Ist Literatur spießig? – Biohacking für Autoren II

Diese und andere Fragen würden sich die meisten von uns Schreibern wahrscheinlich nicht stellen. Dabei ist sie durchaus berechtigt. Dieser Artikel soll die Frage nicht beantworten, vielmehr handelt es sich um die Fortsetzung meiner kleinen Reihe zum Thema Biohacking für Autoren. Nachdem im ersten Beitrag allgemeine Gedanken zu lesen waren, soll es jetzt um das Mindhacking gehen. Mind, also Geist, ist ein wichtiges Arbeitsmittel des Schreibers. Den Geist fit zu halten ist daher oberstes Gebot. Allerdings ist die Krux an der Sache, dass die wenigsten merken, wenn der Geist einrostet. Das Gehirn denkt nur zu gern in alten Strukturen und es fällt kaum auf, dass immer die gleichen Datenautobahnen im Gehirn genutzt werden. Kreuzworträtsel und Sudoku sind nicht wirklich geeignet, um einen Schreiberling flexibel zu halten. Ich habe mich auf die Suche begeben und eine tolle Idee gefunden, die inzwischen einen festen Platz auf meinem Schreibtisch hat.

Der SinnfragenKombinator: 3969 Fragen und keine Antwort. Ein spielerisches Frageset von Pia Frey 

Sinnfragen1

Jeden Tag reicht ein einfaches Umblättern einer Seite, um eine neue Denksportaufgabe zu bekommen. Sinnfragen2Eine tolle Möglichkeit, Gedanken zu finden, die niemand selbst gesucht hätte. Heute morgen lautete mein Denkanstoß:

„Ist Literatur spießig?“

Diese Frage stelle ich damit hier zur Diskussion. Fällt jemandem dazu etwas ein? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Welche weiteren Mindhacking-Methoden für Wortkünstler gibt es noch? Spielen ist immer die erste Wahl, um den Kopf in Schwung zu bringen. Eine Auswahl habe ich vor langer Zeit schon bereitgestellt. Aber auch die Schokolinsen-Methode soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wichtig ist die Struktur, in der sich das Mindhacking bewegt. Julia Cameron empfiehlt die Morgenseiten. Hier geht es um das freie Schreiben, vollkommen ohne Vorgabe und aus dem Bauch heraus. Jeder, der sich die Zeit dafür schon einmal genommen hat, hat den nachhaltigen Effekt gespürt. Wer allerdings einem Brotjob nachgeht, hat gerade morgens oft keine Zeit für Mindhacking. Da Zeit bei ihm immer eine akute Mangelsituation darstellt, braucht er eine Möglichkeit, mit der er in kurzer Zeit viel erreichen kann. 15 Minuten am Tag genügen für ein effektives Mindhacking. Dabei ist allerdings die Grundbedingung, dass das Organ Gehirn mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird. Wasser, essentielle Fettsäuren und Obst/ Gemüse sollten also auf dem täglichen Speiseplan den Schwerpunkt bilden.

Die 15 Minuten könnten mit dem freien Schreiben gefüllt werden, wie Cameron es beschreibt. Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität

Auch der Sinnfragen-Kombinator ist gut geeignet, wenn eine Antwort auf die aktuelle Frage schriftlich formuliert wird.

Auch brainscale.net bietet viele Denksportaufgaben, die die grauen Zellen erfrischen, allerdings ist hier die Gratis-Version mit langen Wartezeiten verbunden. Ein bezahlter Account für unter 5 Euro im Monat lohnt sich in jedem Fall. Die wichtigste Aufgabe ist, am Ball zu bleiben und täglich zu üben. Nur so kann erreicht werden, dass das Gehirn seine Potentiale freisetzt und schließlich flexibler und schneller gedacht (und geschrieben) werden kann.

Mehr zum Thema Biohacking gibt es auf diesem Blog, folgt einfach und verpasst nichts!

Autorentraining von TextTime, Heft 1cover

 

 

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Biohacking für Schreiber?

