Eine authentische Schreibe wagen

Schreiben Sie sich nicht aus Ihrer Realität heraus. Erschreiben Sie sich lieber eine neue Realität! Schreiben hat immer eine Motivation. Die oberflächlichen Motivationen sind extrinsisch, das bedeutet, sie orientieren sich an der Umwelt. „Ich schreibe, um anderen etwas mitzuteilen“, oder „Ich schreibe, weil ich die Welt verändern will“ sind extrinsische Motivationen.

Dagegen stehen die intrinsischen Motivationen. Diese kommen aus dem eigenen Inneren und sind uns manchmal gar nicht bewusst. Hin und wieder fallen intrinsische Motivationen dadurch auf, dass das Werk sehr starke biografische Züge enthält.

Das kann bei Kritikern leicht zu einer Abwertung führen. Doch dafür gibt es keinen Grund. Warum sollte die Darstellung autobiografischer Aspekte ein Manko sein? John Irving zum Beispiel, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird dieser Kritikpunkt oft zur Last gelegt. Und doch lese ich seine schwarzhumorigen Geschichten ausgesprochen gern. Es spielt dabei keine Rolle, ob er über sich oder eine fiktive Figur schreibt.

Intrinsische Motivation ist wichtig, damit ein Autor nicht nur eine Geschichte erzählt sondern auch authentisch wirkt. Die Gefühle, die er mit bestimmten Orten verbindet, die Ängste, die er erlebt hat und die Leidenschaften, an denen er gescheitert ist, muss er kennen, bevor er sie schildert. Ob er seine Innenwelt mit fremden Namen und fiktiven Charakteren verbindet, spielt dabei kaum eine Rolle. Die Indianer sagen: „Urteile nicht über einen Menschen, in dessen Schuhen du nicht gegangen bist“. Das gilt auch für das Schreiben. Wer traut sich zu, das Leben eines Menschen zu beschreiben, das er gar nciht gelebt hat? Protagonisten bleiben flach, wenn wir nicht in ihren Schuhen gegangen sind. Unsere Vorstellungswelten allein genügen nicht, denn sie sind von Klischees, Voruteilen und alten Prägungen abhängig. Erfahrungen machen Menschen nicht mit der Ratio sondern live und über die eigenen Sinneswahrnehmungen. Authentisch und begeisternd kann nur schreiben, wer weiß, wie sich seine Schilderungen anfühlen. Ein Motto für Führungskräfte lautet:

Nur der kann andere entflammen, der selbst brennt. Wer nicht brennt, kann das Feuer beschreiben. Er beschreibt das, was jeder andere auch könnte. Damit geht die Einzigartigkeit verloren. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Gefühle aufzuspüren. Vielleicht die Wut über die Kinderarmut oder den Schmerz nach der letzten Trennung. Aus Gefühlen lassen sich Storys machen, die nicht gelesen sondern gelebt werden. Wer seine Vorstellungen beschreibt, arbeitet wie die Menschen in Platos Höhlengleichnis. Dort sehen die Menschen ihre eigenen Schatten und halten sie für die Realität. Vor-stellung ist rational begründet. Die Vor-stellung steht vor der Realität und versperrt im schlimmsten Fall sogar den Blick. Vor-stellung schreiben ist wie Urlaubsdias zeigen. Es ist Leben aus zweiter Hand.

Dabei entsteht noch ein weiterer Vorteil: Wer seine eigenen Gefühle verarbeitet, entwickelt sie und damit sich selbst. Es lohnt sich, sich selbst einmal zum Protagonisten zu machen. Unter Umständen hilft ein Selbstversuch sogar, eine Prämisse für den nächsten Roman zu finden. Eine kleine Übung kann helfen, sich diesem Thema zu nähern. Gehen Sie einmal tief in ein Gefühl zurück, dessen Wirkung Ihnen noch gegenwärtig ist. Beschreiben Sie das Gefühl, ausführlich und mit allen Wahrnehmungen. Schreiben Sie es auf. Intensiv. Lassen Sie sich Zeit und stellen Sie sich vor, Sie würden dieses Gefühl aus einem Fass schöpfen, so lange, bis kein Tropfen mehr im Fass ist. Das ist unter Umständen auch mit Wiederholungen und mit Wörtersuche verbunden. Wenn Sie diese Beschreibung nur eines einzigen Gefühls in nur einer Situation vor sich sehen, könnte Ihnen eine großartige Idee für die Entwicklung einer Figur kommen, die echt ist und authentisch wirkt. Wenn das der Fall ist, liegt eine intrinsische Motivation vor und Sie schreiben für sich. Sie brennen für Ihre Figur und können Ihre Leser entflammen.

