Wo kommen die Figuren her?

Jeder Autor möchte gern einmal richtig plastische und greifbare, lebendige Figuren schaffen. Vielleicht wird eine der eigenen Figuren einmal in die Allgemeinbildung eingehen? Vielleicht gelingt es der selbst geschaffenen Figur ja, einen Platz in der realen Gesellschaft zu finden.  Um das zu schaffen, braucht die Figur eine Seele und vor allem ein Eigenleben. Der Autor wird nicht umhin kommen, mit seiner Figur in einen Dialog zu treten. Wie kann das ablaufen? Normalerweise entspringen die Figuren in einer Geschichte oder in einem Roman doch einem gedanklichen Konzept. Der Autor baut eine Figur. Doch wenn es dabei bleibt, bleibt die Figur farblos, eben nur eine Figur. Wenn der eigenen Figur Leben eingehaucht wird, ist der kreative Prozess gestartet. Bis dahin bleibt das Schreiben Handwerk. Eine Figur leben zu lassen heißt, der Autor zieht sich teilweise demütig zurück und lässt die Figur wachsen. Aber kommt dieses Wachsen dann nicht auch automatisch aus dem Kopf des Autors? Nein. Wachsende Figuren entspringen dem Unbewussten. Sie sind schon da, sind im Autor angelegt, aber nicht einmal er selbst hat sie bisher entdeckt. Der einfachste Weg zu einer lebendigen Figur ist der Weg über das eigene Unbewusste. Wer einen guten Kriminellen erschaffen will, der sollte erforschen, wie er selbst als krimineller Mensch handeln und denken würde. Denn andere Kriminelle zum Vorbild zu wählen bleibt immer ein „Kopieren“. Und Kopien verlieren an Farbe und an Schärfe. Das Original ist nicht zu ersetzen. Sicher, das klingt in erster Linie absurd. Schließlich ist man Autor, nicht Bankräuber und schon gar nicht Mörder. Doch erst, wenn der Autor die Zensur im eigenen Kopf aufgibt und ihm nichts Menschliches mehr fremd sein muss, kann er kleine und große Wunder für seine Figuren vollbringen. In uns allen stecken verschiedene Anteile, nur wenige unserer Persönlichkeitsaspekte leben wir wirklich aus. Der Psychoanalytiker C.G. Jung hat darauf seine Archetypenarbeit begründet. Da gibt es die Schatten, die niemand leben will, den Mutter- und Vaterarchetypen, den Mentor, den Boten und noch viele mehr. Gerade die Schatten sind wichtig. Das, was wir uns verbieten, auch nur zu denken, bringt den Zündstoff ins Leben und in eine Story. Unpünktlichkeit, Rachsucht, Machtgier, Mordgelüste und sexuelle Fantasien schlummern in uns und es ist besser, sie bleiben wo sie sind. Für das gesellschaftliche Leben stimmt das. Für die Story nicht. Wir müssen uns als Autoren nicht hineindenken in andere Lebensweisen. Wir können unsere eigenen verborgenen Anteile nutzen, denn die sind uns näher und sie sind lebensechter als gedankliche Konstruktionen.  Wenn wir die Seele des Leser ansprechen wollen und nicht nur seinen Kopf, dann müssen wir mit der Seele zu ihm sprechen. Diese Fähigkeit kann man lernen. Man kann sein eigenes Unbewusstes durchforsten und wird überrascht sein, wie viele Schätze, Figuren und lebensechte Storys dort verborgen liegen. Ich nenne diesen Vorgang die „Recherche im Innern“. Selbstverständlich ersetzt sie nicht die Recherche über sachliche Aspekte. Die „Recherche im Innern“ hilft dabei, dass Autor und Figur miteinander verbunden sind und so ein authentisches Gebilde entstehen kann. Der Autor kann seine Figur vertreten, er kann sie lieben und sich für sie einsetzen. Und eine echte Figur wird von den Lesern besser wahrgenommen als eine Kunstfigur. Denken wir an Harry Potter oder an Robinson Crusoe, an den kleinen Lord oder an Hannibal Lector. Effi Briest und Bridged Jones sind ebenfalls Beispiele für echte Figuren. Wer weitere Information über Kurse zum Thema haben möchte, nimmt einfach formlos Kontakt zu mir auf.