Biohacking ist mehr als ein neuer Trend. Vielmehr können mit Biohacking Grenzen erweitert werden und neue Fähigkeiten entwickelt werden. Es geht darum, auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene dafür zu sorgen, dass verborgene Potentiale freigesetzt werden. Gerade für Kreative ist Biohacking deshalb ein paar Minuten Aufmerksamkeit wert. Dabei gehen die meisten Experten davon aus, dass bereits einige kleine Änderungen ausreichen, um eine bessere Leistungsfähigkeit zu erreichen. Ganz ohne Stress und Mühe. Der erste Schritt besteht darin, das eigene Verhalten zu verändern. Die Tipps „Wasser statt Saft“ oder „Fahrrad statt Auto“ sind nicht neu, aber dennoch wirkungsvoll. Auch der Verzehr von gesunden Fetten statt von ungesunden ist eine wahre Kraftnahrung für das Gehirn. Darüber hinaus arbeitet das Biohacking aber mit dem Gesamtsystem des Individuums. Der große Vorteil ist, dass jeder schrittweise beginnen kann.

Für jeden, der sich mehr Freiräume in der Umgebung und im Kopf wünscht, um ungehindert schreiben zu können, ist Biohacking ein möglicher Schlüssel.

Biohacking findet meist bereits unbemerkt im Alltag statt. Wer regelmäßig ein Entspannungsbad nimmt, um neue Kraft zu tanekn, betreibt Biohacking im weiteren Sinne. Auch wer sich zum Nachdenken an seinen Lieblingsort zurückzieht, nutzt intuitiv die Vorgaben des Biohackings. Beim Biohacking geht es vor allem darum, Einflüsse von außen wahrzunehmen und so zu verarbeiten, dass sie die eigenen Fähigkeiten optimal zur Geltung kommen lassen. Für einen Schreiber heißt dass, dass die Umgebung so gestaltet wird, dass das Schreiben besonders gut gelingt.

Ein Blick in die Computerwelt lässt Biohacking noch deutlicher werden. Ein Computerhacker muss zuerst das System verstehen, in das er eingreifen will. Ein Biohacker will demnach das System, in dem er lebt, verstehen und in seinem Sinne eingreifen.

Zum System eines Menschen gehören Körper, Geist, Seele und alle Umwelteinflüsse. Dazu zählen die Ernährung und die Verhaltensweisen. Ein Biohacker kennt sich und seine inneren und äußeren Abläufe sehr gut.

Wer versteht, wie er funktioniert, kann sein Verhalten darauf ausrichten, das Beste für sich zu bekommen und aus sich selbst das Beste herauszuholen.

Vor allem Teilzeitautoren sind darauf angewiesen, ihre Kräfte zu bündeln und keine Störungen während der Schreibprozesse zu erleben.

Das einzige Problem: Man braucht Selbstdisziplin. Ein paar Tipps, die jeder Schreiber problemlos umsetzen kann, habe ich hier zusammengestellt. Dabei sind die folgenden Tipps nicht individuell abgestimmt, sondern zuerst für alle menschlichen Lebewesen gültig. Mindestens der allgemeine „artgerechte Umgang“ mit sich selbst sollte das Ergebnis vom Biohacking sein.

  1. Bodyhacking

Damit keine Zeit für das Schreiben verloren geht, beschränke ich mich auf einige wenige Hinweise zur Ernährung. Einige Biohacker schwören auf das moderne „Superfood“, doch die Experten sind sich hier nicht einig. Geht es den Herstellern nur um unser Geld oder helfen die Nahrungsergänzungsmittel aus Algen, Gerstengras und ähnlichen Substanzen wirklich? Wer es nicht an sich selbst testen möchte, hält sich streng an Omas Regeln: Abwechslungsreich essen und mindestens fünf Einheiten Obst und Gemüse zu sich nehmen.

obstkorb

Beim Schreiben können immer ein Obstteller und eine Wasserkaraffe bereitstehen. Außerdem gut für den Körper: Mindestens nach 45 Minuten Bildschirmarbeit fünf Minuten Pause machen, am besten auf dem Balkon oder im Garten. Den Himmel oder die Natur zu betrachten entspannt die Augen. Wer schnell in seine Arbeit vertieft ist, kann sich einen Wecker stellen. Die verlorene Zeit holt man schnell wieder herein, denn nach der Pause arbeitet das Gehirn entspannter und damit schneller. Die obigen Tipps zeigen bereits nach einer Woche eine deutliche Wirkung.

