Eine authentische Schreibe wagen

SchreibutensilienSchreiben Sie sich nicht aus Ihrer Realität heraus. Erschreiben Sie sich lieber eine neue Realität! Schreiben hat immer eine Motivation. Die oberflächlichen Motivationen sind extrinsisch, das bedeutet, sie orientieren sich an der Umwelt. „Ich schreibe, um anderen etwas mitzuteilen“, oder „Ich schreibe, weil ich die Welt verändern will“ sind extrinsische Motivationen.

Dagegen stehen die intrinsischen Motivationen. Diese kommen aus dem eigenen Inneren und sind uns manchmal gar nicht bewusst. Hin und wieder fallen intrinsische Motivationen dadurch auf, dass das Werk sehr starke biografische Züge enthält.

Das kann bei Kritikern leicht zu einer Abwertung führen. Doch dafür gibt es keinen Grund. Warum sollte die Darstellung autobiografischer Aspekte ein Manko sein? John Irving zum Beispiel, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird dieser Kritikpunkt oft zur Last gelegt. Und doch lese ich seine schwarzhumorigen Geschichten ausgesprochen gern. Es spielt dabei keine Rolle, ob er über sich oder eine fiktive Figur schreibt.

Intrinsische Motivation ist wichtig, damit ein Autor nicht nur eine Geschichte erzählt sondern auch authentisch wirkt. Die Gefühle, die er mit bestimmten Orten verbindet, die Ängste, die er erlebt hat und die Leidenschaften, an denen er gescheitert ist, muss er kennen, bevor er sie schildert. Ob er seine Innenwelt mit fremden Namen und fiktiven Charakteren verbindet, spielt dabei kaum eine Rolle. Die Indianer sagen: „Urteile nicht über einen Menschen, in dessen Schuhen du nicht gegangen bist“. Das gilt auch für das Schreiben. Wer traut sich zu, das Leben eines Menschen zu beschreiben, das er gar nciht gelebt hat? Protagonisten bleiben flach, wenn wir nicht in ihren Schuhen gegangen sind. Unsere Vorstellungswelten allein genügen nicht, denn sie sind von Klischees, Voruteilen und alten Prägungen abhängig. Erfahrungen machen Menschen nicht mit der Ratio sondern live und über die eigenen Sinneswahrnehmungen. Authentisch und begeisternd kann nur schreiben, wer weiß, wie sich seine Schilderungen anfühlen. Ein Motto für Führungskräfte lautet:

Nur der kann andere entflammen, der selbst brennt. Wer nicht brennt, kann das Feuer beschreiben. Er beschreibt das, was jeder andere auch könnte. Damit geht die Einzigartigkeit verloren. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Gefühle aufzuspüren. Vielleicht die Wut über die Kinderarmut oder den Schmerz nach der letzten Trennung. Aus Gefühlen lassen sich Storys machen, die nicht gelesen sondern gelebt werden. Wer seine Vorstellungen beschreibt, arbeitet wie die Menschen in Platos Höhlengleichnis. Dort sehen die Menschen ihre eigenen Schatten und halten sie für die Realität. Vor-stellung ist rational begründet. Die Vor-stellung steht vor der Realität und versperrt im schlimmsten Fall sogar den Blick. Vor-stellung schreiben ist wie Urlaubsdias zeigen. Es ist Leben aus zweiter Hand.

Dabei entsteht noch ein weiterer Vorteil: Wer seine eigenen Gefühle verarbeitet, entwickelt sie und damit sich selbst. Es lohnt sich, sich selbst einmal zum Protagonisten zu machen. Unter Umständen hilft ein Selbstversuch sogar, eine Prämisse für den nächsten Roman zu finden. Eine kleine Übung kann helfen, sich diesem Thema zu nähern. Gehen Sie einmal tief in ein Gefühl zurück, dessen Wirkung Ihnen noch gegenwärtig ist. Beschreiben Sie das Gefühl, ausführlich und mit allen Wahrnehmungen. Schreiben Sie es auf. Intensiv. Lassen Sie sich Zeit und stellen Sie sich vor, Sie würden dieses Gefühl aus einem Fass schöpfen, so lange, bis kein Tropfen mehr im Fass ist. Das ist unter Umständen auch mit Wiederholungen und mit Wörtersuche verbunden. Wenn Sie diese Beschreibung nur eines einzigen Gefühls in nur einer Situation vor sich sehen, könnte Ihnen eine großartige Idee für die Entwicklung einer Figur kommen, die echt ist und authentisch wirkt. Wenn das der Fall ist, liegt eine intrinsische Motivation vor und Sie schreiben für sich. Sie brennen für Ihre Figur und können Ihre Leser entflammen.

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Meine Empfehlung: Autorentraining – für alle, die noch besser werden wollen

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Ich freue mich, wenn Sie diesem Blog folgen oder Kontakt zu mir aufnehmen – oder beides 😉

 

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Wie man sich setzt, so schreibt man

Es mag vordergründig gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben, doch auch der Schreibplatz spielt eine bedeutende Rolle. Wer hauptberuflich an einem Schreibtisch sitzt, der sollte sehr großen Wert auf sein Sitzmöbel legen. Haltungsschäden, die durch Computerarbeitsplätze entstehen, machen unter den chronischen Erkrankungen einen großen Anteil aus. Wer den Arbeitsplatz häufiger wechselt und nicht immer auf dem gleichen Stuhl sitzt, hat Vorteile. Doch die meisten Berufsautoren richten sich früher oder später einen festen Arbeitsplatz ein. Hier gilt, auf die Gesundheit der Wirbelsäule zu achten. Außerdem sollten Autoren in den Pausen den Arbeitsplatz verlassen und vielleicht ein paar Entspannungsübungen machen.

Auch die Augen werden in Mitleidenschaft gezogen, so modern der Bildschirm auch sein mag. Augentraining in den Schreibpausen kann Wunder wirken. Dabei sind die gesunden Pausen nicht etwa ein Zeitverlust, ganz im Gegenteil.

Eine unbequeme Haltung führt zu Verspannungen, Kopfschmerzen und fehlender Konzentration. Die Zeit, die mit ein bisschen Gesundheitspflege verbracht wird, holt jeder Autor schnell wieder rein, wenn er danach frisch und munter ans Werk geht.

Mancher schreibt vielleicht auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl. Doch die sind teuer und oft auch nicht gerade ansprechend in ihrer Optik. Es gibt aber auch Alternativen, die erschwinglicher sind und trotzdem für eine gesunde Sitzhaltung sorgen.