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Humorvolle Schreibe gewünscht?

Nach der kleinen Serie zum Thema Autoren-Marketing verlassen wir jetzt den schnöden Bereich der Vermarktung und wenden uns wieder den Schreiben zu. In einer Welt, in der alle und jeder Krimis schreibt, Krimis liest und Krimis empfiehlt, will ich einen Spott auf ein anderes Genre lenken. Auf den Humor, die komischen Bücher, die die Lachtränen in die Augen der Leser treiben. Humor liest sich leicht und locker, dennoch ist der Inhalt oft nicht nur unterhaltsam. Auch wichtige Botschaften lassen sich humorvoll verpacken. Doch Vorsicht, der alte Spruch „Humor ist Glückssache“ schient hin und wieder Berechtigung zu haben. Es ist eine schmale Linie zwischen Humor und Albernheit. Bücher, die ich urkomisch finde und daher hier empfehlen möchte, sind:

„Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“ von Romain Puértolas 

Ein zweites Buch, dass mir als besonders humorvoll in Erinnerung geblieben ist, ist „Ein Idiot unterwegs“.

  Karl Pilkington „Ein Idiot unterwegs“

Und wer sich selbst ans Werk machen will, um die Leser mit seiner Schreibe zu kitzeln, könnte diesen Tipp ausprobieren:

Zuerst wird eine Tabelle angelegt. Die Spalten heißen:

Wer – Wann – Wo – Wie – Was – Warum

Jetzt werden die Spalten gefüllt. Personen, Zeitpunkte, Orte, Handlungsweisen, Inhalte und Motivationen werden eingetragen. Dabei dürfen die Zeilen durchaus noch bierernst und logisch sein. Ein Beispiel:

Der Weihnachtsmann – Weihnachten – in Lappland – mit der Hand – Rentiere anspannen – um Kinder zu beschenken.

Fülle mindestens 15 Zeilen. Im nächsten Schritt werden die Zeilen durcheinander gewirbelt. So könnte es sein, dass der Ort im obigen Beispiel plötzlich nicht mehr Lappland ist, sondern ein Saunapark. Wie ist der Weihnachtsmann dorthin gekommen? Vielleicht wechselt auch die Person. Es könnte ja auch ein führender Politiker sein, der im Saunapark die Rentiere anspannt, um Kinder zu beschenken…. Mit dieser Methode fällt dir etwas ein, garantiert. Hier wird mit den Erwartungen des Lesers gespielt. Werden seine Erwartungen enttäuscht und du führst ihn auf einen vollkommen anderen Pfad, wird er ein gesteigertes Lesevergnügen haben und dich und dein Werk lieben.

Diesen und ähnliche Tipps gibt es übrigens im Autorentraining.

Cover Heft2Autorentraining Heft 1

Stadt-Land-Mord

Über die vielen Feiertage hat mein Schreiben geruht. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich nicht gearbeitet hätte. Vielmehr halte ich regelmäßiges Fördern der geistigen Kreativität für einen der wichtigsten Zeitvertreibe im Autorenleben. Aus diesem Grund habe ich mit meiner Familie Spiele gespielt, die einerseits Freude gemacht haben und auf der anderen Seite meine Ideenkiste 2018 bis zum Rand gefüllt haben. Das Spiel, das mir am meisten Ideen eingebracht hat, war „Stadt-Land-Mord“. Als Krimifan habe ich eine alte Idee aufgegriffen.

Gemäß den bekannten Regeln zum alten Kinderspiel „Stadt-Land-Fluss“ haben wir die Kategorien geändert in:

Stadt – Opfer – Tat – Waffe – Motiv – Fluchtfahrzeug.

So wurde Lisa in Luxemburg mit Lametta aus purer Lust die Luft abgeschnürt, bevor mein Mitspieler mit der Limousine getürmt ist.

Und Gregor wurde in Graz mit der ganzen Hand begrapscht, weil Gier meine Mitspielerin dazu getrieben hat. Sie flüchtete übrigens mit dem Großraumtaxi.

Bierernst haben wir die Regeln nicht genommen, wir wollten Spaß und sonst nichts.