Wer mehr zum Thema lesen will, kann diesen Blog abonnieren, in den folgenden Wochen wird das Thema „Biohacking für Schreiber“ hier umfassend bearbeitet.

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Wo kommen die Figuren her?

Jeder Autor möchte gern einmal richtig plastische und greifbare, lebendige Figuren schaffen. Vielleicht wird eine der eigenen Figuren einmal in die Allgemeinbildung eingehen? Vielleicht gelingt es der selbst geschaffenen Figur ja, einen Platz in der realen Gesellschaft zu finden.  Um das zu schaffen, braucht die Figur eine Seele und vor allem ein Eigenleben. Der Autor wird nicht umhin kommen, mit seiner Figur in einen Dialog zu treten. Wie kann das ablaufen? Normalerweise entspringen die Figuren in einer Geschichte oder in einem Roman doch einem gedanklichen Konzept. Der Autor baut eine Figur. Doch wenn es dabei bleibt, bleibt die Figur farblos, eben nur eine Figur. Wenn der eigenen Figur Leben eingehaucht wird, ist der kreative Prozess gestartet. Bis dahin bleibt das Schreiben Handwerk. Eine Figur leben zu lassen heißt, der Autor zieht sich teilweise demütig zurück und lässt die Figur wachsen. Aber kommt dieses Wachsen dann nicht auch automatisch aus dem Kopf des Autors? Nein. Wachsende Figuren entspringen dem Unbewussten. Sie sind schon da, sind im Autor angelegt, aber nicht einmal er selbst hat sie bisher entdeckt. Der einfachste Weg zu einer lebendigen Figur ist der Weg über das eigene Unbewusste. Wer einen guten Kriminellen erschaffen will, der sollte erforschen, wie er selbst als krimineller Mensch handeln und denken würde. Denn andere Kriminelle zum Vorbild zu wählen bleibt immer ein „Kopieren“. Und Kopien verlieren an Farbe und an Schärfe. Das Original ist nicht zu ersetzen. Sicher, das klingt in erster Linie absurd. Schließlich ist man Autor, nicht Bankräuber und schon gar nicht Mörder. Doch erst, wenn der Autor die Zensur im eigenen Kopf aufgibt und ihm nichts Menschliches mehr fremd sein muss, kann er kleine und große Wunder für seine Figuren vollbringen. In uns allen stecken verschiedene Anteile, nur wenige unserer Persönlichkeitsaspekte leben wir wirklich aus. Der Psychoanalytiker C.G. Jung hat darauf seine Archetypenarbeit begründet. Da gibt es die Schatten, die niemand leben will, den Mutter- und Vaterarchetypen, den Mentor, den Boten und noch viele mehr. Gerade die Schatten sind wichtig. Das, was wir uns verbieten, auch nur zu denken, bringt den Zündstoff ins Leben und in eine Story. Unpünktlichkeit, Rachsucht, Machtgier, Mordgelüste und sexuelle Fantasien schlummern in uns und es ist besser, sie bleiben wo sie sind. Für das gesellschaftliche Leben stimmt das. Für die Story nicht. Wir müssen uns als Autoren nicht hineindenken in andere Lebensweisen. Wir können unsere eigenen verborgenen Anteile nutzen, denn die sind uns näher und sie sind lebensechter als gedankliche Konstruktionen.  Wenn wir die Seele des Leser ansprechen wollen und nicht nur seinen Kopf, dann müssen wir mit der Seele zu ihm sprechen. Diese Fähigkeit kann man lernen. Man kann sein eigenes Unbewusstes durchforsten und wird überrascht sein, wie viele Schätze, Figuren und lebensechte Storys dort verborgen liegen. Ich nenne diesen Vorgang die „Recherche im Innern“. Selbstverständlich ersetzt sie nicht die Recherche über sachliche Aspekte. Die „Recherche im Innern“ hilft dabei, dass Autor und Figur miteinander verbunden sind und so ein authentisches Gebilde entstehen kann. Der Autor kann seine Figur vertreten, er kann sie lieben und sich für sie einsetzen. Und eine echte Figur wird von den Lesern besser wahrgenommen als eine Kunstfigur. Denken wir an Harry Potter oder an Robinson Crusoe, an den kleinen Lord oder an Hannibal Lector. Effi Briest und Bridged Jones sind ebenfalls Beispiele für echte Figuren. Wer weitere Information über Kurse zum Thema haben möchte, nimmt einfach formlos Kontakt zu mir auf.