Mein Favorit ist der Kniestuhl/ Kniehocker von Idimex. Er ist nicht unbedingt für den ganzen Tag geeignet, aber er passt bequem unter den Schreibtisch und kann immer mal wieder hervorgeholt werden. Die Sitzanordnung sorgt dafür, dass der Rücken aufrecht ist. Das entspannt die Rückenmuskulatur. Da der Kniehocker höhenverstellbar ist, passt er für fast alle Körpergrößen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich ihn auf Reisen mitnehmen kann. So kann ich auch im Ferienhaus oder Hotelzimmer vernünftig arbeiten. Der geringe Preis ist optimal! Wer ein bisschen mehr ausgeben will, findet natürlich auch noch hübschere und extravagantere Modelle.

                                      Cinius Hocker, Gummibaumholz, etwa 145,00 €

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Dynamisch und irgendwie chic sieht dieser aus, der Hocker Mahora ist in vielen Farben erhältlich.

Wer noch keinen Bürostuhl hat und sich gerade nach einem geeigneten Modell umschaut, der sollte mal einen Blick auf diesen „Samtsessel“ werfen. Ein tolles Teil für Autoren mit Anspruch und dabei für unter 80 Euro.

Nützliche Tipps für die Entspannung der Augen sind hier zusammengestellt. Und ein paar Lockerungsübungen, für die niemand gleich die Yogamatte rausholen muss, gibt es hier. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in diversen Ratgebern tolle Infos und viele Ideen zum Nachmachen.

 

Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Warnung: Dieser Beitrag hat Überlänge. Ich empfehle das Lesen mit gewürztem Popcorn und einem leckeren Smoothie.

Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Diese Frage stürmt gerade mein Umfeld im WWW.

Eine typische Frage, die sich jeder einzelne Schreibende stellen sollte, die aber niemals kollektiv beantwortet werden kann.

Sicher habe ich eine persönliche Antwort und jeder andere hat sicher seine eigene Antwort auf die Frage.

Aber es gibt auch Informationen auf der Sachebene, die ich hier zusammengestellt habe.

Im Jahr 2003 waren bei der VG Wort über 100.000 Autoren registriert. Und es werden immer mehr. Die Zweitrechte aller registrierten Autoren zu wahren macht eine Menge Arbeit, wenn man bedenkt, dass nach
C.V.Rock (leider gibt er seine Quelle nicht an) von allen Bundesbürgern

ca. 15 Prozent geeignet sind, sich schriftstellerisch zu betätigen,
ca. 20 Prozent nach erfolgter Ausbildung gut und verständlich schreiben können,
ca. zehn Prozent es niemals lernen werden,
und man die restlichen 55 Prozent „als Durchschnitt bezeichnen kann“.

Auf der Buchmesse in Frankfurt waren im letzten Jahr an die 300.000 Titel zu sehen. Mehr als zwei Drittel kamen aus dem Ausland, denn in der Bundesrepublik erschienen nur knapp 100.000 neue Titel.

Es sieht also gar nicht so gut aus mit den deutschen Autoren. In den USA beispielsweise lernen die späteren Autoren das Schreiben – und stürmen die weltweiten Bücherlisten. Auch die Lieblingsautoren der deutschen Leser sind nicht immer Landsleute.

Landläufige Meinung scheint zu sein, dass ein Autor keine Ausbildung braucht. Das ist typisch für unsere Nation. Eltern brauchen keine Ausbildung, Partner schütteln alles aus dem Ärmel und Ernährungs- und Gesundheitsexperten sind wir auch von Geburt an. Dagegen stehen die alarmierenden Zustände, in denen wir und unsere Kinder leben. Ach, fast hätte ich es vergessen, die Demokratie ist uns auch in die Wiege gelegt. Also alles in Butter. Ausbildung geht gar nicht. Das setzt sich ja inzwischen in der Bildung auch schon konsequent durch. Sind wir unbelehrbar oder einfach nur belehrungsresistent? In anderen gesellschaftlichen Bereichen scheint es nicht besser zu laufen.

Wir können eben alles allein und von selbst. Deshalb haben sehr viele von uns ernährungsbedingte Erkrankungen, stressbedingte Probleme und knappe Kassen. Der deutsche Michel und sein angeborenes „Schlau-Sein“. Statt auch mal über die Grenzen zu schauen, und zu sehen, das BILDUNG etwas mit der Gestaltung der eigenen Kompetenzen und Persönlichkeit zu tun haben könnte, fällt vielen in diesem Land nur ein, dass sie die Schule schließlich hinter sich haben.

Bildung hat mit Werten zu tun. Und ein Wert ist, seine Fähigkeiten zu erweitern und zu wachsen. Wer glaubt, nichts lernen zu müssen oder das Training hinter zu haben, der – der Leser möge den Ausdruck verzeihen – hat den Bezug zu sich selbst verloren.

Die Zahl der veröffentlichten Manuskripte liegt zwischen einem von 3000 bis zu einem von 10.000 (je nach Verlag). Eine Vielzahl der Manuskripte fällt schon deshalb durch, weil das Exposé schlecht geschrieben ist. (siehe Annes Schreibstube) Autoren brauchen aber keine Ausbildung. Aber damit gehen wir ganz locker um, ungefähr so wie Teenager: „Ich brauch keinen Verlag, ich mach das alles selbst.“ Das hab ich mit 14 auch so gemacht. „Ohne Titel“ hieß mein Jugendwerk. Nett, bei allen Freunden beliebt…. Ich war eine von den etwa 25 Prozent aller jungen Menschen, die schreiben wollen. Heute weiß ich, dass dieser Ansatz zur Eigentherapie entwicklungspsychologisch bedingt ist. Der Wunsch sich mitzuteilen in der „Sturm und Drang“ Phase der Adoleszenz. Dass ich gelesen werde habe ich erst geglaubt, als ausländische Verlage sich für Bücher aus meiner Feder interessiert haben. Denn mir war klar, jetzt kaufen keine Bekannten mehr, jetzt kaufen echte Kunden. Allerdings ist das sicher keine Bedingung, die erfüllt werden muss. Also keine hinreichende aber eine bereichernde Erfahrung.

Heute ist der Autor sehr oft sein eigener Zuschussverlag. Er bezahlt zwar keinen Druckkostenzuschuss aber er sitzt Tag für Tag auf seinem Posten und  betreibt stundenlang Marketing in den sozialen Medien. Manchmal kann Marketing viel erreichen. Zeit ist Geld.