Die Ergebnisse werde ich aufbewahren, wer weiß, welche Idee in einer meiner nächsten Geschichten Platz findet.

Der Vorteil der gezielten Förderung der Kreativität liegt darin, dass Ideen entstehen, die im Alltag oft nicht präsent werden oder schon vor ihrem Erscheinen wieder verdrängt werden, weil sie einfach nicht in den Lebenskontext passen. Diese Spiele sind nicht zielgerichtet. Das ist ein großes Plus.

Autoren brauchen Ideen und selbst bei den ganz Großen schient mir manchmal, dass sie in einer relativ begrenzten Spielfläche schreiben.

Kreativität wird auch mit den Synonymen „Einfallsreichtum“, Erfindungsgabe“ und „Produktivität“ im Zusammenhang gesehen. Hier können wir das breite Spektrum des Begriffs erkennen. Denn einen Einfall zu haben, muss noch lange nicht bedeuten, etwas zu erfinden. Die Produktivität ist ein Hinweis darauf, dass etwas entstehen soll. Für Schreiber geht es hier in erster Linie um Texte oder Storys. Wer Text produziert ist also kreativ. Allerdings ist nicht jeder Schreiber auch erfinderisch. Geniale Ideen wie die von Mariana Leky in ihrem Roman „Was man von hier aus sehen kann“ oder von Altmeister Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher„. Auch das kleine Werk von Kafka „Die Verwandlung“ gehört sicher in diese Aufzählung.

Einfach mutig sein und Dinge zusammenbringen, denen auf den ersten Blick jeder Bezug zueinander fehlt, ist eine Freiheit, die sich Autoren nehmen dürfen und sollten. Vielleicht ist das ein guter Plan für die nächsten freien Tage.

Weitere Spielideen sind auf diesem Blog bereits im Beitrag „Leidenschaftliches Spiel ist exzellentes Lernen“,  vorgestellt. Und wer mehr Kreativitätsanregungen haben möchte, kommt mit dem Autorentraining auf jeden Fall in Schwung. Auch die Schokolinsen-Methode sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt.

Und für alle, die hier regelmäßig vorbeischauen, gibt es wieder einen kleinen Wettbewerb. Spielen wir Stadt-Land Mord, wie oben beschrieben. (Stadt – Opfer – Tat – Waffe – Motiv – Fluchtfahrzeug.) Der gewählte Buchstabe ist M. Der erste, der seinen Satz an mich sendet, bekommt das Autorentraining Heft 1 als pdf. kostenlos!

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Autorentraining auf Texttime.de – Hier gibt es weitere Infos sowie die Printversion und die digitale Version

Wer am Wettbewerb (siehe oben) teilnimmt, erklärt sich damit einverstanden, dass seine Lösung hier anonym veröffentlicht wird.

Schreiben ist auch „Mut zur Freiheit“

Immer wieder kaufe ich Bücher aus den Ramschkisten in den Warenhäusern oder auf den Tischen vor den Buchhandlungen. Auch alte Bestände aus der Bibliothek sind willkommene Beute für mich. Auf keiner Bestsellerliste, in keinem Marketingkonzept spielen sie noch eine große Rolle. Aber sie sind oft wertvoll, geistreich und zauberhaft zu lesen. Oft, nicht immer. Sie können wiederentdeckt werden. Und manchmal entfaltet sich ihr Wert und ihre Besonderheit erst auf den zweiten Blick.

Ich hab ein solches Buch in einer Bibliothek gefunden, für einen Euro gekauft und zuhause verschlungen. Der Grund? Die Sprache. Der Autor wechselt nicht nur zwischen den verschiedensten Perspektiven, er baut auch gekonnt Abwesende in das Geschehen ein. Dabei schreibt er auch noch zweisprachig, mit leichten Übergängen, die die englischen Passagen (für Anfänger mit Schulenglisch gut lesbar) einleiten. Da finden sich Tagebucheinträge, die sich wie Dialoge mit dem Protagonisten lesen, Visionen und Wirklichkeit verschwimmen. Er schafft es, eine bunte Gefühlswelt im Leser zu erzeugen. Dabei geht es nicht um Weichspülsprache. Ich habe mich manchmal vor der Hauptfigur, dem Ich-Erzähler geekelt und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Lesezeit: Ein Wochenende, gefesselt zwischen der beschriebenen Erlebenswelt und der Fassungslosigkeit ob des schwarzen und bissigen aber feinsinnigen Humors. Und nicht ich allein bin begeistert von diesem Buch. Im Mai 2017 erschien Höhtkers „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“  als Taschenbuch, vollkommen verständlich.

Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite, Taschenbuch, 16,00 €

Frank Stremmer, PR-Mann auf dem Schleudersitz in einer dubiosen Finanzfirma, Wohnort Genf. Und auf dem Schleudersitz in seiner Beziehung mit Marion, die er seit Jahren auszutauschen erträumt. Welthass, Narzissmuss und Ignoranz zeichnen ihn aus. Ein wahres und doch zynisches Bild vom Leben mit dem Kapitalismus, der Selbstüberschätzung und der Orientierungslosigkeit.

Mich hat das Buch darauf hingewisen, dass es sich lohnt, Mut zu einer ganz eigenen Sprache, einem kreativen Stil zu zeigen. Über Grammatik und Rechtschreibung wurde und wird viel gesagt und geschrieben. Doch auch wahre Sprachkunstwerke können so entstehen. Da denke ich sofort an Marcel Proust, der in einem Band von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit  einen Satz mit 845 Wörtern untergebracht hat. Stil, Kunst oder einfach nur Spaß an der Sprache? Es muss nicht jedem gefallen, doch Experimente mit der Sprache verbessern die Geschmeidigkeit der eigenen Texte. Dazu zählen auch Drabbles oder das Verfassen von Limericks.

Mit dem Thema Sprache, Sprachkunst, Stil und Schreiblust befasst sich übrigens das Heft III des Autorentrainings von TextTime.

Wochenendgeschenk: Autorentraining – 12 Monate lang jeweils ein Trainingsheft mit 30 Übungsschritten.

ATRgratis1Nehmen Sie an der Sonderaktion vom 10.11.2017 bis zum 12.11.2017 teil. Bestellen Sie das Autorentraining komplett und vollkommen gratis. Ein Geschenk von TextTime an alle Besucher der Webseite. Schreiben Sie einfach eine Nachricht und erhalten Sie ab 1.12.17 regelmäßig das Autorentraining per pdf. in Ihr Postfach. Nach zwölf Monaten ist das Training beendet und verlängert sich nicht. 

Drei Tipps für schnellere Recherche

Recherche ist eine wichtige Voraussetzung für glaubhaftes Schreiben. Das gilt ganz besonders für Sachtexte. Aber auch Romanfiguren, deren Verhalten, Wortschatz oder Lebenskontext schlecht recherchiert sind, bleiben leider nur oberflächlich und können dem Leser keine Emotionen entlocken. Schlecht recherchiert führt zu: „Aus den Augen aus dem Sinn“ und macht aus einem Buch einen Konsumartikel, der schnell wieder in Vergessenheit gerät. Dabei weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schön es ist, wenn ein Buch, das man vor Jahren oder Jahrzehnten geschrieben hat, lange einen Platz in den Buchhandlungen und den Bibliotheken behält.

Recherche kostet viel Zeit. Die Grundregel „Acht Stunden Input ergeben eine Stunde (guten) Output“ hat bisher noch niemand widerlegen können. Die Lösung liegt also darin, die Zeit für den Input zu verkürzen. Speedreading ist eine Möglichkeit. Dabei reicht es für Autoren vielleicht aus, einige Tipps aus dem Speedreading zu beherzigen.

Die folgenden drei Tipps helfen sicher, die Recherchezeit dadurch zu verkürzen, dass bedeutsame von bedeutungslosen Informationen getrennt werden.