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Die erste Seite

Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die sich dazu berufen fühlten, ihre Geschichte aufzuschreiben. Oft blieb es über Jahrzehnte beim bloßen Vorsatz. Sie fanden den Anfang nicht. Dabei waren die Geschichten meist wert, erzählt zu werden. Doch es scheint eine Schwelle zu geben, die schwer zu überwinden ist. Diese Schwelle liegt nicht etwa mitten auf dem Weg, sie liegt vor dem ersten Schritt und das macht es schwer. Ein Autor, wenn er nicht ein begnadetes Talent ist, kommt nicht dran vorbei, ein wenig Management für seine eigene Arbeit zu betreiben. Und schon die erste Hürde kann mit Self-Management genommen werden. Es ist unbedingt erforderlich, dass der Autor begreift, dass er in der Gegenwart, im JETZT lebt. Deshalb schreibt er jetzt oder gar nicht. Es gibt kein Schreiben in der Zukunft, denn die Zukunft ist nicht sichtbar, sie ist Illusion. Autoren sind keine Fantasten, sie haben Fantasie. Wir können uns helfen, indem wir vorübergehend eine feste Schreibzeit in unseren Terminkalender einbauen. Unsere Geschichte ist es wert, dass wir Disziplin für sie aufbringen. Sie ist wie unser Baby, wir müssen sie versorgen. Deshalb hilft dieser feste Termin. Ich empfehle hierfür 30 Minuten pro Tag. In dieser Zeit darf nichts anderes gemacht werden. Es gibt nur den Autor, die Geschichte und das Schreibwerkzeug. Und ganz egal, ob am ersten und zweiten Tag etwas aufgeschrieben wird, das Motto heißt: Weitermachen! JETZT schreibe ich, soll die Überzeugung sein. Und nach einiger Zeit wird ein Text zu lesen sein. Dieser Text muss gar nicht die erste Seite eines späteren Romans sein. Er ist ein Fragment, eine Szene, vielleicht wird er eine Short Story. Testen Sie es JETZT, morgen geht es hier auf diesem Blog weiter.

(Quelle: Stefanieglaschke.wordpress.com)

Und warum das JETZT so wichtig ist, können Sie hier lesen „Warten kann ich später“