Wir kennen das Phänomen aus vielen Bereichen. Es stimmt einfach nicht, dass weniger gelesen wird. Es stimmt auch nicht, dass Verlage keine Autoren suchen. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben das digitale Lesen und die Möglichkeiten, die sich heute jedem bieten, einen Ponyhof bereitgestellt. Und das ist gut. Denn es schadet niemandem. Aber ob wir wirklich etwas davon haben, wenn ein ganzer Berufszweig in der geregelten Armut lebt, ist eine andere Frage.

Die Klagen darüber, dass Autoren oft unter dem Mindesteinkommen in Deutschland leben, kommen nicht von ungefähr. Autoren brauchen keine Ausbildung. Amazon gibt an, dass die Mehrzahl der Self-Publisher unter 500,00 € im Jahr umsetzen. Am schlimmsten sieht es für die Genres Fantasy und Thriller aus, Sie gelten als überfüllt und daher – bis auf wenige Ausnahmen – chancenlos.

Autoren brauchen keine Ausbildung – sie leiden gern, lieben es, arm zu sein und sind stolz auf ihre Berufsbezeichnung. Schließlich schwingen da Autonomie und Freiheit mit, oder?

Ich halte es für falsch, diese Frage überhaupt zu stellen. Und damit komme ich an den Anfang zurück. Jeder Mensch, der sich verbessern will, wird einfach immer wieder voller Freude und Interesse seine BILDUNG in seinem Fachgebiet erweitern.

Und ich denke, das ist die Antwort: Autoren pauschal gibt es nicht. Es gibt, wie unter den Ärzten, Lehrern, Buchhaltern und allen anderen auch die, die irgendwann fertig sind mit ihrer Entwicklung und die, die Freude daran haben, etwas für sich selbst zu tun. Was für meinen Zahnarzt, meinen Biobauern und sogar meinen Floristen gilt, gilt auch für Autoren. Wer sich nicht weiterbilden will, wird meinen Ansprüchen irgendwann nicht mehr gerecht. Und Autoren sollten von ihrem Ross herunterkommen. Wir arbeiten in einer sich verändernden Branche. Welchen Grund sollten wir haben für ein: „Ich will so bleiben wie ich bin…trara.“

Die Frage nach einer Ausbildung für Autoren beantworte ich zusätzlich noch mit einem ganz respektvollen „Danke“ an Menschen wie Marcus Johanus, der mit seinen Beiträgen oft wie ein virtueller Coach fungiert und Katja Brandis, deren Artikel hilfreich und vor allem sehr freundlich sind.

Buchempfehlungen für Autoren habe ich hier zusammengestellt. Meine Empfehlungen sind nur eine Auswahl. Alles Blogbetreiber, Ratgeberschreiber u.a., die wirklich gut sind und hier einfach keinen Platz mehr gefunden haben, mögen mir verzeihen., denn nun muss ich zum zweiten Teil des Artikels übergehen, sonst ist das Popcorn gleich aufgegessen.


Autoren sind nicht grau

In den letzten Wochen habe ich Autorenseiten gelesen. Das mache ich immer dann, wenn ich neues Lesefutter suche. Mein Vorhaben war, im Jahr 2017 viel von Autoren zu lesen, die mit mir in dieser Zeit leben und schreiben. Ich persönlich lese

  • um meinen Horizont zu erweitern
  • um mein Selbst- und Weltbild zu reflektieren
  • um zu wachsen
  • um in einen inneren Austausch mit dem Autor zu gehen.

Nach etwa 50 Autorenseiten habe ich noch keinen neuen Lesestoff gefunden. Das liegt nicht daran, dass die Autoren schlecht sind. Das weiß ich gar nicht. Ich bin über die „Über mich“-Seite gar nicht hinausgekommen. Die Autorenseiten waren immer nach dem gleichen Schema aufgebaut:

Ich bin mal geboren. Meine Kindheit hat mich zum Schreiben motiviert. Ich habe das Buch, die Bücher XY, geschrieben.

Die Autoren haben sich so blass dargestellt, dass ich befürchten muss, ihre Figuren könnten ähnlich karg sein. Die Welt mag digital geworden sein, Menschen sind es nicht. Der Kontakt zwischen Autor und Leser folgt noch immer menschlichen Regeln. Eine Person, die geboren ist und in der Kindheit ans Schreiben kam, kann kaum einen anderen Horizont erweitern. Und jemand, der über sich nichts anderes zu sagen weiß als seine Buchtitel gleicht einem Arbeitnehmer, der seinen Arbeitgeber nennt, sonst nichts. In meiner Vorstellung ist ein Autor eine Persönlichkeit. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wenn er Leser sucht, muss er überzeugen.

Erzählen Sie etwas über sich als Mensch. Denn Lesen und Schreiben ist Kommunikation. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass ein Autorenpotrait Persönlichkeit enthalten sollte. Damit sind keine privaten Details gemeint. Wer welchen Hund liebt ist meistens ziemlich egal, denn es geht ja nicht um eine Tierarztpraxis sondern und Bücher.

Leidenschaften, winzige Anmerkungen, die den einen Autor zu etwas besonderem machen gehören dazu. Immer, wenn ich ein neues, großes Projekt beginne, fange ich an, Muffins zu backen. Das ist eine Marotte. Ich backe so lange, bis ich mich der Verantwortung gewachsen fühle, genau diese Aufgabe zu erfüllen. Denn Kommunikation ist Verantwortung. Ich will meinen Lesern kein Klavier an die Backe labern, ich will sie bereichern, aufrütteln, erheitern. Ich will Fragen und Antworten.

Manche Autoren aus meinem realen Umfeld schreiben immer nur mit einem Stift. Und wenn der nicht funktioniert, werden sie nervös. Andere können nur zu ganz bestimmter Musik schreiben. Eine Freundin, die recht erfolgreiche Bücher mit mehreren Auflagen verfasst hat, wirft ein paar Tage vor der Abgabe alles weg und schreibt dann alles noch einmal neu, in Windeseile.

Solche Informationen sind hilfreich für den Leser. Sie lösen ein: „Dieser Mensch ist interessant, ich möchte mit ihm kommunizieren“ aus.

Autoren sind doch schließlich keine Heimarbeiter, die Wörter tippen. Und jeder Autor sollte das auch zeigen können.

Die Erfahrungen mit Autorenportraits motivieren mich zu einem Wettbewerb:

Ein eigenes Autorenprofil verfassen. Spannend, knackig und vor allem echt – zur Kommunikation geeignet. Der Umfang soll zwischen 300 und 600 Wörtern liegen.