  1. Lesen Sie einen Text lieber zweimal quer als einmal gründlich. Experten haben herausgefunden, dass das Querlesen nicht nur schneller, sondern auch effektiver verläuft, wenn es sich um Sachtexte handelt. Also: Text querlesen – beiseite legen – querlesen.
  2. Schlagen Sie in Sachtexten unbekannte Wörter nicht sofort nach. Notieren Sie sie zuerst auf einem Zettel und klären Sie später, was das Wort bedeutete. So können Sie nebenbei auch noch Ihren Wortschatz sehr effizient erweitern. Denn das Nachschlagen außerhalb der Lesezeit wirkt wie aktives Vokabeln lernen.
  3. Selektieren Sie. Autoren sind im Grunde neugierig. Aber wenn Sie Ihr Recherchethema definieren, dann halten Sie sich an die Definition. Alle Ablenkungen, die vielleicht später noch tolle Verwendung finden können, sollten auch auf später verschoben werden. Die beste Buchidee taugt nichts, wenn ein anderer das Buch vor Ihnen geschrieben hat.

Informieren Sie sich über Möglichkeiten, schneller zu lesen oder Speedreading professionell zu lernen. Es dauert zwar eine Weile, bis sich die erfolge einstellen, aber schließlich bringt Speedreading am Ende Tag für Tag eine Zeitersparnis, die für das Schreiben genutzt werden kann.

Zahlreiche Bücher zum Speedreading gibt es im Handel.

Speedreading – Buchtipps

schreiben ist nicht immer gemütlich

Schreibtipps aus der Timeline

Heute hab ich mich mal in aller Ruhe mit meiner Twitter-Timeline befasst. Wer twittert eigentlich was? Und welche Tweets fand ich besonders toll, welche Tweets konnten mir Impulse liefern? Gerade zum Thema Schreiben konnte ich interessante Inhalte finden. Die besten Tweets zum Thema fasse ich hier mal zusammen und biete damit einen unvollständigen Wochenrückblick unter dem Titel: Lieblings-Schreibertweets vom 11. bis 18. Juni 2017

Schreibmeer weist auf den folgenden entscheidenden Aspekt für den Aufbau des Antagonisten hin: “Der Antagonist ist immer der Böse – Regeln für Gegenspieler, gegen die man verstoßen kann und sollte“ (13. Juni 2017)

Sven Hensel geht am 11. Juni der Frage nach, warum Leser ein Buch zur Seite legen und nicht weiterlesen wollen.

Sehr beeindruckend fand ich eine Tweet von Annika Bühnemann, die am 14. Juni die 30 Schreibtipps von Stephen King getwittert hat. „30 von Stephen King, zusammengetragen vom wunderbaren Walter Epp“

Es war einiges los in meiner Timeline. Ich musste allerdings leider feststellen, dass viele Autorenaccounts schon seit Monaten oder Jahren nicht mehr genutzt werden. Woran kann das liegen? Sehen Autoren in Twitter keinen Sinn? Fehlt ihnen die Zeit? Warum twittern Autoren? Wer hat früher getwittert und es dann gelassen? Meine persönlichen Gründe für meinen Twitteraccount sind:

  1. Ich habe das Gefühl, mit Kollegen zusammen zu sitzen.
  2. Ich erhalte immer wieder Impulse für meine Arbeit.
  3. Ich kann durch das Monitoring sehen, welche Interessen andere Menschen mit mir teilen.
  4. Twittern ist wie Zeitung lesen, nur schneller – allerdings dauert es meist länger 😉
  5. Hin und wieder freue ich mich über Alltagstipps, die mein Leben erleichtern und bereichern.

Ich freue mich darauf, noch mehr Gründe lesen zu dürfen.

 

 

Eine authentische Schreibe wagen

SchreibutensilienSchreiben Sie sich nicht aus Ihrer Realität heraus. Erschreiben Sie sich lieber eine neue Realität! Schreiben hat immer eine Motivation. Die oberflächlichen Motivationen sind extrinsisch, das bedeutet, sie orientieren sich an der Umwelt. „Ich schreibe, um anderen etwas mitzuteilen“, oder „Ich schreibe, weil ich die Welt verändern will“ sind extrinsische Motivationen.

Dagegen stehen die intrinsischen Motivationen. Diese kommen aus dem eigenen Inneren und sind uns manchmal gar nicht bewusst. Hin und wieder fallen intrinsische Motivationen dadurch auf, dass das Werk sehr starke biografische Züge enthält.