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Wie man sich setzt, so schreibt man

Es mag vordergründig gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben, doch auch der Schreibplatz spielt eine bedeutende Rolle. Wer hauptberuflich an einem Schreibtisch sitzt, der sollte sehr großen Wert auf sein Sitzmöbel legen. Haltungsschäden, die durch Computerarbeitsplätze entstehen, machen unter den chronischen Erkrankungen einen großen Anteil aus. Wer den Arbeitsplatz häufiger wechselt und nicht immer auf dem gleichen Stuhl sitzt, hat Vorteile. Doch die meisten Berufsautoren richten sich früher oder später einen festen Arbeitsplatz ein. Hier gilt, auf die Gesundheit der Wirbelsäule zu achten. Außerdem sollten Autoren in den Pausen den Arbeitsplatz verlassen und vielleicht ein paar Entspannungsübungen machen.

Auch die Augen werden in Mitleidenschaft gezogen, so modern der Bildschirm auch sein mag. Augentraining in den Schreibpausen kann Wunder wirken. Dabei sind die gesunden Pausen nicht etwa ein Zeitverlust, ganz im Gegenteil.

Eine unbequeme Haltung führt zu Verspannungen, Kopfschmerzen und fehlender Konzentration. Die Zeit, die mit ein bisschen Gesundheitspflege verbracht wird, holt jeder Autor schnell wieder rein, wenn er danach frisch und munter ans Werk geht.

Mancher schreibt vielleicht auf einem ergonomisch geformten Bürostuhl. Doch die sind teuer und oft auch nicht gerade ansprechend in ihrer Optik. Es gibt aber auch Alternativen, die erschwinglicher sind und trotzdem für eine gesunde Sitzhaltung sorgen.

Mein Favorit ist der Kniestuhl/ Kniehocker von Idimex. Er ist nicht unbedingt für den ganzen Tag geeignet, aber er passt bequem unter den Schreibtisch und kann immer mal wieder hervorgeholt werden. Die Sitzanordnung sorgt dafür, dass der Rücken aufrecht ist. Das entspannt die Rückenmuskulatur. Da der Kniehocker höhenverstellbar ist, passt er für fast alle Körpergrößen. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich ihn auf Reisen mitnehmen kann. So kann ich auch im Ferienhaus oder Hotelzimmer vernünftig arbeiten. Der geringe Preis ist optimal! Wer ein bisschen mehr ausgeben will, findet natürlich auch noch hübschere und extravagantere Modelle.

                                      Cinius Hocker, Gummibaumholz, etwa 145,00 €

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Kniehocker Idimex, 38,95 €- versandkostenfrei Kniehocker in Schwarz, schlichtes aber praktisches und preiswertes Modell

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Dynamisch und irgendwie chic sieht dieser aus, der Hocker Mahora ist in vielen Farben erhältlich.

Wer noch keinen Bürostuhl hat und sich gerade nach einem geeigneten Modell umschaut, der sollte mal einen Blick auf diesen „Samtsessel“ werfen. Ein tolles Teil für Autoren mit Anspruch und dabei für unter 80 Euro.

Nützliche Tipps für die Entspannung der Augen sind hier zusammengestellt. Und ein paar Lockerungsübungen, für die niemand gleich die Yogamatte rausholen muss, gibt es hier. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, findet in diversen Ratgebern tolle Infos und viele Ideen zum Nachmachen.

 

Vom Selfpublisher zum Verlagsautor Teil 3 – Kurzvita

Zu den Unterlagen, die der Verlag braucht, gehört neben dem Exposé und dem Anschreiben auch eine Kurzvita. Sie ist mit dem Lebenslauf zu vergleichen, der auch klassischen Bewerbungen beigefügt wird. Allerdings dürfen hier die Angaben fehlen, die nicht im Zusammenhang mit dem Schreiben stehen. Die Kurzvita muss nicht unbedingt lückenlos sein. Wichtig ist, dass erkennbar wird, wie der Weg zum Autor vollzogen wurde. Dabei sind Zensuren und Abschlüsse weniger von Bedeutung als die Erfahrungen, die gemacht wurden. Der Leser sollte sehen, dass Sie Ihr Buch nicht geschrieben haben, weil Ihnen nichts Besseres eingefallen ist. Vielmehr sollte die Persönlichkeit erkennbar sein, die zum Schreiben geführt hat. Wenn der Autor aufzeigen kann, dass er etwas von dem versteht, worüber er schreibt, ist das von Vorteil. Ein simples Bespiel: Wer einen Jugendroman einreicht und selbst Kinder hat, sollte seine Kinder und auch seine Familienzeiten in der Kurzvita erwähnen. Das ist eine freiwillige Angabe, die in diesem Fall sinnvoll ist. Wer dagegen einen Thriller an den Verlag schickt, darf die familiären Bezüge weglassen. Autoren müssen in ihrem Lebenslauf nicht „glatt“ wirken. Interessante Biografien sind eher förderlich für eine Chance in der Bücherwelt.

