis psychologischer Grundlagen und nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt.

Frühbucher bis zum 30. Januar 2017 zahlen für den gesamten Workshop inklusive 2 Übernachtungen mit Frühstück und den Skripten nur 150,00 €. Informationen gibt es hier per Mail.

S e O schreibt man heute

SEO – Search Engine Optimizing ist das Zauberwort im Internet. Wer es nicht schafft, mit den Suchmaschinen zu kommunizieren, wird vergessen und übersehen. Texte im Internet haben einen mitunter kuriosen Stil, sie erfüllen Bedingungen, die Maschinen stellen, nicht Menschen. Trotzdem ist es wichtig, diese Regeln zu kennen. Ohne die Fähigkeiten, im Netz auf sich aufmerksam zu machen, kann ein Autor heute kaum überleben. SEO gehört heute zur Selbstvermarktung wie früher ein Plakat oder ein schön dekoriertes Schaufenster. Das gilt übrigens für jede Branche, nicht nur für das Schreiben. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie SEO erlernt werden kann. Und wohin es führen würde, wenn die Grundsätze der Online-Kommunikation auch im realen Leben Anwendung fänden. Deshalb habe ich einen Krimi geschrieben. Mit Keyword, H2-Überschriften und Bullets. Dafür musste ich Emotionen und Stilmittel weglassen. Den Protagonisten brauchte ich auch nicht. Und eine Handlung ist für Suchmaschine vollkommen irrelevant.

SeO schreibt man heute

Also, Herr Google (oder bist du Frau Google?) ich habe einen Krimi für dich geschrieben. Ich hoffe, du findest ihn und er macht dir viel Freude. Viel Spaß beim Lesen!

Der Mörder war der Reporter

Wir beginnen mit einer Meta-Description:

Reporter werden ist nicht schwer. Edgar K. hat sich in der Lokalredaktion schnell hoch gearbeitet. Deshalb durfte er die Berichterstattung über die Frauenleichen im Schrebergarten übernehmen. (Die Meta-Description ist zu lang, 140 Zeichen sind optimal.)

Zweiter Versuch:

Reporter werden ist nicht schwer. Ulf K. hat sich in der Redaktion schnell hoch gearbeitet. Die Berichterstattung über die Frauenleichen im Schrebergarten durfte er allein übernehmen. (Mist, 158 Zeichen)

Dritter Versuch:

Klaus-Dieter K. hat sich in der Redaktion schnell hoch gearbeitet. Die Berichterstattung über die Frauenleiche im Schrebergarten durfte er deshalb allein übernehmen.

 

Prima, aus Edgar über Ulf einen Klaus-Dieter gemacht und nur noch eine Leiche, wenn das mal nicht spannend ist. Nach der Meta-Description  brauche ich jetzt etwa 400 Wörter. Der Text braucht mindestens zwei h2 Überschriften und Bullets machen sich immer gut. Also an die Arbeit, das Internet ist kein Ponyhof.

 Weiter im Text, mit einem Teaser, der immer wieder verwendet werden kann:

Manche Menschen lesen gern Krimis. Meistens gibt es einen Täter oder eine Täterin. Ein Kommissar versucht, den Täter zu fassen und wenn das geklappt hat, sind alle froh. Der folgende Kriminalfall ist ganz normal. (Super, das passt immer, oder? Jetzt können wir ins Detail gehen.)

Klaus-Dieter lebte allein und hatte eine Vorliebe für Waffen. Im Dorf lebte er eher als Einzelgänger. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, zog er den Jogger über und setzte sich vor den Fernseher. Zumindest dachten das die anderen von ihm. In Wirklichkeit polierte und bewunderte er seine Waffen Sammlung (bitte nicht zusammen schreiben, sonst findet die Suchmaschine das Keyword nicht) und ging einem dunklen Geheimnis nach.