Die besten 10 Portraits erhalten eine Veröffentlichung und eine Pressemeldung. Außerdem erhalten die Gewinner alle Arbeitshefte des TextTime Autorentrainings kostenfrei in digitaler Form. Die besten drei Portraits bekommen zusätzlich die Arbeitshefte in Papierform.

Einsendeschluss ist der 30. Januar 2017. Bitte senden an: stefanie.glaschke[bei]t-online.de

 

 

 

 

Letzter Tag – Autorentrainingsspiel

Schreiben Autoren eigentlich täglich? Wer schafft es, eine Ruhepause einzulegen? Wer schafft einen schreibfreien Tag pro Woche? Und das ist überhaupt sinnvoll? Die meisten Ratgeber und Schreibtrainer sind sich einig, dass das Schreiben täglich auf dem Plan stehen sollte. Es ist gängige Meinung, dass ein guter und erfolgreicher Autor sich keinen freien Tag gönnen sollte. Doch ich möchte diese Aussage hier in Farge stellen. Ich möchte sie nicht verändern, nur anzweifeln. Ich glaube, täglich zu schreiben ist sehr gut. Aber noch besser wäre es , einmal im Monat einen absolut schreibfreien Tag zu haben. Denn das erweitert den Horizont und verhindert Betriebsblindheit. Allerdings klappt diese Schreibfreiheit nur, wenn sie geplant ist und der Schreiber sich auf etwas freuen kann, was er an diesem freien Tag erleben will. Ich spreche nicht vom Haushaltstag oder dem Erledigen der Buchhaltung. Ich bin überzeugt, dass wir regelmäßig die Möglichkeit haben müssen, uns außerhalb unserer gedanklichen Welt als reiner Mensch wahrnehmen zu können. Alle hauptberuflichen Autoren, die ich kenne, schreiben täglich, auch im Urlaub, an Feiertagen, 365 Tage im Jahr. Manchmal 16 Stunden, manchmal nur die eine tägliche Pflichtseite, die in den meisten Ratgebern empfohlen wird. Was würden Sie unternehmen, wenn Sie zwölf Tage im Jahr nicht schreiben dürften? Was könnte ein Autor genießen, ohne daran zu denken, es zu Papier zu bringen. Machen Sie sich Gedanken, was Sie mit zwölf Tagen á 24 Stunden im Jahr machen würden? Oder sind Sie schon in der vier Tage Woche angekommen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Übrigens ist heute der fünfte Tag unseres Trainingsspiels. Sie erreichen mich über meine Mail-Adresse oder hier im Kontaktformular.

Am Anfang war das Wort…. und davor gab es Wasser

Heute ist der vorletzte Tag dieses Test-Trainings für Autoren. Wer will, kann immer noch einsteigen und ein kostenloses Feedback bekommen. Hier gibt es die Spielregeln.


Viele Autoren leben mit der festen Überzeugung, dass mit dem Wort alles beginnt und begann. Ich auch. Deshalb befasse ich mich, wann immer ich kann, mit Wörtern in jeder Variation. Und doch wird mir von Zeit zu Zeit bewusst, dass am Anfang nicht das Wort stand sondern dass Wasser die Basis allen Lebens ist. Ich merke das am stärksten, wenn der Kaffeekonsum auf Sodbrennen-Niveau klettert und die Konzentration nachlässt. Wer viel denkt und vor allem im Sitzen arbeitet, sollte unbedingt auf seinen Wasserhaushalt achten. Das Autorentraining berücksichtigt diese Aspekte. Es ist nämlich KEIN Schreibtraining. Es trainiert nicht nur die fachlichen Kompetenzen sondern auch die handelnde Person. Das bedeutet im besten Fall „ganzheitlich“. Der heutige Text unserer Fünf-Tage-Aktion stammt aus dem zweiten Heft des TextTime Autorentrainings. Heute geht es um das Trinken.

Tag 13

Die ganz disziplinierten Schreiber unter uns sind immer brav, sitzen am aufgeräumten Schreibtisch und haben eine gefüllte Wasserkaraffe und ein Kristallglas rechts neben dem Rechner stehen. Diese ganz disziplinierten Menschen sind sehr seltene Ausnahmen. Thomas Mann war  ein Vertreter dieser Art. Ich glaube, auch John Irving schreibt sehr diszipliniert. Ich persönlich brauche schon ein paar Krücken, damit ich das gesunde Trinken, das Wasser, nicht während der Arbeit vergesse. Dazu gehört für mich ein Wohlgefühl beim Trinken. Ein einfacher Teebeutel inspiriert mich nicht. Und nur Wasser auch nicht. Wasser mit einem Schuss Zitrone, frisch gepresster O-Saft oder Tee, der vom Geschmack und auch von der Verpackung etwas Besonderes ist, können mich schon eher zum Trinken bewegen. Es sollten unbedingt mindestens 2 Liter pro Tag sein, drei Liter sind besser. Die heutige Aufgabe ist zweiteilig. Zuerst gilt es, einen Trinkplan für sich selbst zu entwickeln. Hierfür werden die folgenden Fragen beantwortet:

Was will ich trinken?

Wann will ich es trinken?

Wie kann ich mich daran erinnern?

 

Die Schreibübung dieses Tagesschrittes sieht so aus:

Schreiben Sie auf, welche Story Ihnen zum Titel: „Schwimmende Wörter“ einfällt. Nehmen Sie sich etwa 20 Minuten Zeit dafür und legen Sie die Arbeit dann weg. Sie können Sie später jederzeit wieder vornehmen und vielleicht auch in einem Ihrer Werke verwenden.


Ich habe übrigens Shuyao Tees für mich entdeckt. Naturrein, ergiebig und bis zu fünfmal aufzugießen. Mit einer Tagesportion komme ich also von morgens bis abends zu meinem Trinkgenuss. Ich persönlich ziehe einen geräucherten Tee vor, aber auch die Gewürz-und Kräutertees sind überzeugend gut. Und weil ich von diesen Tees wirklich überzeugt bin, verschenke ich heute eine Tagesportion Shuyao Tee zusätzlich zu jedem Heft 1 des TextTime Autorentraining. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Print- oder um die E-Book-Version handelt. Ich freue mich darauf, dass wir dann gemeinsam – wenn auch nur in Gedanken – einen großen Pott Tee genießen können. Diese Aktion gilt bis 7.1.17, 23.59 Uhr.

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Tag 3 Autorentraining

Der dritte Tag des Trainings auf diesem Block stammt aus dem Anhang des Arbeitsheftes 1

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Im Anhang finden Sie in jeder Lektion eine Erklärung oder eine Technik rund um Genre, Gattung oder Stil.