Obwohl die Kurzvita dem klassischen Lebenslauf sehr ähnlich ist, sollten Sie doch darauf achten, das Dikument für den Verlag individuell zu gestalten. Das unten stehende Schema ist eine Richtlinie, an der Sie Ihre Kurzvita entwickeln können.

Kurzvita

Vollständiger Name

Geburtsort, Geburtsdatum

Beruflicher Werdegang

Ich empfehle hier, anders als in modernen amerikanischen Form, den chronologischen Aufbau von der Vergangenheit in die Gegenwart. So lässt sich eine Entwicklung besser erkennen.

Bibliografie

Angabe Ihrer bisherigen Veröffentlichungen falls vorhanden, bitte korrekt angeben:

Titel, Verlag, Erscheinungsjahr

Schule/ Ausbildung/ Studium

Sonstige Kenntnisse

Erfahrungen, Ehrenämter, Qualifikationen

Ort, Datum, Unterschrift

 

 

Wenn Sie Unterstützung bei der Erstellung Ihrer Unterlagen suchen, finden Sie hier bei TextTime einen tollen und vor allem preiswerten Service für Autoren.

Folgen Sie diesem Blog. Im nächsten Beitrag lesen Sie wichtige Hinweise zur Leseprobe.

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Vom Selfpublisher zum Verlagsautor – Teil 1

In der Gegenwart ist das Selfpublishing wohl die meist gewählte Art, sein Buch zu veröffentlichen. Im Gegensatz zum Autor, der sich einem Verlag anschließt, ist der Selfpublisher autonom in der Preisgestaltung und im Marketing. Diese Autonomie bedeutet aber auch, alles selbst zu erledigen.

Das eigene Buch in einem renommierten Verlag erscheinen zu lassen, bringt ebenfalls Vorteile. Das Wer fährt quasi unter einer anderen Flagge mit. Ruf und Profil des Verlages können sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Zurücklehnen kann sich der Autor mit Verlagsvertrag aber nicht. Auch Verlage erwarten Einsatz für Marketing und Verkauf. Schließlich wollen alle gemeinsam am Buch verdienen.

Dieser Artikel bezieht sich nur auf Verlage, die keinen finanziellen Einsatz vom Autor fordern. Das sind die Verlage, die das wirtschaftliche Risiko zu tragen bereit sind. Sie zahlen ein Honorar und zusätzlich Tantiemen an den Autor, weil er ihnen sein Werk überlässt. Manche Neulinge müssen auch damit leben, dass sie nur Tantiemen erhalten.

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Verlag zu finden, muss sich, wie überall in der Arbeitswelt an bestimmte formale Bedingungen halten.

Es geht darum, sich mit seinem Buch zu bewerben. Eine Bewerbung enthält in der Regel ein Anschreiben, ein Exposé und unter bestimmten Bedingungen entweder eine Leseprobe oder bereits das fertige Manuskript. Manchmal ist es auch ratsam, einen Kurzlebenslauf beizufügen.

In diesem ersten Teil geht es um das Anschreiben.

Hier gilt auch in der kreativen Branche: Die Form muss stimmen. Auch die Buchwelt gehört zur Wirtschaft. Daher empfehlen die meisten Fachleute ein Anschreiben ähnlich wie ein Bewerbungsanschreiben. Dieses Anschreiben zu erstellen bringt einen großen Vorteil für den Schreiber. Während der Arbeit am Anschreiben werden viele Fragen zum Buch gestellt, die vorher gar nicht auftraten.

Anschreiben Aufbau:

  • Briefkopf und Datum
  • Betreffzeile ohne das Wort Betreff, fett gedruckt
  • Persönliche Anrede (Nicht „Sehr geehrte Damen und Herren“)

Ein Autor sollte schon wissen, wen er ansprechen will. Die Information bekommt man notfalls per Telefon in der Zentrale des Verlags.

