Von Worten und Wörtern

Zugegeben, ich bin nicht immer die Ruhe selbst. Mich kann so einiges in Rage bringen. Dazu gehören die Verwechslungen zwischen „Worte“ und „Wörter“. Ist es denn so schwer? Unter uns Schreibern dürfte das kein Problem sein, denn viele von uns erschaffen Worte durch Wörter. Diese zwei Formen des Plurals von „Wort“ will ich mit diesem Beitrag retten.

Wo liegt der Unterschied?

Wörter sind die kleinste Einheit eines Satzes. Der letzte Satz besteht also aus sieben Wörtern. Dieser Satz besteht aus sechs Wörtern. Man legt beim Scrabble Wörter, allerdings keine Worte. Es gibt Passwörter, aber keine Passworte und nicht Wörter können wie Schläge sein, sondern Worte.

Worte sind Zitate, Redewendungen, Aphorismen. Ausnahme: Sprichwörter, die eigentlich Sprichworte heißen müssten.

Wer es sich merken will: Wörter bestehen aus Buchstaben, Worte werden aus Gedanken erschaffen.

Worte können verletzen, Wörter nicht.

Und ein Wort zum Sonntag ist nur gehaltvoll, wenn es nicht Wörter zum Sonntag werden.

Worte bestehen allerdings immer auch aus Wörtern.

In diesem Sinne ein Wort zum Schreibwochenende:

Feder und Papier entzünden mehr Feuer als alle Streichhölzer der Welt. (M. S. Forbes)


Scrabble – der Klassiker unter den Wörterspielen

Mal was anderes: Wörter statt Zahlen

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Schreiben ist auch „Mut zur Freiheit“

Immer wieder kaufe ich Bücher aus den Ramschkisten in den Warenhäusern oder auf den Tischen vor den Buchhandlungen. Auch alte Bestände aus der Bibliothek sind willkommene Beute für mich. Auf keiner Bestsellerliste, in keinem Marketingkonzept spielen sie noch eine große Rolle. Aber sie sind oft wertvoll, geistreich und zauberhaft zu lesen. Oft, nicht immer. Sie können wiederentdeckt werden. Und manchmal entfaltet sich ihr Wert und ihre Besonderheit erst auf den zweiten Blick.

Ich hab ein solches Buch in einer Bibliothek gefunden, für einen Euro gekauft und zuhause verschlungen. Der Grund? Die Sprache. Der Autor wechselt nicht nur zwischen den verschiedensten Perspektiven, er baut auch gekonnt Abwesende in das Geschehen ein. Dabei schreibt er auch noch zweisprachig, mit leichten Übergängen, die die englischen Passagen (für Anfänger mit Schulenglisch gut lesbar) einleiten. Da finden sich Tagebucheinträge, die sich wie Dialoge mit dem Protagonisten lesen, Visionen und Wirklichkeit verschwimmen. Er schafft es, eine bunte Gefühlswelt im Leser zu erzeugen. Dabei geht es nicht um Weichspülsprache. Ich habe mich manchmal vor der Hauptfigur, dem Ich-Erzähler geekelt und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Lesezeit: Ein Wochenende, gefesselt zwischen der beschriebenen Erlebenswelt und der Fassungslosigkeit ob des schwarzen und bissigen aber feinsinnigen Humors. Und nicht ich allein bin begeistert von diesem Buch. Im Mai 2017 erschien Höhtkers „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“  als Taschenbuch, vollkommen verständlich.

Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite, Taschenbuch, 16,00 €

Frank Stremmer, PR-Mann auf dem Schleudersitz in einer dubiosen Finanzfirma, Wohnort Genf. Und auf dem Schleudersitz in seiner Beziehung mit Marion, die er seit Jahren auszutauschen erträumt. Welthass, Narzissmuss und Ignoranz zeichnen ihn aus. Ein wahres und doch zynisches Bild vom Leben mit dem Kapitalismus, der Selbstüberschätzung und der Orientierungslosigkeit.

Mich hat das Buch darauf hingewisen, dass es sich lohnt, Mut zu einer ganz eigenen Sprache, einem kreativen Stil zu zeigen. Über Grammatik und Rechtschreibung wurde und wird viel gesagt und geschrieben. Doch auch wahre Sprachkunstwerke können so entstehen. Da denke ich sofort an Marcel Proust, der in einem Band von Auf der Suche nach der verlorenen Zeit  einen Satz mit 845 Wörtern untergebracht hat. Stil, Kunst oder einfach nur Spaß an der Sprache? Es muss nicht jedem gefallen, doch Experimente mit der Sprache verbessern die Geschmeidigkeit der eigenen Texte. Dazu zählen auch Drabbles oder das Verfassen von Limericks.

Mit dem Thema Sprache, Sprachkunst, Stil und Schreiblust befasst sich übrigens das Heft III des Autorentrainings von TextTime.

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