Ist Literatur spießig? – Biohacking für Autoren II

Diese und andere Fragen würden sich die meisten von uns Schreibern wahrscheinlich nicht stellen. Dabei ist sie durchaus berechtigt. Dieser Artikel soll die Frage nicht beantworten, vielmehr handelt es sich um die Fortsetzung meiner kleinen Reihe zum Thema Biohacking für Autoren. Nachdem im ersten Beitrag allgemeine Gedanken zu lesen waren, soll es jetzt um das Mindhacking gehen. Mind, also Geist, ist ein wichtiges Arbeitsmittel des Schreibers. Den Geist fit zu halten ist daher oberstes Gebot. Allerdings ist die Krux an der Sache, dass die wenigsten merken, wenn der Geist einrostet. Das Gehirn denkt nur zu gern in alten Strukturen und es fällt kaum auf, dass immer die gleichen Datenautobahnen im Gehirn genutzt werden. Kreuzworträtsel und Sudoku sind nicht wirklich geeignet, um einen Schreiberling flexibel zu halten. Ich habe mich auf die Suche begeben und eine tolle Idee gefunden, die inzwischen einen festen Platz auf meinem Schreibtisch hat.

Der SinnfragenKombinator: 3969 Fragen und keine Antwort. Ein spielerisches Frageset von Pia Frey 

Sinnfragen1

Jeden Tag reicht ein einfaches Umblättern einer Seite, um eine neue Denksportaufgabe zu bekommen. Sinnfragen2Eine tolle Möglichkeit, Gedanken zu finden, die niemand selbst gesucht hätte. Heute morgen lautete mein Denkanstoß:

„Ist Literatur spießig?“

Diese Frage stelle ich damit hier zur Diskussion. Fällt jemandem dazu etwas ein? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Welche weiteren Mindhacking-Methoden für Wortkünstler gibt es noch? Spielen ist immer die erste Wahl, um den Kopf in Schwung zu bringen. Eine Auswahl habe ich vor langer Zeit schon bereitgestellt. Aber auch die Schokolinsen-Methode soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wichtig ist die Struktur, in der sich das Mindhacking bewegt. Julia Cameron empfiehlt die Morgenseiten. Hier geht es um das freie Schreiben, vollkommen ohne Vorgabe und aus dem Bauch heraus. Jeder, der sich die Zeit dafür schon einmal genommen hat, hat den nachhaltigen Effekt gespürt. Wer allerdings einem Brotjob nachgeht, hat gerade morgens oft keine Zeit für Mindhacking. Da Zeit bei ihm immer eine akute Mangelsituation darstellt, braucht er eine Möglichkeit, mit der er in kurzer Zeit viel erreichen kann. 15 Minuten am Tag genügen für ein effektives Mindhacking. Dabei ist allerdings die Grundbedingung, dass das Organ Gehirn mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird. Wasser, essentielle Fettsäuren und Obst/ Gemüse sollten also auf dem täglichen Speiseplan den Schwerpunkt bilden.

Die 15 Minuten könnten mit dem freien Schreiben gefüllt werden, wie Cameron es beschreibt. Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität

Auch der Sinnfragen-Kombinator ist gut geeignet, wenn eine Antwort auf die aktuelle Frage schriftlich formuliert wird.

Auch brainscale.net bietet viele Denksportaufgaben, die die grauen Zellen erfrischen, allerdings ist hier die Gratis-Version mit langen Wartezeiten verbunden. Ein bezahlter Account für unter 5 Euro im Monat lohnt sich in jedem Fall. Die wichtigste Aufgabe ist, am Ball zu bleiben und täglich zu üben. Nur so kann erreicht werden, dass das Gehirn seine Potentiale freisetzt und schließlich flexibler und schneller gedacht (und geschrieben) werden kann.

Mehr zum Thema Biohacking gibt es auf diesem Blog, folgt einfach und verpasst nichts!