Das kann bei Kritikern leicht zu einer Abwertung führen. Doch dafür gibt es keinen Grund. Warum sollte die Darstellung autobiografischer Aspekte ein Manko sein? John Irving zum Beispiel, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird dieser Kritikpunkt oft zur Last gelegt. Und doch lese ich seine schwarzhumorigen Geschichten ausgesprochen gern. Es spielt dabei keine Rolle, ob er über sich oder eine fiktive Figur schreibt.

Intrinsische Motivation ist wichtig, damit ein Autor nicht nur eine Geschichte erzählt sondern auch authentisch wirkt. Die Gefühle, die er mit bestimmten Orten verbindet, die Ängste, die er erlebt hat und die Leidenschaften, an denen er gescheitert ist, muss er kennen, bevor er sie schildert. Ob er seine Innenwelt mit fremden Namen und fiktiven Charakteren verbindet, spielt dabei kaum eine Rolle. Die Indianer sagen: „Urteile nicht über einen Menschen, in dessen Schuhen du nicht gegangen bist“. Das gilt auch für das Schreiben. Wer traut sich zu, das Leben eines Menschen zu beschreiben, das er gar nciht gelebt hat? Protagonisten bleiben flach, wenn wir nicht in ihren Schuhen gegangen sind. Unsere Vorstellungswelten allein genügen nicht, denn sie sind von Klischees, Voruteilen und alten Prägungen abhängig. Erfahrungen machen Menschen nicht mit der Ratio sondern live und über die eigenen Sinneswahrnehmungen. Authentisch und begeisternd kann nur schreiben, wer weiß, wie sich seine Schilderungen anfühlen. Ein Motto für Führungskräfte lautet:

Nur der kann andere entflammen, der selbst brennt. Wer nicht brennt, kann das Feuer beschreiben. Er beschreibt das, was jeder andere auch könnte. Damit geht die Einzigartigkeit verloren. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Gefühle aufzuspüren. Vielleicht die Wut über die Kinderarmut oder den Schmerz nach der letzten Trennung. Aus Gefühlen lassen sich Storys machen, die nicht gelesen sondern gelebt werden. Wer seine Vorstellungen beschreibt, arbeitet wie die Menschen in Platos Höhlengleichnis. Dort sehen die Menschen ihre eigenen Schatten und halten sie für die Realität. Vor-stellung ist rational begründet. Die Vor-stellung steht vor der Realität und versperrt im schlimmsten Fall sogar den Blick. Vor-stellung schreiben ist wie Urlaubsdias zeigen. Es ist Leben aus zweiter Hand.

Dabei entsteht noch ein weiterer Vorteil: Wer seine eigenen Gefühle verarbeitet, entwickelt sie und damit sich selbst. Es lohnt sich, sich selbst einmal zum Protagonisten zu machen. Unter Umständen hilft ein Selbstversuch sogar, eine Prämisse für den nächsten Roman zu finden. Eine kleine Übung kann helfen, sich diesem Thema zu nähern. Gehen Sie einmal tief in ein Gefühl zurück, dessen Wirkung Ihnen noch gegenwärtig ist. Beschreiben Sie das Gefühl, ausführlich und mit allen Wahrnehmungen. Schreiben Sie es auf. Intensiv. Lassen Sie sich Zeit und stellen Sie sich vor, Sie würden dieses Gefühl aus einem Fass schöpfen, so lange, bis kein Tropfen mehr im Fass ist. Das ist unter Umständen auch mit Wiederholungen und mit Wörtersuche verbunden. Wenn Sie diese Beschreibung nur eines einzigen Gefühls in nur einer Situation vor sich sehen, könnte Ihnen eine großartige Idee für die Entwicklung einer Figur kommen, die echt ist und authentisch wirkt. Wenn das der Fall ist, liegt eine intrinsische Motivation vor und Sie schreiben für sich. Sie brennen für Ihre Figur und können Ihre Leser entflammen.