Im Textteil, der eine Seite nicht überschreiten soll, sollte der Leser erfahren, warum Sie genau diesen Verlag ausgewählt haben. Beschreiben Sie, wie Ihr Buch in das Verlagsprogramm passt. Gehen Sie auch auf andere Titel im Programm ein.

Das Rundschreiben nach dem Motto „Egal welcher Verlag, Hauptsache mein Buch wird angenommen“ ist keine Option.

Bevor Sie das Anschreiben verfassen, beantworten Sie für sich selbst die folgenden Fragen:

  • Warum passt mein Buch in dieses Programm?
  • Welche ähnlichen Titel konnte der Verlag erfolgreich präsentieren?
  • Wie passt mein persönliches Engagement zum Verlag?
  • Welche Zielgruppe spreche ich an?

Liefern Sie Argumente.

Das Anschreiben sollte übrigens in Schriftgröße 12 mit einem Zeilenabstand von 1,5 verfasst sein. Das lässt sich besser lesen. Nutzen Sie eine Schrift mit Serifen. Bleiben Sie kritisch sich selbst gegenüber. Immerhin werden laut Aussage von Verlagsmitarbeitern fast 80 Prozent der Autoren abgelehnt, weil schon das erste Anschreiben nicht korrekt ist. Es ist schade, wenn ein wirklich gutes Manuskript niicht zum Leser kommt, weil der Autor die Formalien missachtet hat.

Zur Vorbereitung lohnt sich, auch Infos zum klassischen Bewerbungstraining zu lesen, die Anschreibeformen unterscheiden sich kaum.

Folgen Sie diesem Blog, um nichts zu verpassen. Im nächsten Teil geht es um das Exposé.

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Drei gute Gründe, um Briefe zu schreiben

Briefe zu schreiben ist eine antiquierte Tätigkeit geworden. Unter Briefen verstehen manche jungen Menschen heute nur noch Rechnungen, Behördenpost oder Anträge, die gestellt werden müssen. Herr Google weiß auf den ersten beiden Seiten nur Vorlagen für Geschäftsbriefe und Formulare anzubieten, wenn „Briefe schreiben“ gesucht wird. Dabei war das Schreiben von Briefen früher ein bedeutsames Kommunikationsmittel. Ist der Brief ersetzbar? Was hat den Brief früher ausgemacht? Ein wichtiges Element des Briefs war früher sicher schon das Material. Meist waren es ein Füller und ein extra ausgewähltes Briefpapier. Damit wurde der Empfänger ebenso wert geschätzt wie das Medium Brief selbst.

Ich kenne noch die Bilder von Briefschreibern in Parks und öffentlichen Bibliothken. Stirnrunzelnd, wohl überlegend und immer in dem Bemühen, nichts durchstreichen zu müssen. Es gab keine Reset-Taste. Und es gab auch, schon wegen der Laufzeit der Post, keine Chance schnell noch einen blinzelnden Smilie hinterherzuschicken, wie es bei WhatsApp möglich ist. „Bitte nimm nicht so ernst, was ich dir mitteile.“

Der Empfänger und auch der Schreiber selbst hatten Zeit, nachzudenken. Zwischen dem Erhalt eines Briefes und der Beantwortung lagen oft mindestens Tage. Diese Wartezeit auf den Brief ist zu vergleichen mit der Pause in einem guten Musikstück. Und die Pause hat ihren Sinn im Freiraum, den sie bietet. Dieser Raum wird gefüllt mit eigenen Gedanken. Die Verarbeitung des Gelesenen braucht Zeit. Genau das bietet der Brief. Und das ist nicht zu ersetzen durch eine sms, die verspätet beantwortet wird. Die modernen Medien sind prima geeignet, um schnell etwas zu klären. Doch das Medium Brief ist hervorragend geeignet, um Prozesse so lange reifen zu lassen, wie sie brauchen. Wir haben durch Messengersysteme eine wirklich tolle Bereicherung unserer Kommunikation erfahren. Das Medium Brief muss dabei aber nicht abgeschafft werden. Ich plädiere dafür, regelmäßig einen Brief zu schreiben. Drei Gründe sprechen dafür:

  • Durch die relativ lange Wartezeit auf eine Antwort trainieren wir, auf Beziehungen zu vertrauen. „Er“ hat uns nicht gleich vergessen, weil nicht sofort eine Reaktion auf das Smartphone kommt.
  • Wir machen uns unsere eigenen Wörter und Ausdrucksweisen bewusster, wenn wir keine Löschfunktion nutzen können. Manch ein Wort wird gar nicht erst geschrieben, wenn wir wissen, dass es auch gelesen wird.
  • Wer Briefe schreibt, erlebt Entschleunigung. Und er taucht tief in einen Prozess ein. Ein Brief ist wie ein Blick in den Spiegel. Unsere eigenen Unklarheiten lassen sich durch einen Brief oft viel besser reflektieren als durch eine E-Mail.