Autorentraining von TextTime, Heft 1cover

 

 

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Stadt-Land-Mord

Über die vielen Feiertage hat mein Schreiben geruht. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich nicht gearbeitet hätte. Vielmehr halte ich regelmäßiges Fördern der geistigen Kreativität für einen der wichtigsten Zeitvertreibe im Autorenleben. Aus diesem Grund habe ich mit meiner Familie Spiele gespielt, die einerseits Freude gemacht haben und auf der anderen Seite meine Ideenkiste 2018 bis zum Rand gefüllt haben. Das Spiel, das mir am meisten Ideen eingebracht hat, war „Stadt-Land-Mord“. Als Krimifan habe ich eine alte Idee aufgegriffen.

Gemäß den bekannten Regeln zum alten Kinderspiel „Stadt-Land-Fluss“ haben wir die Kategorien geändert in:

Stadt – Opfer – Tat – Waffe – Motiv – Fluchtfahrzeug.

So wurde Lisa in Luxemburg mit Lametta aus purer Lust die Luft abgeschnürt, bevor mein Mitspieler mit der Limousine getürmt ist.

Und Gregor wurde in Graz mit der ganzen Hand begrapscht, weil Gier meine Mitspielerin dazu getrieben hat. Sie flüchtete übrigens mit dem Großraumtaxi.

Bierernst haben wir die Regeln nicht genommen, wir wollten Spaß und sonst nichts.

Die Ergebnisse werde ich aufbewahren, wer weiß, welche Idee in einer meiner nächsten Geschichten Platz findet.

Der Vorteil der gezielten Förderung der Kreativität liegt darin, dass Ideen entstehen, die im Alltag oft nicht präsent werden oder schon vor ihrem Erscheinen wieder verdrängt werden, weil sie einfach nicht in den Lebenskontext passen. Diese Spiele sind nicht zielgerichtet. Das ist ein großes Plus.

Autoren brauchen Ideen und selbst bei den ganz Großen schient mir manchmal, dass sie in einer relativ begrenzten Spielfläche schreiben.

Kreativität wird auch mit den Synonymen „Einfallsreichtum“, Erfindungsgabe“ und „Produktivität“ im Zusammenhang gesehen. Hier können wir das breite Spektrum des Begriffs erkennen. Denn einen Einfall zu haben, muss noch lange nicht bedeuten, etwas zu erfinden. Die Produktivität ist ein Hinweis darauf, dass etwas entstehen soll. Für Schreiber geht es hier in erster Linie um Texte oder Storys. Wer Text produziert ist also kreativ. Allerdings ist nicht jeder Schreiber auch erfinderisch. Geniale Ideen wie die von Mariana Leky in ihrem Roman „Was man von hier aus sehen kann“ oder von Altmeister Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher„. Auch das kleine Werk von Kafka „Die Verwandlung“ gehört sicher in diese Aufzählung.

Einfach mutig sein und Dinge zusammenbringen, denen auf den ersten Blick jeder Bezug zueinander fehlt, ist eine Freiheit, die sich Autoren nehmen dürfen und sollten. Vielleicht ist das ein guter Plan für die nächsten freien Tage.

Weitere Spielideen sind auf diesem Blog bereits im Beitrag „Leidenschaftliches Spiel ist exzellentes Lernen“,  vorgestellt. Und wer mehr Kreativitätsanregungen haben möchte, kommt mit dem Autorentraining auf jeden Fall in Schwung. Auch die Schokolinsen-Methode sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt.

Und für alle, die hier regelmäßig vorbeischauen, gibt es wieder einen kleinen Wettbewerb. Spielen wir Stadt-Land Mord, wie oben beschrieben. (Stadt – Opfer – Tat – Waffe – Motiv – Fluchtfahrzeug.) Der gewählte Buchstabe ist M. Der erste, der seinen Satz an mich sendet, bekommt das Autorentraining Heft 1 als pdf. kostenlos!