Drabbles

Drabbles sind Geschichten aus exakt 100 Wörtern. Dabei ist die Überschrift nicht mitgezählt. Können Sie sich nicht vorstellen? Es klappt aber.

Hier finden Sie ein Beispiel:

Die Geburtstagstorte
„Was soll das werden?“ Dieter stapfte mit lauten Schritten in die Küche. Er war mürrisch, seit er seine Arbeit verloren hatte. Seine cholerische Art wuchs mit jedem Tag seiner Untätigkeit. Elsa bekam schon Angst, wenn sie ihn nur sah. „Ich wollte eine Geburtstagtorte für dich backen.“ Dieter rülpste laut. „Du und backen? Das wird ein schönes Giftzeug werden.“ Elsa schluckte schwer. Sie musste eine Lösung finden. „Giftzeug, das war es.“ Voller Vorfreude mischte sie das Backpulver und das Rattengift unter das Mehl. Der Kuchen gelang ihr prächtig. Dieter konnte nach dem ersten Stück keinen miesen Kommentar mehr zum Giftzeug abgeben.

Schreiben Sie doch ein eigenes Drabble. Spielen Sie mit und gewinnen Sie das kostenlose Feedback für Ihre Ergebnisse. Sie können bis Sonntag, 8.1.2017 problemlos einsteigen.

Hier gibt es weitere Infos zum Autorentraining von TextTime

Die 3 Motive des Schreibers

Schreiben ist eine Tätigkeit, die viele als eine Art von Lebensmittel ansehen. Wem das Schreiben „im Blut“ liegt, der kann es einfach nicht lassen. Der Aspekt der Leidenschaft ist gerade bei kreativen Schreibern ausgesprochen wichtig. Die zweite Kategorie der Schreibenden sind die Menschen, die zum Zweck der Selbstherapie schreiben. Schreiben bedeutet für sie, sich zu befreien und sich Luft zu verschaffen. Eine dritte Kategorie sind Personen, die über ein gutes Sprachvermögen verfügen und ihre Kompetenz nutzen, um Geld zu verdienen. Die meisten Schreibenden sind Mischtypen. Leidenschaftliche Selbsttherapie mit wirtschaftlichen Vorteilen. Eine tolle Art der Beschäftigung, Schreiben ist quasi ein all-in-one-Luxus. Betrachten wir aber den Schreibenden einmal aus der Sicht der modernen Psychologie, wird es viel spannender. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Mensch verschiedenen Grundbedürfnissen nachgeht. Ernährung und ein Dach über dem Kopf haben in unserer Gesellschaft alle, die es wollen. Diese drängenden, existentiellen Bedürfnisse haben keine wirklich motivierende Wirkung mehr wie etwa vor 60 oder 70 Jahren. Es bleiben andere Bedürfnisse, die uns motivieren und bewegen können. Grob gesagt handelt es sich um

  1. Macht
  2. Verbundenheit
  3. Wachstum

Macht ist hier nicht die Macht über andere sondern durchaus auch die macht über das eigene Leben. Verbundenheit spielt eine große Rolle, weil Feedback und Anerkennung uns helfen, uns selbst zu erkennen. Das Bedürfnis nach Wachstum und Entwicklung verbindet die Menschen mit allen anderen Lebewesen auf der Erde. Es ist ein Bestandteil des Lebens per se.

Eigene Motive erkennen lässt effizienter arbeiten

Wer seine eigenen Motive erkennt, findet schneller die Art von texten, die er schreiben sollte, heraus. Wo das Motiv „Macht“ vorn steht, der braucht möglichst viele Freiheiten, er ist als klassischer Self-Publisher glücklicher als Auftragsschreiber. Wem es um Wachstum geht, der sollte sein Spektrum möglichst breit halten und wer Verbundenheit durch das Schreiben sucht, der ist als Ghostwriter vollkommen falsch.

Verbindung mit dem Leser

Das Erkennen der eigenen Motive (auch hier sind meist Mischtypen gegeben) erhöht die Empathie mit dem Leser bzw. der Zielgruppe. Denn auch der Leser wird von einem oder mehreren Motiven angetrieben. Er liest etwas, um seine betreffenden Bedürfnisse zu befriedigen. Aus dem selben Grund geschieht alles, was Menschen handeln. Wir sehen die Motive manchmal nicht, aber sobald wir die Oberfläche verlassen, werden die Motive sichtbar. Das hat eine große Bedeutung für die Ermittlung der Zielgruppe. Was hat der Leser davon, gerade dieses Buch zu lesen? Wir sollten es unseren Lesern mitteilen, wenn wir gelesen werden wollen.

Einfluss auf die Figuren

Wer Figuren erschafft, will realistische Figuren schaffen. Das ist wichtig, damit der Leser sich identifizieren kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Held fünf Augen oder drei Beine hat. Die Äußerlichkeiten sind zwar für die Vorstellungskraft wichtig, nicht aber für das Begreifen der Figuren. Jede Figur hat ein Grundmotiv. Meist entstehen Konflikte in Storys dadurch, dass die Personen sich in der Erfüllung der Grundbedürfnisse gegenseitig behindern. Die Frau verlässt den Mann, der ihr das Arbeiten verbieten will (Wachstum). Der Vater jagt den Mörder seiner Tochter (Verbundenheit). Auch weniger dramatische Konflikte haben die Grundmotive im Hintergrund. Die Beziehungskrise, weil er wegen seiner Karriere nicht mit ihr zusammenziehen will (Verbundenheit contra Wachstum). Die Ablehnung von eigenen Kindern, die zur Scheidung führt (Macht über sich selbst contra Verbundenheit und Wachstum).

Innere Konflikte erkennen

Es macht Freude, die inneren Konflikte bei sich selbst zu entdecken. Anschließend können sie glaubhaft auf die Helden unserer Geschichten übertragen werden. So entsteht Authentizität. Unsere inneren Konflikte entstehen, wenn wir einen festen und gut bezahlten Auftrag ablehnen, weil in uns die Motive Wachstum (hier finanziell) und Macht (hier Autonomie) streiten. Warum haben wir uns entschieden, wie wir entschieden haben? Auch unsere Helden stecken immer wieder in diesen Konflikten. Das ändert sich erst, wenn wir über Roboter schreiben. Das würde gar nicht funktionieren, deshalb wird den Maschinen in der Literatur immer so etwas wie menschliches Leben angedichtet. Wo keine inneren Konflikte vorliegen, gibt es keinen Spannungsbogen. Und wo es keine Spannung gibt, so sehr es zu bedauern ist, kann es keine Entspannung geben.