Ein letzter Grund betrifft in erster Linie die Schreibenden unter uns. Wir verändern unseren Sprachcode je nach Medium. Eine sms muss anders klingen als eine verbale Unterhaltung, eine E-Mail folgt speziellen sprachlichen Regeln. Auch der Brief ist speziell. Unser Wortschatz und unser Sprachstil werden durch Briefe erweitert.

Ein Brief ist ein Geschenk. Das fängt beim Papier an und reicht bis zum Inhalt. Wie schön wäre es, wenn neben Rechnungen und Behördenschreiben auch noch Briefumschläge im Briefkasten lägen, die jemand mit der Hand beschriftet hat?

In diesem Sinne empfehle ich den folgenden Schatz aus der Bücherkiste:

„Schreiben Sie mir oder ich sterbe“ Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer

Von großen Gefühlen in großen Worten: Die schönsten Liebesgeschichten berühmter Frauen und Männer. – »Seien Sie mein Schutzengel, meine Muse und meine Madonna«, schreibt Charles Baudelaire an eine Frau, mit der ihn eine unerfüllte Liebe verbindet. In ihren Briefen werden Berühmtheiten zu Menschen. Dort finden Sehnsucht, Treue, Verwirrung und Verzweiflung ihren unmittelbaren Ausdruck, oft entstehen literarische Meisterwerke daraus. Dieser aufwändig ausgestattete Band erzählt die Geschichten der Liebenden in Wort und Bild und versammelt Briefe u.a. von Johann Wolfgang von Goethe, Marlene Dietrich, Edith Piaf, Oscar Wilde und Virginia Woolf.

Oder diese hervorragende Sammlung von „Briefen die die Welt bedeuten“ – Letters of Note

Letters of Note ist eine Sammlung von 125 der unterhaltsamsten, inspirierendsten und ungewöhnlichsten Briefe der Weltgeschichte. Das Buch basiert auf der sensationell populären Website gleichen Namens – einer Art Online-Museum des Schriftverkehrs, das bereits von über 70 Millionen Menschen besucht wurde.
Von Virginia Woolfs herzzerreißendem Abschiedsbrief an ihren Mann bis zum höchsteigenen Eierkuchen-Rezept von Queen Elizabeth II. an US-Präsident Eisenhower, vom ersten aktenkundigen Gebrauch des Ausdrucks »OMG« in einem Brief an Winston Churchill bis zu Gandhis Friedensersuch an Adolf Hitler und von Iggy Pops wundervollem Brief an einen jungen weiblichen Fan in Not bis hin zum außergewöhnlichen Bewerbungsschreiben von Leonardo da Vinci zelebriert und dokumentiert Letters of Note die Faszination der geschriebenen Korrespondenz mit all dem Humor, der Ernsthaftigkeit, der Traurigkeit und Verrücktheit, die unser Leben ausmachen.

Schreiben Sie mir – vielleicht werden wir Brieffreunde! Wenn Sie diesem Blog folgen, lesen Sie als nächstes Thema alles über den „Briefroman“.

Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Warnung: Dieser Beitrag hat Überlänge. Ich empfehle das Lesen mit gewürztem Popcorn und einem leckeren Smoothie.

Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Diese Frage stürmt gerade mein Umfeld im WWW.

Eine typische Frage, die sich jeder einzelne Schreibende stellen sollte, die aber niemals kollektiv beantwortet werden kann.

Sicher habe ich eine persönliche Antwort und jeder andere hat sicher seine eigene Antwort auf die Frage.

Aber es gibt auch Informationen auf der Sachebene, die ich hier zusammengestellt habe.