<h2>Im Dorf war er eher unbekannt</h2>

Die anderen Dorfbewohner suchten keinen Kontakt zu Klaus-Dieter. Dass er Waffen sammelte, wussten Sie nicht einmal. Sie schätzen ihn als Nachbarn, aber niemand interessierte sich wirklich für ihn. Sie kannten ihn schon als kleinen Jungen und wussten, dass er eine sehr schwierige Kindheit hatte, weil seine Mutter sehr streng war. Wahrscheinlich sammelte er deshalb Waffen.

<h2>Ein dunkles Geheimnis um Klaus-Dieter</h2>

Sobald es dunkel wurde, bemühte er sich, so schnell wie möglich in den Schrebergarten zu kommen. Niemand wusste, dass er sie Schlüssel zu einer verlassenen Hütte hatte. Hier genoss er sein Leben aus vollen Zügen, indem er von Zeit zu Zeit eine Prostituierte bestellte und mit ihr über seine Mutter sprach. Wenn die Frau besonders vertrauenswürdig wirkte, zeigte er ihr auch einige seiner Waffen.

Also:

  • Waffen Sammlung
  • Gestörtes Verhältnis zur Mutter
  • Geheime Hütte

<h2>Der Bericht bringt es ans Licht</h2>

Als Klaus-Dieter K. in seinen Zeitungsberichten über die Leiche im Schrebergarten immer wieder die Waffen beschrieb, mit denen die Frau getötet worden war, war der Fall klar. Die Polizei merkte schnell, dass es sich um Insiderwissen handelte, denn niemand hatte Details über die Tat Waffen (s.o.) bekannt gegeben.

<h2>Schnell überführt und abgeführt</h2>

Die Behörden reagierten schnell. Sie durchsuchten die Wohnung von Klaus-Dieter K. und fanden die Tat Waffen. Sie nahmen in fest und stellten Strafantrag wegen Mordes an einer Frau.

Tja, so verändert sich Sprache. Ich bin gespannt auf die Veränderungen, die wir aus der Online-Kommunikation in unser real life importieren werden.

Mehr zum Thema SEO, Online-Kommunikation und die Sprache mit der Maschine gibt es hier.

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Stefanie Glaschke: SeO schreibt man heute…Marketing im Internet und die Folgen für unsere Sprache

ab 15.12. im Handel oder hier vorbestellen für 12,90 €. Infos hier per Mail

 

 

Von den Besten lernen

Autoren brauchen Sprache. Und wer lernen will, wird sich Vorbilder suchen. Dabei geht es nicht um das Kopieren der anderen sondern darum, Impulse zu erhalten, die dann gemeinsam mit den persönlichen Erfahrungen eine neue, individuelle Mischung ergeben. Ich bin überzeugt, dass Kreativität immer dann erfolgreich wird, wenn neue Kombinationen entstehen. In zehn Tagen wird der Literaturnobelpreis übergeben. Zeit, sich mal mit den Preisträgern aus der Vergangenheit zu befassen. Ich habe Frauen gewählt, ganz einfach, weil ich eine Auswahl treffen musste und denke, Frauen werden viel zu selten erwähnt. Vielleicht ergibt sich in der ruhigen Zeit zwischen den Jahren die Gelegenheit, eine der Autorinnen zu lesen. Die eigene Schreibe wird es danken!

Der Literaturnobelpreis zählt zu den fünf Nobelpreisen, die denen zugeteilt werden, die den größten Nutzen für die Menschheit geleistet haben. Die Nobel- Stiftung wurde dabei 1900 durch Alfred Nobel gegründet, und wird seither jährlich in Stockholm von der dortigen schwedischen Akademie vergeben. Der Literaturnobelpreis ist bereits seit 2012 mit acht Millionen Schwedischen Kronen datiert, was etwa 818.000 Euro entspricht. Gründer Alfred Nobel hinterließ dafür ein Testament, welches den Statuen der Nobel-Stiftung zu Grunde liegt und besagt, dass mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werden soll, wer das Vorzüglichste geschaffen hat, und zwar in idealistischer Richtung. Die Preisträger werden jedes Jahr in der ersten Oktoberhälfte bekannt gegeben. Die Preisübergabe erfolgt dann am 10. Dezember, zum Todestag von Alfred Nobel, durch den schwedischen König.