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Ich freue mich, wenn Sie diesem Blog folgen oder Kontakt zu mir aufnehmen – oder beides 😉

 

Wie man sich setzt, so schreibt man

Es mag vordergründig gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben, doch auch der Schreibplatz spielt eine bedeutende Rolle. Wer hauptberuflich an einem Schreibtisch sitzt, der sollte sehr großen Wert auf sein Sitzmöbel legen. Haltungsschäden, die durch Computerarbeitsplätze entstehen, machen unter den chronischen Erkrankungen einen großen Anteil aus. Wer den Arbeitsplatz häufiger wechselt und nicht immer auf dem gleichen Stuhl sitzt, hat Vorteile. Doch die meisten Berufsautoren richten sich früher oder später einen festen Arbeitsplatz ein. Hier gilt, auf die Gesundheit der Wirbelsäule zu achten. Außerdem sollten Autoren in den Pausen den Arbeitsplatz verlassen und vielleicht ein paar Entspannungsübungen machen.

Auch die Augen werden in Mitleidenschaft gezogen, so modern der Bildschirm auch sein mag. Augentraining in den Schreibpausen kann Wunder wirken. Dabei sind die gesunden Pausen nicht etwa ein Zeitverlust, ganz im Gegenteil.

Eine unbequeme Haltung führt zu Verspannungen, Kopfschmerzen und fehlender Konzentration. Die Zeit, die mit ein bisschen Gesundheitspflege verbracht wird, holt jeder Autor schnell wieder rein, wenn er danach frisch und munter ans Werk geht.

Mancher schreibt vielleicht auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl. Doch die sind teuer und oft auch nicht gerade ansprechend in ihrer Optik. Es gibt aber auch Alternativen, die erschwinglicher sind und trotzdem für eine gesunde Sitzhaltung sorgen.

Mein Favorit ist der Kniestuhl/ Kniehocker von Idimex. Er ist nicht unbedingt für den ganzen Tag geeignet, aber er passt bequem unter den Schreibtisch und kann immer mal wieder hervorgeholt werden. Die Sitzanordnung sorgt dafür, dass der Rücken aufrecht ist. Das entspannt die Rückenmuskulatur. Da der Kniehocker höhenverstellbar ist, passt er für fast alle Körpergrößen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich ihn auf Reisen mitnehmen kann. So kann ich auch im Ferienhaus oder Hotelzimmer vernünftig arbeiten. Der geringe Preis ist optimal! Wer ein bisschen mehr ausgeben will, findet natürlich auch noch hübschere und extravagantere Modelle.

                                      Cinius Hocker, Gummibaumholz, etwa 145,00 €

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Dynamisch und irgendwie chic sieht dieser aus, der Hocker Mahora ist in vielen Farben erhältlich.

Wer noch keinen Bürostuhl hat und sich gerade nach einem geeigneten Modell umschaut, der sollte mal einen Blick auf diesen „Samtsessel“ werfen. Ein tolles Teil für Autoren mit Anspruch und dabei für unter 80 Euro.

Nützliche Tipps für die Entspannung der Augen sind hier zusammengestellt. Und ein paar Lockerungsübungen, für die niemand gleich die Yogamatte rausholen muss, gibt es hier. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in diversen Ratgebern tolle Infos und viele Ideen zum Nachmachen.

 

Vom Selfpublisher zum Verlagsautor Teil 3 – Kurzvita

Zu den Unterlagen, die der Verlag braucht, gehört neben dem Exposé und dem Anschreiben auch eine Kurzvita. Sie ist mit dem Lebenslauf zu vergleichen, der auch klassischen Bewerbungen beigefügt wird. Allerdings dürfen hier die Angaben fehlen, die nicht im Zusammenhang mit dem Schreiben stehen. Die Kurzvita muss nicht unbedingt lückenlos sein. Wichtig ist, dass erkennbar wird, wie der Weg zum Autor vollzogen wurde. Dabei sind Zensuren und Abschlüsse weniger von Bedeutung als die Erfahrungen, die gemacht wurden. Der Leser sollte sehen, dass Sie Ihr Buch nicht geschrieben haben, weil Ihnen nichts Besseres eingefallen ist. Vielmehr sollte die Persönlichkeit erkennbar sein, die zum Schreiben geführt hat. Wenn der Autor aufzeigen kann, dass er etwas von dem versteht, worüber er schreibt, ist das von Vorteil. Ein simples Bespiel: Wer einen Jugendroman einreicht und selbst Kinder hat, sollte seine Kinder und auch seine Familienzeiten in der Kurzvita erwähnen. Das ist eine freiwillige Angabe, die in diesem Fall sinnvoll ist. Wer dagegen einen Thriller an den Verlag schickt, darf die familiären Bezüge weglassen. Autoren müssen in ihrem Lebenslauf nicht „glatt“ wirken. Interessante Biografien sind eher förderlich für eine Chance in der Bücherwelt.