Im Jahr 2003 waren bei der VG Wort über 100.000 Autoren registriert. Und es werden immer mehr. Die Zweitrechte aller registrierten Autoren zu wahren macht eine Menge Arbeit, wenn man bedenkt, dass nach
C.V.Rock (leider gibt er seine Quelle nicht an) von allen Bundesbürgern

ca. 15 Prozent geeignet sind, sich schriftstellerisch zu betätigen,
ca. 20 Prozent nach erfolgter Ausbildung gut und verständlich schreiben können,
ca. zehn Prozent es niemals lernen werden,
und man die restlichen 55 Prozent „als Durchschnitt bezeichnen kann“.

Auf der Buchmesse in Frankfurt waren im letzten Jahr an die 300.000 Titel zu sehen. Mehr als zwei Drittel kamen aus dem Ausland, denn in der Bundesrepublik erschienen nur knapp 100.000 neue Titel.

Es sieht also gar nicht so gut aus mit den deutschen Autoren. In den USA beispielsweise lernen die späteren Autoren das Schreiben – und stürmen die weltweiten Bücherlisten. Auch die Lieblingsautoren der deutschen Leser sind nicht immer Landsleute.

Landläufige Meinung scheint zu sein, dass ein Autor keine Ausbildung braucht. Das ist typisch für unsere Nation. Eltern brauchen keine Ausbildung, Partner schütteln alles aus dem Ärmel und Ernährungs- und Gesundheitsexperten sind wir auch von Geburt an. Dagegen stehen die alarmierenden Zustände, in denen wir und unsere Kinder leben. Ach, fast hätte ich es vergessen, die Demokratie ist uns auch in die Wiege gelegt. Also alles in Butter. Ausbildung geht gar nicht. Das setzt sich ja inzwischen in der Bildung auch schon konsequent durch. Sind wir unbelehrbar oder einfach nur belehrungsresistent? In anderen gesellschaftlichen Bereichen scheint es nicht besser zu laufen.

Wir können eben alles allein und von selbst. Deshalb haben sehr viele von uns ernährungsbedingte Erkrankungen, stressbedingte Probleme und knappe Kassen. Der deutsche Michel und sein angeborenes „Schlau-Sein“. Statt auch mal über die Grenzen zu schauen, und zu sehen, das BILDUNG etwas mit der Gestaltung der eigenen Kompetenzen und Persönlichkeit zu tun haben könnte, fällt vielen in diesem Land nur ein, dass sie die Schule schließlich hinter sich haben.

Bildung hat mit Werten zu tun. Und ein Wert ist, seine Fähigkeiten zu erweitern und zu wachsen. Wer glaubt, nichts lernen zu müssen oder das Training hinter zu haben, der – der Leser möge den Ausdruck verzeihen – hat den Bezug zu sich selbst verloren.

Die Zahl der veröffentlichten Manuskripte liegt zwischen einem von 3000 bis zu einem von 10.000 (je nach Verlag). Eine Vielzahl der Manuskripte fällt schon deshalb durch, weil das Exposé schlecht geschrieben ist. (siehe Annes Schreibstube) Autoren brauchen aber keine Ausbildung. Aber damit gehen wir ganz locker um, ungefähr so wie Teenager: „Ich brauch keinen Verlag, ich mach das alles selbst.“ Das hab ich mit 14 auch so gemacht. „Ohne Titel“ hieß mein Jugendwerk. Nett, bei allen Freunden beliebt…. Ich war eine von den etwa 25 Prozent aller jungen Menschen, die schreiben wollen. Heute weiß ich, dass dieser Ansatz zur Eigentherapie entwicklungspsychologisch bedingt ist. Der Wunsch sich mitzuteilen in der „Sturm und Drang“ Phase der Adoleszenz. Dass ich gelesen werde habe ich erst geglaubt, als ausländische Verlage sich für Bücher aus meiner Feder interessiert haben. Denn mir war klar, jetzt kaufen keine Bekannten mehr, jetzt kaufen echte Kunden. Allerdings ist das sicher keine Bedingung, die erfüllt werden muss. Also keine hinreichende aber eine bereichernde Erfahrung.

Heute ist der Autor sehr oft sein eigener Zuschussverlag. Er bezahlt zwar keinen Druckkostenzuschuss aber er sitzt Tag für Tag auf seinem Posten und  betreibt stundenlang Marketing in den sozialen Medien. Manchmal kann Marketing viel erreichen. Zeit ist Geld.

Wir kennen das Phänomen aus vielen Bereichen. Es stimmt einfach nicht, dass weniger gelesen wird. Es stimmt auch nicht, dass Verlage keine Autoren suchen. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben das digitale Lesen und die Möglichkeiten, die sich heute jedem bieten, einen Ponyhof bereitgestellt. Und das ist gut. Denn es schadet niemandem. Aber ob wir wirklich etwas davon haben, wenn ein ganzer Berufszweig in der geregelten Armut lebt, ist eine andere Frage.