Frauen und der Literaturpreis

Für Frauen spielt der Literaturnobelpreis eine wichtige Rolle. Er wurde erstmals 1909 an die Schwedin Selma Lagerlöf vergeben. Bis 2016 wurden 13 weitere Frauen die Ehre zu Teil, mit diesem Preis für Schreiben ausgezeichnet zu werden. Das revolutionierte die bis dato  durch Männer bestimmte Domäne der Nobelpreisträger. Um zu betonen, dass auch Frauen gerade bei der Vergabe des Literaturnobelpreises eine wichtige Rolle spielen, veröffentlichte der offizielle Twitter Account der Nobelpreisstiftung am 13.10.2016 ein beeindruckendes Foto mit allen, insgesamt 14 Gewinnerinnen. In der Kategorie Literatur ist der Frauenanteil zudem höher als in anderen Kategorien. Grund ist nicht etwa der mangelnde Ehrgeiz. Vielmehr wird der Nobelpreis für Literatur für Lebensleistungen an die Preisträger vergeben. Oftmals liegt das Geleistete Jahrzehnte zurück, und fällt in einen Jahrgang, der zur damaligen Zeit eher durch Männer dominiert war. Aber die Zeiten ändern sich. Gerade beim Literaturnobelpreis setzen sich immer mehr Frauen durch.

Doris Lessing

Doris Lessing wurde 1919 im Iran geboren und erhielt den Nobelpreis für Literatur 2007. Als Hauptwerk gilt ihr bewegender Roman „Das goldene Notizbuch“. Zudem gilt sie als Frau mit Leidenschaft und Skepsis, als wahre Epikerin, deren Leidenschaft es war, die genaue Prüfung einer zu zersplittern drohenden Zivilisation vorzunehmen. Weitere bekannte Bücher waren „Die Terroristin“, „Das fünfte Kind“ und „Afrikanische Tragödie“. Doris Lessing war mit Gottfried Lessing verheiratet, und starb im November 2013 in London.

Herta Müller

Herta Müller war Preisträger für den Nobelpreis für Literatur im Jahre 2009. Herta Müller wurde 1953 in Deutschland geboren, wuchs allerdings in Rumänien auf. Ihre Romane handeln von Heimatlosigkeit. Der wohl bekannteste Roman „Atemschaukel“ bearbeitet zudem die nur schmerzhaft verarbeiteten Erfahrungen während der Ceausescu-Diktatur. Herta Müller spricht nicht nur Deutsch und Rumänisch, sondern beherrscht auch fließend Ungarisch. Weitere bekannte Werke sind “ Heute wär ich mir lieber nie begegnet“ und „Der Blick der kleinen Bahnstationen“.

Nadine Gordimer

Nadine Gordimer wurde 1923 in Südafrika geboren, und erhielt 1991 den Literaturnobelpreis. Sie ist die Tochter jüdischer Einwanderer, die aus England und Litauen stammen. Ihre größte Vision ist das friedliche Zusammenleben aller Menschen, insbesondere von Schwarzen und Weißen. Dabei gilt ihre Leidenschaft dem Schreiben. In ihren Büchern greift sie nicht nur die Apartheid an, sondern stellt sich den oftmals komplizierten Verhältnissen der Gesellschaft und der Umwelt. Zu ihren Werken zählen „Burgers Daughter“ und „The Pickup“. Gordimer verstarb 2014 in Südafrika.

„Keine Zeit wie diese“ von Nadine Gordimer

Mehr über Literatur, Sprache, Schreiben?