Obwohl die Kurzvita dem klassischen Lebenslauf sehr ähnlich ist, sollten Sie doch darauf achten, das Dikument für den Verlag individuell zu gestalten. Das unten stehende Schema ist eine Richtlinie, an der Sie Ihre Kurzvita entwickeln können.

Kurzvita

Vollständiger Name

Geburtsort, Geburtsdatum

Beruflicher Werdegang

Ich empfehle hier, anders als in modernen amerikanischen Form, den chronologischen Aufbau von der Vergangenheit in die Gegenwart. So lässt sich eine Entwicklung besser erkennen.

Bibliografie

Angabe Ihrer bisherigen Veröffentlichungen falls vorhanden, bitte korrekt angeben:

Titel, Verlag, Erscheinungsjahr

Schule/ Ausbildung/ Studium

Sonstige Kenntnisse

Erfahrungen, Ehrenämter, Qualifikationen

Ort, Datum, Unterschrift

 

 

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Das Exposé: Die Visitenkarte für Ihr Buch – Vom Selfpublisher zum Verlagsautor Teil 2

Wer einen Verlag für sein Manuskript sucht, kommt um eine klassische Bewerbung nicht herum. Diese Bewerbung besteht aus mindestens drei Teilen.

  1. Anschreiben
  2. Exposé
  3. Vita

Das Exposé darf mehrseitig sein. Ein Deckblatt mit dem Arbeitstiel macht sich als erste Seite des Exposés immer gut.

Die folgenden Daten eröffnen das Exposé. Sie sollten tabellarisch dargestellt sein.

  • Autor inklusive Anschrift und Kontaktdaten
  • Arbeitstitel
  • Genre
  • Geplanter Umfang
  • Geplante Fertigstellung

Jetzt hat der Redakteur bereits einen allerersten, kleinen Überblick. Unter Umständen erkennt er, dass für das genannte Genre noch Titel im Verlagsprogramm fehlen oder das dieses Segment schon vollkommen überlaufen ist. Hier entscheidet sich, wie offen der Verlag für Ihr Angebot ist.

  • Idee: Hier ist ein Fließtext erforderlich. Etwa 70 bis 100 Wörter sollten ausreichen, um die tolle Buchidee packend zu schildern. Bitte keine Inhaltsbeschreibung!
  • Vorläufige Inhaltsangabe
  • Zielgruppenanalyse: Wieder im Fließtext, wer sind die Leser, was macht die Zielgruppe aus, wie groß ist die Zielgruppe, wie wird die Zielgruppe angesprochen?
  • Wettbewerbsanalyse: Fließtext mit Konkurrenztiteln, Beschreibung der Einzigartigkeit Ihres Titels und aktuellem Bezug.
  • Vermarktungsstrategie: Wieder Fließtext, Verkaufsargumente, Marketing-Instrumente (Lesungen, Events, Multiplikatoren etc.)

An das Exposé schließt sich eine Leseprobe von etwa 10 bis 20 Seiten an. Sie können im Internet oder per Telefon recherchieren, wie der betreffende Verlag es gern haben möchte.

Während Sie das Exposé erstellen, werden Sie selbst merken, ob Ihr Buch wettbewerbsfähig ist. Die Überlegungen zur Zielgruppe und zum Wettbewerb sind für Autoren sehr wichtig, weil sie dabei helfen, das Selbstbild und das Weltbild zu reflektieren.

Nutzen Sie für das Exposé die gleiche Schrift wie für das Anschreiben. Verzichten Sie auf Bilder und Fotos, das ist nicht die Aufgabe eines Verlagsautors. Eine Ausnahme können Sie machen, wenn Sie ein Buch mit eigenen Illustrationen anbieten möchten. Schreiben Sie das ins Exposé unter dem Stichwort „geplanter Umfang“.

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