Die Klagen darüber, dass Autoren oft unter dem Mindesteinkommen in Deutschland leben, kommen nicht von ungefähr. Autoren brauchen keine Ausbildung. Amazon gibt an, dass die Mehrzahl der Self-Publisher unter 500,00 € im Jahr umsetzen. Am schlimmsten sieht es für die Genres Fantasy und Thriller aus, Sie gelten als überfüllt und daher – bis auf wenige Ausnahmen – chancenlos.

Autoren brauchen keine Ausbildung – sie leiden gern, lieben es, arm zu sein und sind stolz auf ihre Berufsbezeichnung. Schließlich schwingen da Autonomie und Freiheit mit, oder?

Ich halte es für falsch, diese Frage überhaupt zu stellen. Und damit komme ich an den Anfang zurück. Jeder Mensch, der sich verbessern will, wird einfach immer wieder voller Freude und Interesse seine BILDUNG in seinem Fachgebiet erweitern.

Und ich denke, das ist die Antwort: Autoren pauschal gibt es nicht. Es gibt, wie unter den Ärzten, Lehrern, Buchhaltern und allen anderen auch die, die irgendwann fertig sind mit ihrer Entwicklung und die, die Freude daran haben, etwas für sich selbst zu tun. Was für meinen Zahnarzt, meinen Biobauern und sogar meinen Floristen gilt, gilt auch für Autoren. Wer sich nicht weiterbilden will, wird meinen Ansprüchen irgendwann nicht mehr gerecht. Und Autoren sollten von ihrem Ross herunterkommen. Wir arbeiten in einer sich verändernden Branche. Welchen Grund sollten wir haben für ein: „Ich will so bleiben wie ich bin…trara.“

Die Frage nach einer Ausbildung für Autoren beantworte ich zusätzlich noch mit einem ganz respektvollen „Danke“ an Menschen wie Marcus Johanus, der mit seinen Beiträgen oft wie ein virtueller Coach fungiert und Katja Brandis, deren Artikel hilfreich und vor allem sehr freundlich sind.

Buchempfehlungen für Autoren habe ich hier zusammengestellt. Meine Empfehlungen sind nur eine Auswahl. Alles Blogbetreiber, Ratgeberschreiber u.a., die wirklich gut sind und hier einfach keinen Platz mehr gefunden haben, mögen mir verzeihen., denn nun muss ich zum zweiten Teil des Artikels übergehen, sonst ist das Popcorn gleich aufgegessen.


Autoren sind nicht grau

In den letzten Wochen habe ich Autorenseiten gelesen. Das mache ich immer dann, wenn ich neues Lesefutter suche. Mein Vorhaben war, im Jahr 2017 viel von Autoren zu lesen, die mit mir in dieser Zeit leben und schreiben. Ich persönlich lese

  • um meinen Horizont zu erweitern
  • um mein Selbst- und Weltbild zu reflektieren
  • um zu wachsen
  • um in einen inneren Austausch mit dem Autor zu gehen.

Nach etwa 50 Autorenseiten habe ich noch keinen neuen Lesestoff gefunden. Das liegt nicht daran, dass die Autoren schlecht sind. Das weiß ich gar nicht. Ich bin über die „Über mich“-Seite gar nicht hinausgekommen. Die Autorenseiten waren immer nach dem gleichen Schema aufgebaut:

Ich bin mal geboren. Meine Kindheit hat mich zum Schreiben motiviert. Ich habe das Buch, die Bücher XY, geschrieben.

Die Autoren haben sich so blass dargestellt, dass ich befürchten muss, ihre Figuren könnten ähnlich karg sein. Die Welt mag digital geworden sein, Menschen sind es nicht. Der Kontakt zwischen Autor und Leser folgt noch immer menschlichen Regeln. Eine Person, die geboren ist und in der Kindheit ans Schreiben kam, kann kaum einen anderen Horizont erweitern. Und jemand, der über sich nichts anderes zu sagen weiß als seine Buchtitel gleicht einem Arbeitnehmer, der seinen Arbeitgeber nennt, sonst nichts. In meiner Vorstellung ist ein Autor eine Persönlichkeit. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wenn er Leser sucht, muss er überzeugen.