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Vom Ghostwriting und anderen Selbstschädigungen

Autoren wollen leben. Dazu gehört auf körperlicher Ebene auch Essen, Trinken, Wohnen. Ihre Kompetenz und ihre Ware ist das Wort, der Umgang mit der Sprache. Damit haben sie die höchste Kompetenz in dieser Gesellschaft. Es geht definitiv nicht ohne Wort. Das tollste Produkt muss über das Wort erklärt, beschrieben, vermarktet werden. Die größte Wissenschaft wird über Wörter vermittelt. Sprache ist ein Kulturgut, das wegen seiner Selbstverständlichkeit kaum noch geachtet wird.

Was können Autoren verkaufen? Wörter. Die Wörter sind ihr Eigentum, sie können damit tun und lassen, was sie wollen. Betrachten wir aber einmal eine andere Komponente. Fragen wir uns, wer die Käufer sind. Immer mehr greift es um sich, dass erfolgreiche Menschen sich Wörter kaufen. Sie verkaufen damit ihre Produkte und Dienstleistungen.

Nehmen wir allein das moderne Dropshipping. Waren werden hergestellt und in Online-Shops präsentiert und verkauft. Der Hersteller verpackt und liefert die Ware an den Kunden. Alles das geht nicht ohne Wörter. Denn die Online-Shops brauchen Texte. Kategorie-Texte, SEO-Texte, Produktbeschreibungen, Newsletter, Blogartikel und viele Texte mehr.
Der Texter, der vielleicht nicht bis zum Schriftsteller gekommen ist, weil er einfach keine Zeit und kein Geld für seine Entwicklung gefunden hat, liefert diese Texte.

Warum eigentlich? Er könnte diese Texte auch in seinen eigenen Shop oder seine eigene Website investieren. Was hält den Texter davon ab, sich zuerst selbst mit allen Gewinnen zu versorgen, die mit Wörtern gemacht werden können? Fehlt das Selbstwertgefühl? Würde eine Köchin hungern? Oder ein Schneider nackt herum laufen?

Ich finde diese Frage bedenkenswert. Wenn wir einen Ausflug in die Welt der Märchen machen, begegnen wir den Kaiser und seinen neuen Kleidern. Manchmal, wenn ich sehr, dass Menschen mit Wörtern Erfolg haben, die Ihnen nicht gehören, dann frage ich mich, ob wir als Schreibende nicht unsere Wörter besser schützen sollten. Wir kleiden nämlich Menschen, die nicht kommunizieren können. Und wir helfen Ihnen, Macht und Einfluss zu bekommen.

Jeder, der Wörter besitzt und sie verkaufen möchte oder muss, sollte wenigstens einmal am Tag, mindestens 300 Wörter nur für sich selbst schreiben. Das sollte er sich wert sein. Denn eine Köchin hungert nicht und ein Schneider ist nicht nackt. Aber es ist vielleicht gefährlich, eine Strömung zu unterstützen, bei der es eine Frage von wenigen Cents ist, ob sich ein Mensch mit fremden Federn schmücken darf oder nicht. Und wir wissen ja alle noch nicht, ob die Wörter nicht irgendwann einmal aufgebraucht sind. Dann bleibt dem Schreiber nichts.

Das ist mein Tipp für das Selbst-Management des Autors: Versorge dich zuerst selbst mit dem, was du kannst und hast. Jeder anderee würde es ebenso machen.

Und hier noch ein Tipp zum Lesen, zum Verschenken, zum Genießen:

Das Magazin HOHE LUFT befasst sich mit aktuellen und bewegenden Themen aus Gesellschaft & Kultur, Politik & Wirtschaft aus einem philosophischen Blickwinkel. Eine etwas andere Philosophie-Zeitschrift, die den Leser jedes Mal auf eine Denkreise einlädt.

HOHE LUFT [Jahresabo]

 

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