Suchen Sie Ihre inneren Konflikte

Liebe Schreibenden, suchen Sie Ihre inneren Konflikte. Begeben Sie sich auf die Reise in das Innere Ihrer eigenen Existenz und finden Sie nicht nur heraus, welche Motive Ihre Tätigkeit bestimmen. Finden Sie auch viele neue Vorlagen für ihre kommenden Geschichten.


Vom 23. – 25. März 2017 findet im Salzlandkreis ein Workshop für Autorinnen und Autoren statt.

Autorentraining: Lebendigere Figuren erschaffen

Inhalte:

Lebendigere Figuren erschaffen durch

  • Erkennen der eigenen Motive
  • Begegnung mit den eigenen Archetypen
  • Kreativitätsübungen

Für acht Teilnehmer gibt es Platz. Der Workshop bietet abwechselnd jeweils Entspannungsaspekte von Meditation bis Tanz, Kreativitätsübungen mit Wörtern, Farbe und in der Natur und die Arbeit an den eigenen Motiven und den Archetypen. Die Arbeit wird auf der Basis psychologischer Grundlagen und nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt.

Frühbucher bis zum 30. Januar 2017 zahlen für den gesamten Workshop inklusive 2 Übernachtungen mit Frühstück und den Skripten nur 150,00 €. Informationen gibt es hier per Mail.

Vom Ghostwriting und anderen Selbstschädigungen

Autoren wollen leben. Dazu gehört auf körperlicher Ebene auch Essen, Trinken, Wohnen. Ihre Kompetenz und ihre Ware ist das Wort, der Umgang mit der Sprache. Damit haben sie die höchste Kompetenz in dieser Gesellschaft. Es geht definitiv nicht ohne Wort. Das tollste Produkt muss über das Wort erklärt, beschrieben, vermarktet werden. Die größte Wissenschaft wird über Wörter vermittelt. Sprache ist ein Kulturgut, das wegen seiner Selbstverständlichkeit kaum noch geachtet wird.

Was können Autoren verkaufen? Wörter. Die Wörter sind ihr Eigentum, sie können damit tun und lassen, was sie wollen. Betrachten wir aber einmal eine andere Komponente. Fragen wir uns, wer die Käufer sind. Immer mehr greift es um sich, dass erfolgreiche Menschen sich Wörter kaufen. Sie verkaufen damit ihre Produkte und Dienstleistungen.

Nehmen wir allein das moderne Dropshipping. Waren werden hergestellt und in Online-Shops präsentiert und verkauft. Der Hersteller verpackt und liefert die Ware an den Kunden. Alles das geht nicht ohne Wörter. Denn die Online-Shops brauchen Texte. Kategorie-Texte, SEO-Texte, Produktbeschreibungen, Newsletter, Blogartikel und viele Texte mehr.
Der Texter, der vielleicht nicht bis zum Schriftsteller gekommen ist, weil er einfach keine Zeit und kein Geld für seine Entwicklung gefunden hat, liefert diese Texte.

Warum eigentlich? Er könnte diese Texte auch in seinen eigenen Shop oder seine eigene Website investieren. Was hält den Texter davon ab, sich zuerst selbst mit allen Gewinnen zu versorgen, die mit Wörtern gemacht werden können? Fehlt das Selbstwertgefühl? Würde eine Köchin hungern? Oder ein Schneider nackt herum laufen?

Ich finde diese Frage bedenkenswert. Wenn wir einen Ausflug in die Welt der Märchen machen, begegnen wir den Kaiser und seinen neuen Kleidern. Manchmal, wenn ich sehr, dass Menschen mit Wörtern Erfolg haben, die Ihnen nicht gehören, dann frage ich mich, ob wir als Schreibende nicht unsere Wörter besser schützen sollten. Wir kleiden nämlich Menschen, die nicht kommunizieren können. Und wir helfen Ihnen, Macht und Einfluss zu bekommen.

Jeder, der Wörter besitzt und sie verkaufen möchte oder muss, sollte wenigstens einmal am Tag, mindestens 300 Wörter nur für sich selbst schreiben. Das sollte er sich wert sein. Denn eine Köchin hungert nicht und ein Schneider ist nicht nackt. Aber es ist vielleicht gefährlich, eine Strömung zu unterstützen, bei der es eine Frage von wenigen Cents ist, ob sich ein Mensch mit fremden Federn schmücken darf oder nicht. Und wir wissen ja alle noch nicht, ob die Wörter nicht irgendwann einmal aufgebraucht sind. Dann bleibt dem Schreiber nichts.

Das ist mein Tipp für das Selbst-Management des Autors: Versorge dich zuerst selbst mit dem, was du kannst und hast. Jeder anderee würde es ebenso machen.

Und hier noch ein Tipp zum Lesen, zum Verschenken, zum Genießen:

Das Magazin HOHE LUFT befasst sich mit aktuellen und bewegenden Themen aus Gesellschaft & Kultur, Politik & Wirtschaft aus einem philosophischen Blickwinkel. Eine etwas andere Philosophie-Zeitschrift, die den Leser jedes Mal auf eine Denkreise einlädt.

HOHE LUFT [Jahresabo]

 

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Ist das schon Sülze oder kann man das noch lesen?

Diese Frage fiel mir ein, als ich einen Bummel über den Flohmarkt machte. Die vielen Bücherkisten mit den Pappschildern darauf, haben mich berührt.

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Ich hätte ein Buch retten können, oder zwei oder drei. Schließlich wurde nicht viel mehr von mir erwartet, als ein paar Münzen auf den Tisch zu legen und die Bücher nach Hause zu tragen. Das mach ich sonst auch immer, bitte denken Sie nicht schlecht über mich. Ich bin eine Bücherretterin, doch an diesem Abend war mein Herz einfach nicht zu rühren.

Bücher müssen nicht „nett“ sein

Es lagen Titel in den Kisten, bei denen nicht die geringste Lust zu lesen in mir entstand. Irgendwie klangen die Titel wie Schmusekissen oder wie Planierraupen. Plakative Titelgestaltungen, schmachtende Blicke und stahlharte Klingen sprechen mich einfach nicht an. Ein Blick auf die Rückseiten der Bücher erklärte mir alles. Bestseller, allesamt. Aha, so ist das also. Nicht etwa die meist gelesenen, die wichtigsten, die besten Bücher lagen hier. Also die, die die meisten Verkäufe erzielt hatten. Ein Blick in diese Kiste und alle wissen, was die Menschen vor etwa 20 Jahren kaufen wollten. Ob sie es gelesen haben? Hoffentlich nicht. Die Bücher, die den Ponyhof vorspielen, sind nicht unbedingt zum Lesen. Obwohl Ponyhof „nett“ ist. Aber eben „nett“.