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Autorentraining auf Texttime.de – Hier gibt es weitere Infos sowie die Printversion und die digitale Version

Wer am Wettbewerb (siehe oben) teilnimmt, erklärt sich damit einverstanden, dass seine Lösung hier anonym veröffentlicht wird.

Leidenschaftliches Spiel ist exzellentes Lernen

Spielen ist eine Fähigkeit, die lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Spielen war für Kinder und es wurde kein großer Sinn darin gesehen. Forscher wissen aber inzwischen, das Kinder während des Spielens große Lernerfahrungen sammeln.

Spielen trainiert Kernkompetenzen
Es gibt zwei Arten von Spielen. Da sind die Spiele, die das Sozialverhalten trainieren, indem Raum für Rollenspiele angeboten wird. Playmobil, Puppen und auch das alte Kaspertheater gehören in dieses Segment der Spiele. Soziales Verhalten haben Kinder früher aber auch ganz ohne Angebot von außen trainiert. Einfach so, auf der grünen Wiese, wenn Kinder sich entschieden haben, Sachensucher oder Cowboy und Indianer zu spielen. Diese Art zu spielen fördert das Verständnis für den Kontakt zu sich selbst und zur Umgebung.

Auch Mühle und Dame sind up to date
Auch die klassische Spielesammlung enthält Spiele, die nicht nur das Denken fördern wie Dame oder Mühle sondern auch die Empathie schulen, Umgang mit Frustrationen trainieren und die Konzentration stärken.

Techniken lassen sich spielend erlernen
Eine andere Art zu spielen, ebenso wichtig, ist das Erwerben von Kompetenzen im Spiel. Metallbaukästen gehören ebenso dazu wie Experimentierkästen oder Mathespiele. Aber was hat das alles mit dem Schreiben zu tun?

Erwachsene sollten spielen, um zu lernen
Auch Erwachsene spielen. Sie spielen Rollenspiele, häufig auf den sexuellen Bereich bezogen aber auch in der Arbeitswelt. Ein tolles Buch über die Spiele der Erwachsenen erschien von Eric Berné, dem Begründer der Transaktionanalyse.

Spiele für Schreiber
Es gibt hervorragende Spiele, die sich für alle, die Schreiben, eignen. Wort- und Sprachspiele wie Scrabble und „Stadt, Land, Fluss“ sind sicher noch allen bekannt. Aber der Handel bietet noch weitere tolle Möglichkeiten, die Schreiber gut zu Weihnachten verschenken können, um ein bisschen Werbung für Sprache zu machen. Ich denke da an TEAMWORK von Adlung. Oder an das Spiel Concept. Beides sind Spiele, die Sprache und Wörter auf eine heitere Art zum Thema machen. Das Spiel Wort, Schrift, Buch aus der Anno Domini-Reihe von Abacus führt in die Geschichte des Schreibens, allerdings weniger als Quiz sondern als ein Spiel, bei dem Bluffen erlaubt ist. Und das für weniger als 15,00 Euro. Dieses Spiel ist das perfekte Mitbringsel. Menschen, die sich ernsthaft mit Wörtern und Sprache befassen wie Schreiber, Texter, Autoren, Schriftsteller, sollten das Spielen mit Sprache neu entdecken. Es lässt den starren Blickwinkel der Berufschreiberei aufweichen, vermittelt neue Fähigkeiten und verbindet mit anderen Menschen. Gerade der letzte Aspekt ist besonders wichtig, denn Schreiben kann ein einsamer Beruf sein.

Mein persönlicher Favorit ist TABU und zwar in der XXL-Version. Macht einfach Spaß, schult die Sprachkompetenz und produziert einen Lacher nach dem anderen. Wer es noch nicht hat, sollte es sich selbst schenken. Dieses Spiel gehört in jeden Haushalt, in dem Kommunikation und Humor groß geschrieben werden. Also bitte als Geschenk zu allen Freunden mitbringen, egal ob zu Weihnachten, zum Geburtstag oder einfach so – und loslegen.