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Philosophie des Tippfehlers

Tippfehler sind die Schrecken der Autoren. Tippfehler weisen angeblich darauf hin, dass der Schreibende sich nicht zum Schreiben eignet. Wer die deutsche Rechtschreibung nicht beherrscht, der sollte bitte auch keine Texte verfassen oder gar publizieren. Wenn schon schreiben, dann aber korrekt. Fehlerfreies Schreiben ist ohne Zweifel eine Form der Höflichkeit dem Leser gegenüber. Fehler können das Lesen erschweren oder den Sinn einer Aussage verändern. Doch hat Schreiben auch noch andere Aspekte, die sich gerade in der jüngsten Vergangenheit zeigen. Schreiben ist nichts mehr nur für akademische Schichten, nicht nur der elaborierte Sprachgebrauch hat seine Berechtigung. Schreiben wird inzwischen (wieder) als Ausdruck für Meinungen und Gefühle gesehen. Und jeder darf diese Ausdrucksform nutzen. Das schafft eine Vielfalt, die die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Menschen, über die bisher nur geschrieben wurde, schreiben jetzt selbst. Das bringt Authentizität und Vollständigkeit. Und mancher ist vielleicht nicht stark in der Rechtsschreibung. Hat er deshalb weniger starke Botschaften oder Emotionen? Wohl kaum. Wir sind bei einer sehr demokratischen Form der Äußerung angekommen, dank Self-Publishing. Dabei fällt mir auf, dass wir die deutsche Sprache weniger achten denn ihre Form. Anglizismen und Fachbegriffe sowie Fremdwörter entstellen viele Texte und höhlen die Inhalte aus. Ich vergleiche die Tippfehlerdiskussion oft mit anderen Lebenssituationen. Meine junge Schwiegertochter lädt mich zum Kaffee ein. Als alte Häsin kann ich ziemlich makellos backen. Der jungen Frau aber ist, das sehe ich auf den ersten Blick, die Tortendekoration misslungen, der Kaffee schmeckt wie Spülwasser und die Tischdecke hat einen kleinen Fleck am Rand. Ich erkenne all diese Formfehler – und ich erkenne die Botschaft: Sie hat sich leidenschaftlich ins Zeug gelegt und sie will mir mit der Einladung ihre Offenheit und Freundlichkeit zeigen. Ihre kleinen Fehler übersehe ich. Wer arbeitet, macht Fehler. Ich finde ihre Aktion gelungen, denn ich habe sie verstanden. Oder der Nachbar, der mich freundlich willkommen heißen will und beim ersten Klingeln an meiner Haustür vor lauter Schüchternheit meine Lilien samt Topf von der Treppe schubst. Ich erkenne die Nachricht in seinem Besuch und seiner Schüchternheit, ich verstehe ihn. Darauf kommt es an. Schreiben und Lesen hat damit zu tun, dass Menschen sich verstehen. Sie begegnen sich. Auf die menschlichen Botschaften kommt es an. So, wie ich nicht nur mit jemandem rede, der korrekt angezogen ist (dann dürfte ich mit keinem Menschen sprechen), so lese ich auch gern über Tippfehler hinweg. Ich möchte den Schreibenden verstehen, denn er ist ein Mensch. Ich höre zu, indem ich lese. Ich überdenke seine Aussage. Zur Fehlerkontrolle fehlt mir die Zeit. Ich wünsche mir und plädiere hiermit für einen toleranten Umgang mit Tippfehlern. Es wäre schön, wenn Tippfehler ebenso liebevoll schmunzelnd wahrgenommen würden wie andere Fehler auch. Erst dann sind wir in einer höflichen Form der Kommunikation zwischen Leser und Autor angekommen. Denn so, wie eine Krawatte verrutschen kann, kann auch ein Finger auf den Tasten verrutschen, wenn der Autor voller Leidenschaft und Mitteilungsfreude seinen Text verfasst.  Autoren sind keine Schulkinder, die dem Lehrer gefallen wollen. Wer schreibt, ist mutig genug, sich mitzuteilen. Wer schreibt, macht den Mund auf. Und Stottern, Holpern, Haspeln gehören einfach dazu, wenn das Herz mit dem Verstand gemeinsame Sache macht. Wir sollten jedem Schreibenden wohlwollend unterstellen, dass er sein Bestes gibt. Oft reicht das auch aus.

Quelle: Stefanieglaschke@wordpress.com

Cover Empfehlung: Autorentraining von TextTime

Feiertage für Schreiber

Hin und wieder braucht der Mensch einen guten Grund für den besten Wein aus dem Kellergewölbe. Autoren sollten Genussmenschen sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Schreibe davon abhängt, wie entspannt der Schreiber ist. Feiertage gibt es viele. Umso schöner ist es, dass es auch speziell für Sprache, Buch und Lesen, sogar für Autoren und Autorinnen eigens eingerichtete Gedenk-, Aktions-, und Feiertage gibt. Nicht nur das neueste Buch oder das erste Buch, das beste Buch oder das schönste eigene Buch dürfen gefeiert werden. Auch die Autorengemeinschaft hat ihre eigenen Anlässe für ein gemeinsames Feiern. Und da Feste zum Leben gehören, sollten wir uns die nicht entgehen lassen.

Hier eine kleine Auswahl unserer Feiertage:

21. März: Internationaler Aktionstag, Welttag der Poesie, ausgerufen von der UNESCO

2. April : Internationaler Tag des Kinderbuches, ausgerufen von der Organisation „International Board on Books for Young People“

23. April : Internationaler Welttag des Buches und des Urheberrechts, ausgerufen von der UNESCO

15. November: Internationaler Tag der Autoren hinter Gittern, ausgerufen von der Schriftstellervereinigung P.E.N. – Gedenktag für inhaftierte und ermordete Schriftsteller und Journalisten

Cover Heft2 Das Autorentraining kann über die Hauptseite TextTime.de bezogen werden. 