Es war einmal….

….Literatur, die aufrüttelte und den Leser gefordert hat. Sehnsuchtsvoll erinnerte ich mich an Zeiten, in denen Bücher noch aufrüttelten, Literatur noch einen Bezug zur Realität hatte. Das gibt es natürlich auch heute noch. Denke ich an Roger Willemsen, der leider in diesem Jahr verstorben ist, Jonathan Frantzen oder Philipp Roth, bin ich schon wieder versöhnt. Auch Elfriede Jelinek und Juli Zeh helfen mir, den Bücherfrust zu überwinden.

Die Bewertungskriterien sind falsch….

…..Verkaufszahlen sagen nämlich bekanntermaßen gar nichts über den Wert eines Textes aus. Ach, ich sehne mich nach einer Most-Read-Liste statt einer Best-Seller-Liste. Es wäre schön, wenn Literatur und Sprache wieder die Position einnähmen, die ansonsten unbesetzt ist. Wenn Sie wieder mehr in den Dialog mit der Leserschaft gingen, nicht nur böten, was alle lesen wollten sondern auch das sagten, was niemand hören will. Wenn ein Schreiber nicht mehr Angst vor unqualifizierten „Rezensionen“ haben müsste. Das Schwert: „Ich habe es gekauft, ich darf es auch bewerten“, muss abgelöst oder zumindest ergänzt werden um „Ich habe es gelesen, verstanden und ich möchte mich äußern.“

Literatur bewegt die Gesellschaft…

…. wenn die Gesellschaft sich bewegen lassen will. Wir treten auf der Stelle. Am Anfang war das Wort. Wenn das Wort nur noch das zählt, was es gekostet oder erwirtschaftet hat, muss es heißen: Am Anfang war das Geld. Aber das stimmt nicht. Vielleicht ist Geld unser Ende, doch am Anfang standen Erkenntnis, Mensch-Sein, Lebenswille. Für den Anfang braucht es den ersten Schritt. Der kann nur in der Realität gesetzt werden. Oder wir laufen einem Luftschloss entgegen, werden Traumtänzer. Unsere Gesellschaft braucht Sprache, mehr denn je. Es geschieht so vieles. Die Realität ist spannend und braucht den Dialog. Wir haben Jobs an Schriftsteller zu vergeben. Doch leider wollen wir sie nicht bezahlen. Lieber 20 E-Book für jeweils 99 Cent konsumieren als ein Buch lesen. Schade.

Schreib mir, was ich lesen will, sonst kriegst du mein Geld nicht

so klingt es manchmal, wenn man Lesern zuhört. „Wer mit mir reden will, der darf nicht bloß seine eigene Meinung hören wollen„, sagte Wilhelm Raabe sehr treffend.Manchmal entsteht der Eindruck, dass der Leser genau weiß, was er lesen will. Er sucht nicht nach neuen Eindrücken, Impulsen oder gar nach einem Austausch. Und der Autor soll sich bloß nicht erdreisten, unbequem, realistisch oder deutlich zu werden. Wir brauchen eine Renaissence der Literatur. Vielleicht fangen wir damit an, uns wieder vor Augen zu halten, was Literatur leisten kann, wenn die Menschen sie wirken lassen. Einen kleinen Einblick bietet dieses Beitrag über eine Vertreterin der „Neuen Sachlichkeit“, Marieluise Fleißer.

Diese Überlegungen sollen übrigens keinen Autor und keine Autorin kritisieren oder abwerten. Alles ist gut, nur manchmal fehlt etwas. Wo ist er oder sie, die uns wieder mit Worten aufrütteln kann wie einst Marieluise Fleißer, Heinrich Böll, Günter Grass oder Heinrich Mann? Ich bin traurig, denn ich kann das nicht sein, mir fehlen die sprachlichen Talente. Doch wenn die betreffende Person sich meldet, werde ich sie lesen, versprochen. Aber wir alle können daran arbeiten, wichtige, bewegende Worte zu finden (nein, bewegende Worte sind für mich nicht die, die zu Tränen rühren, weil die Heldin ihren Prinzen sterbend in den Armen hält). Einfach mal ein paar Zeilen schreiben, die die Realität abbilden. Die Angst vor der Gewalt im Lande vielleicht. Oder den Schmerz um die fehlenden Bildungschancen für die Kinder? Es gibt Themen über Themen. Der Niedergang der Literatur als politisches Gewicht gehört dazu.

Buchtipps zum rund um das Thema Hirn statt Konsum:

Peter und Jacob Seewald:

Welt auf der Kippe: Zu viel, zu laut, zu hohl – macht Schluss mit dem Wahnsinn

 

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Das wichtigste Schreibwerkzeug – die Struktur

Manche Autoren schreiben mit dem PC, andere mit der Hand und einige wenige diktieren ihre Texte einem Spracherkennungsprogramm. Doch welches Medium wir benutzen spielt eine zweitrangige Rolle. Das wichtigste Werkzeug des Autors ist die Struktur. An anderer Stelle habe ich über die Struktur der Arbeit geschrieben, jetzt soll es um die Struktur des Textes gehen. Ganz gleich, ob es sich um eine Short Story oder eine Romantrilogie handelt, ohne Struktur wird ein Text nicht interessant für den Leser.

Ohne Struktur wird ein Text langweilig

Warum nicht? Weil der Leser nicht die Gedankengänge des Autors kennt sondern nur das geschriebene Wort vor Augen hat. Er muss vom Autor durch den Text geführt werden, um sich nicht zu verirren. Ein guter Text ist für den Leser mehr als nur eine Ablenkung vom Alltag und auch mehr als nur ein Impuls zum Nachdenken, Träumen etc. Ein guter Text vermittelt auch die Botschaft des Autors. Aus diesem Grund brauchen wir, idealerweise vor dem Schreiben, bereits ein relativ klares Konzept über das, was wir schreiben wollen. Schließlich tritt der Autor mit dem Leser in eine Kommunikation ein. Und wenn Menschen kommunizieren, brauchen sie eine Form von logisch aufgebauter Gesprächsführung. In der verbalen Kommunikation kann der Gesprächspartner oder Zuhörer noch nachfragen, wenn ihm etwas unklar ist. In der Kommunikation zwischen Leser und Autor geht das nicht. Das Schreiben erfordert also noch mehr Konzentration und Achtsamkeit als das Sprechen. Und diese Konzentration und Achtsamkeit dem Leser gegenüber beweist der Autor mit einer klaren Struktur.