Erzählen Sie etwas über sich als Mensch. Denn Lesen und Schreiben ist Kommunikation. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass ein Autorenpotrait Persönlichkeit enthalten sollte. Damit sind keine privaten Details gemeint. Wer welchen Hund liebt ist meistens ziemlich egal, denn es geht ja nicht um eine Tierarztpraxis sondern und Bücher.

Leidenschaften, winzige Anmerkungen, die den einen Autor zu etwas besonderem machen gehören dazu. Immer, wenn ich ein neues, großes Projekt beginne, fange ich an, Muffins zu backen. Das ist eine Marotte. Ich backe so lange, bis ich mich der Verantwortung gewachsen fühle, genau diese Aufgabe zu erfüllen. Denn Kommunikation ist Verantwortung. Ich will meinen Lesern kein Klavier an die Backe labern, ich will sie bereichern, aufrütteln, erheitern. Ich will Fragen und Antworten.

Manche Autoren aus meinem realen Umfeld schreiben immer nur mit einem Stift. Und wenn der nicht funktioniert, werden sie nervös. Andere können nur zu ganz bestimmter Musik schreiben. Eine Freundin, die recht erfolgreiche Bücher mit mehreren Auflagen verfasst hat, wirft ein paar Tage vor der Abgabe alles weg und schreibt dann alles noch einmal neu, in Windeseile.

Solche Informationen sind hilfreich für den Leser. Sie lösen ein: „Dieser Mensch ist interessant, ich möchte mit ihm kommunizieren“ aus.

Autoren sind doch schließlich keine Heimarbeiter, die Wörter tippen. Und jeder Autor sollte das auch zeigen können.

Die Erfahrungen mit Autorenportraits motivieren mich zu einem Wettbewerb:

Ein eigenes Autorenprofil verfassen. Spannend, knackig und vor allem echt – zur Kommunikation geeignet. Der Umfang soll zwischen 300 und 600 Wörtern liegen.

Die besten 10 Portraits erhalten eine Veröffentlichung und eine Pressemeldung. Außerdem erhalten die Gewinner alle Arbeitshefte des TextTime Autorentrainings kostenfrei in digitaler Form. Die besten drei Portraits bekommen zusätzlich die Arbeitshefte in Papierform.

Einsendeschluss ist der 30. Januar 2017. Bitte senden an: stefanie.glaschke[bei]t-online.de

 

 

 

 

Letzter Tag – Autorentrainingsspiel

Schreiben Autoren eigentlich täglich? Wer schafft es, eine Ruhepause einzulegen? Wer schafft einen schreibfreien Tag pro Woche? Und das ist überhaupt sinnvoll? Die meisten Ratgeber und Schreibtrainer sind sich einig, dass das Schreiben täglich auf dem Plan stehen sollte. Es ist gängige Meinung, dass ein guter und erfolgreicher Autor sich keinen freien Tag gönnen sollte. Doch ich möchte diese Aussage hier in Farge stellen. Ich möchte sie nicht verändern, nur anzweifeln. Ich glaube, täglich zu schreiben ist sehr gut. Aber noch besser wäre es , einmal im Monat einen absolut schreibfreien Tag zu haben. Denn das erweitert den Horizont und verhindert Betriebsblindheit. Allerdings klappt diese Schreibfreiheit nur, wenn sie geplant ist und der Schreiber sich auf etwas freuen kann, was er an diesem freien Tag erleben will. Ich spreche nicht vom Haushaltstag oder dem Erledigen der Buchhaltung. Ich bin überzeugt, dass wir regelmäßig die Möglichkeit haben müssen, uns außerhalb unserer gedanklichen Welt als reiner Mensch wahrnehmen zu können. Alle hauptberuflichen Autoren, die ich kenne, schreiben täglich, auch im Urlaub, an Feiertagen, 365 Tage im Jahr. Manchmal 16 Stunden, manchmal nur die eine tägliche Pflichtseite, die in den meisten Ratgebern empfohlen wird. Was würden Sie unternehmen, wenn Sie zwölf Tage im Jahr nicht schreiben dürften? Was könnte ein Autor genießen, ohne daran zu denken, es zu Papier zu bringen. Machen Sie sich Gedanken, was Sie mit zwölf Tagen á 24 Stunden im Jahr machen würden? Oder sind Sie schon in der vier Tage Woche angekommen? Ich bin gespannt auf Ihre Kommentare.

Übrigens ist heute der fünfte Tag unseres Trainingsspiels. Sie erreichen mich über meine Mail-Adresse oder hier im Kontaktformular.