Buchkunst auf der Buchmesse

Schreiben und Lesen gehören zusammen wie Tag und Nacht oder Sonne und Mond. Welches Event könnte besser geeignet sein, neues Lesefutter und neue Schreibimpulse zu finden als eine Buchmesse. Das Wort „Messe“ hat übrigens noch weitere Anwendungsbereiche. Messen waren und sind rituelle Feiern in der christlichen Religion. Darüber hinaus gilt der Speisesaal an Bord als „Messe“. Ich war ohne Ziel und Zweck auf der Buchmesse. Was ist mir aufgefallen? Die vielen gehetzten Gesichter. Viele schienen unter einem besonderen Druck zu stehen. Schlendern war wenigen vorbehalten. Außerdem konnte ich erkennen, dass an einigen Ständen sehr wenig Interaktion zwischen Aussteller und Besucher stattfand. Der Stand wirke bei manchen wie ein Bollwerk. Das war sicher nicht überall so, aber ich hatte das Gefühl, dass das Plauderns, das „Ins-Gespräch-Kommen“ auf anderen Messen in den Vorjahren deutlich intensiver war. Aber insgesamt war das Ergebnis gestern Abend sehr positiv. Ich selbst habe Kontakte aufgenommen. Nicht Zweckgebunden, sondern ausschließlich offen für alles, was der Tag so bieten konnte. Da war die Frau, die mich auf dem Freigelände eingeladen hat, unter ihren Schirm zu kommen. Für eine kurze Weile, weniger als fünf Minuten waren es wahrscheinlich, haben wir geplaudert und ein bisschen, ein ganz kleines bisschen erzählt. Keine Telefonnummern, keine Verkaufsabsichten, kein verkrampftes Netzwerken. Eine Begegnung wie auf einer Parkbank in den 70-er Jahren. Toll. Dann war da noch die junge Frau, die auf dem Beitragsbild zu sehen ist. Sabrina. Wir haben über Bücher und Kunst aus Büchern gesprochen. Dann einen schönen Tag gewünscht. Mehr nicht. Und schließlich der Philosoph. Er gab signierte ein Buch für mich. Er hat nicht einmal etwas daran verdient und ich werden ihm keinen Vorteil einbringen, ich bin nicht Multiplikator für seine Sache.

Drei Begegnungen, die keinen nachhaltigen Effekt im Außen haben. Aber sie haben etwas hinterlassen. Das Wissen darum, dass Menschen noch viel mehr sind als Umsatzträger, Influencer, Multiplikatoren oder Human Ressources auf irgendwelchen anderen Gebieten, hat mir gut getan. Einfach mal laufen lassen, einfach mal kommen lassen, einfach mal gehen lassen…. darin liegt manchmal mehr Bewegung an in jeder Zielorientierung.

Geschenk zum Wochenende

Für alle treuen Facebookfreunde und Twitter-Follower ist das Geschenk zum Wochenende endlich fertig. Natürlich dürfen auch Leserinnen und Leser dieses Blog zugreifen, die zufällig hier vorbeischauen.

Kostenlos statt 2,99 ist das E-Book „Autoren-Marketing“. Es fast die Beiträge zusammen, die zu diesem Thema bisher auf diesem Blog erschienen sind.

Viel Freude beim Lesen und allen ein tolles Wochenende!