Struktur bringt Ordnung in den eigenen Kopf

Es gibt noch ein weiteres Argument für Struktur beim Schreiben. Nicht nur der Leser ist vor Verwirrungen und Irrungen geschützt sondern auch der Autor selbst. Wer kennt nicht das Gefühl, eine gigantische, ja grandiose Idee zu haben und nach einiger Zeit des Schreibens in einer Sackgasse zu landen. Der Held ist nach zwei Kapiteln gar nicht mehr heldenhaft oder der Autor hat die Lust am Schreiben dieser Idee plötzlich verloren. Wenn eine Idee ins Bodenlose stürzt, liegt das meist an der fehlenden Struktur. Struktur ist wie das Geländer einer Hängebrücke. Es reicht schon, dass die einzelnen Planken glatt und rutschig sind, unter uns tobt ein reißender Fluss und wir haben kein Geländer? Das muss nicht sein. Das Risiko, abzustürzen und mit der Idee nicht zu einem erfolgreichen Ende zu kommen, ist zu groß. Strukturloses Schreiben ist therapeutisches Schreiben. Es hat seine Berechtigung und kann jedem helfen, der sich mit psychischen Symptomen plagt. Aber dieses therapeutische Schreiben gehört nicht in die Öffentlichkeit, es sei denn, Leser und Autor bevorzugen Seelenstriptease.

3 bewährte Möglichkeiten, Struktur zu finden

Es gibt gute und vor allem praktikable Möglichkeiten, eine Struktur für sein Schreibwerk zu finden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Techniken für jeden Schreibenden geeignet sind. Die drei, die ich ausgesucht habe, wenden sich an unterschiedliche Wahrnehmungstypen und eignen sich gut für den Einstieg.

  1. Die Wäscheleinemethode

In einer guten Geschichte gibt es Spannungsbögen, auf die der text zusteuert. Um einen solchen Spannungsbogen zu erzeugen, muss die Chronologie einer Story einigermaßen klar sein. Arbeiten Sie mit einer Wäscheleine, die für Sie einen Zeitstrahl darstellt. Diese Leine wird nun mit den Figuren und deren Handlungen bestückt. Sie können so den Ablauf Ihrer Story verfolgen. Die Anfänge Ihrer Kapitel markieren Sie mit einem Bändchen. Auf diese Art können Sie erreichen, dass in jedem Kapitel genau das steht, was der Leser braucht. An dieser Wäscheleine hängen die Figuren, ihre Aktionen und Interaktionen und auch die Informationen, die der Leser im betreffenden Kapitel erhalten soll. So garantieren Sie, dass sie keine Informationen auslassen oder unlogische Sprünge in Ihren Text bauen. Wenn Ihre Wäscheleine fertig bestückt ist, können Sie alles entfernen, was überflüssig ist, der Leser wird es Ihnen danken.

2.  Netztechnik

Besorgen Sie sich einen großen Bogen Karton. Mindestens DIN A4 ist notwendig. Dann schreiben Sie an den linken Rand die Namen Ihrer Figuren, Ihre Schauplätze und die bedeutenden Interaktionen. An den rechten Rand schreiben Sie genau die gleichen Informationen. Ziehen Sie nun Verbindungslinien zwischen den Figuren, den Schauplätzen und den Handlungen. Diese Linien erhalten eine Nummer, fortlaufend. Für jede Nummer gibt es eine Karteikarte, die genauer beschreibt, was es mit der betreffenden Linie auf sich hat. Wenn Sie die Karteikarten jetzt der zeitlichen und logischen Abfolge ordnen (so werden auch Rückblicke an die richtige Stelle gesetzt), haben sie ein sehr gutes Konzept, dass Sie nur noch mit Futter versehen müssen und schon ist Ihre Geschichte geschrieben.

3.  Wörtersummen

Es gibt eine sehr gute Methode, sich über Zusammenhänge klar zu werden und vor allem als Autor seine eigene Botschaft zu erkennen und im Blick zu behalten. Errechnen Sie „Wörtersummen“. Diese Methode beginnt mit einem Brainstorming. Schreiben Sie 10 Wörter auf, die Sie mit Ihrer Hauptfigur verbinden. Diese 10 Wörter gebe ich Ihnen als Beispiel vor, damit Sie sich ein Bild von dieser Methode machen können:

Nehmen wir an, Ihre Hauptfigur ist ein Mann, der ein Mädchen beeindrucken will. Leider stottert er.

Mann

stottern

verliebt

Pickel

Konkurrenz

Motorrad

Musik

Angst

Muttersöhnchen

verklemmt.

Diese 10 Wörter sind wahllos gewählt. Jetzt werden die beiden ersten addiert, d.h. zusammengefasst. Mann + stottern = Mitleid. Sie können selbstverständlich eine andere Summe ermitteln, Wörter zu addieren ist subjektiv, es gibt kein richtiges und kein falsches Ergebnis. So gehen Sie mit den restlichen 8 Wörtern auch vor. Dadurch erhalten Sie 5 Summen. Sie können, wenn Sie wollen, weiter zusammenfassen, aber auch die 5 Summen als wichtige Stoffinformationen notieren. Spielen Sie diese Methode für alle Figuren und Handlungen durch. Danach sortieren Sie, vielleicht mit der Wäscheleine und haben einen tieferen Bezug zu Ihrer eigenen Prämisse als vorher.

Jeder hat ein eigenes System

Sie können die oben beschriebenen Techniken selbstverständlich auch kombinieren. Jeder Autor hat ein individuelles System. Doch jeder sollte eins haben, denn sonst verkommt die Schreibe zu einem Monolog, der in der Gefahr steht, langweilig zu werden oder egozentrisch zu wirken. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser Gehirn von uns ein wenig an die Leine genommen werden sollte, wenn die Pferde nicht mit uns durchgehen sollen. Das können wir mit der Ordnung im Kinderzimmer vergleichen. Eltern sollten ihren Kindern keine spezielle Ordnung aufzwingen. Doch sie sollten den Kindern abverlangen, dass es eine Ordnung gibt. Wenn das Kind partout seine Bausteine nicht nach Hersteller sondern nach Farbe sortieren will, ist das in Ordnung. Wenn alles wild durcheinander liegt, ist das kein kreatives Chaos. Es ist Gedankenlosigkeit, die böswillige Zungen als Faulheit bezeichnen würden.

Testen Sie die Vorschläge aus und berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen, ich bin gespannt.

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