Schreib! und liebe deine Figur

Wer schreibt, entwickelt einen eigenen Stil und eigene Vorstellungen von seinen Figuren. Im Kopf des Vielschreibers sind manchmal mehr Ideen als Haare drauf. Dabei ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis diese Ideen den Weg auf das Papier finden und Gestalt annehmen. Irgendwann kennen Schreibende ihre Figuren besser als die Menschen in ihrem Umfeld. Man geht mit seiner Heldin schlafen und steht mit ihr auf. Der jüngste Protagonist sitzt abends neben seinem Schöpfer auf der Couch und steht in der Küche, wenn gekocht wird. So ungefähr fühlt es sich an, wenn ein Schreibender mit seiner Figur verwachsen ist. Die Grenze zwischen der Figur und der eigenen Person verschwimmt. Sie wird durchlässig. Genau das ist das Geheimnis, das hinter einer lebendigen Figur steckt. Beim Schreiben kann nur das transportiert werden, was im Kopf auch vorhanden ist. Viele Figuren aus mittelmäßigen Romanen wirken blass und kommen wie reine Funktionsträger daher. Sie tragen die Handlung. Vom Beginn bis zum Schluss des Romans treiben sie die Geschichte voran. Doch sie können so viel mehr. Wer sich vorstellt, die eigene Figur wäre für eine Woche in der Wohnung zu Gast, wird ihre Macken und Schwächen erkennen. Er wird sehen, ob sie Grübchen beim Lächeln hat oder ob sie morgens mit Tränensäcken aufwacht. All diese kleinen Details sind wichtig. Nicht, weil sie im Buch verwendet werden müssen. Sie sind wichtig, damit der Autor ein genaues Bild von der Figur hat, die er zu seiner Hauptperson bestimmt hat. Er wird erst Gefühle für sie entwickeln können, wenn er sie kennt. Und erst, wenn der Autor seine Figur liebt, kann er die Leser anstecken und begeistern. Wundervolle Figuren aus der Weltliteratur, die uns das Gefühl geben, es handle sich um reale Personen sind Nils Holgersson oder Effi Briest. Aber auch in der aktuellen Bücherwelt tauchen Personen auf, die man zur Freundin oder zum Freund haben könnte. Diese Figuren leben, haben verschiedenste Dimensionen und handeln nicht nur, damit die Geschichte sich fortsetzt. Eine davon ist Harry Hole, der Ermittler in Jo Nesbøs Krimi Kakerlaken. Wenn Hole Rückenschmerzen hat, möchte man am liebsten zur Wärmesalbe greifen.

 

Dem verschrobenen, leidenden, trinkenden Kommissar steht Luise, die Hauptperson in „Was man von hier aus sehen kann“ an Lebendigkeit in nichts nach. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, hatte ich das Gefühl, eine liebe Freundin verloren zu haben, die ich gern noch viele Jahre in meinem Leben gehabt hätte.

Dagegen wirken andere vollkommen facettenlos. In „Ein Sommer ohne Männer“ ist Mia kaum als eigenständige Person wahrnehmbar. Sie hat nichts anderes zu bieten als eine einzige Begebenheit in ihrem Leben zu zeigen und zu verarbeiten. Und natürlich gibt es am Ende das Happy End, dass jede Frau sich wünscht. Schade, denn die Schriftstellerin Siri Hustvedt muss sich nicht verstecken. Sie schreibt oft und gern über sich selbst.

Eigentlich braucht sie keine Mia, um ihre eigene Botschaft zu transportieren.

Wenn wir Figuren schaffen, sollten wir uns daher vorher fragen, ob wir uns selbst mit den Darstellungen präsentieren wollen oder ob wir ein vollkommen neues Geschöpf in die Welt schicken. Wenn unsere Motivation die Erschaffung einer neuen Person ist, ist diese zwar immer eng mit uns selbst verbunden, doch sie hat einen eigenen Raum zur Entfaltung. Wer seine Figur kennenlernen will, wird hin und wieder erstaunt sein. Sie reagiert unerwartet und lässt den Erfinder schmunzeln oder zürnen oder eben staunen. Ein toller Trick ist, eine Brieffreundschaft mit ihr zu beginnen. Frag sie nach ihren Meinungen zu allem, was du erlebst. So erfährst du Dinge von ihr, dir beim Schreiben hilfreich sein können und viel mehr Farbe in den Roman bringt. Zusätzlich hat man auch gleich die eine oder andere Textpassage, die später Verwendung finden kann. Wer Lust hat, seinen Brief an seine Figur hier zu veröffentlichen ist herzlich eingeladen. Aber auch andere Tipps, um lebendige Figuren statt Marionetten zu entwickeln, haben hier noch Platz.

 

YouTube für Autoren

Marketing für Autoren geht auf diesem Blog in die nächste Runde. YouTube ist ein wichtiges Werbemedium geworden. Wie Sie es für Ihr Buch nutzen können, lesen Sie hier. Wenn Sie Twitter, Facebook und Google+ effektiv nutzen, ist die Verbreitung von YouTube Inhalten ein Kinderspiel für Sie. Sie können natürlich auch mit YouTube beginnen. Beenden Sie Ihre YouTube- Botschaft mit der Landingpage für Ihr Buch. Und vergessen Sie nicht, eine Pressemeldung zu verfassen, sobald Sie bei YouTube Ihr erstes Video online stellen.

Wenn Sie auf Google+ Hangouts veranstalten, können Sie diese auch auf YouTube veröffentlichen. Dadurch erscheinen Ihre Videos auch höher in den YouTube Suchresultaten. Gut gemacht, bauen Hangouts und YouTube Videos Vertrauen und eine Beziehung zum Publikum auf.

Seien Sie nah am Leser, mit etwas Kreativität ist ein YouTube Kanal eine tolle Möglichkeit dazu. Präsentieren Sie sich authentisch, seien Sie sich selbst. Die Leser sollen nicht nur in Ihre Bücher eintauchen, sondern lassen Sie sie auch an Ihrem Leben teilhaben. Natürlich nur in dem Masse, in dem Ihnen dabei wohl ist. Erzählen Sie zum Beispiel, wo Ihr Lieblingschreibplatz ist, in welcher Verfassung Sie am besten schreiben… Welches persönliche Erlebnis führte zu einer bestimmten Szene oder zu Ihrem Buchthema? Sorgen Sie aber auch für interessante Inhalte, die sich nicht nur um Ihre Person oder Ihre Bücher drehen.

Zeichnen Sie die Videos auf jeden Fall in hoher Qualität, sprich HD auf. Informieren Sie sich über die technischen Anforderungen und Möglichkeiten und ziehen Sie Hilfe hinzu. Dazu gibt es zahlreiche Ratgeber und Dienstleister. Nichts ist schlimmer als ein YouTube Account ohne Klicks mit abschreckenden Buchtrailern oder langweiligen Lesungen auf dem heimischen Sofa!

Beachten Sie die folgenden Punkte:

  1. Erstellen Sie Playlists, die Sie mit inhaltlich passenden Videos füllen. Finden Sie knackige und fesselnde Titel.
  2. Die Inhalte sollten unterhaltsam oder informativ sein. So können Sie z.B. den Schauplatz einer Szene besuchen, den Leser auf eine Recherchereise mitnehmen, Charaktere Ihrer Figuren genauer beschreiben oder andere Hintergrundinformationen bieten. Auch informative Videos von anderen können geteilt werden, wenn sie zum Thema passen.
  3. Als Sachbuchautor können Sie Ihre Playlist auch mit Dokumentationen oder Berichterstattungen von Fachkongressen füllen.

Wichtig ist, dass sich auf Ihrem Kanal eine gute Diskussionskultur entwickeln kann. Lassen Sie deshalb Kommentare zu! Auch kritische Kommentare können konstruktiv aufgegriffen werden.

Die fertigen Videos können auf Ihren anderen Social-Media-Kanälen geteilt werden und auch in Ihre Website eingebunden werden.

Einladung zum Marketing-Workshop für Autoren in Leipzig 

Wer sein Buch und damit auch seine eigene Arbeit vermarkten will, braucht eine wirksame Strategie. Darüber hinaus sollte er über ausreichend Fachwissen in der Welt der sozialen Medien verfügen.

Einen Kurs im Marketing für Autoren gibt es im Oktober in der Bücherstadt Leipzig. Vom 23. bis 25. Oktober 2018 findet der Kurs:

„Nun lies doch endlich mein Buch!“

statt.

Inhalte sind:

  • Grundbedingungen des klassischen Marketings
  • Kreatives Marketing
  • Multi Media Marketing
  • Social Network Marketing
  • Werbespychologie
  • Werbestrategie

Jeder Teilnehmer hat am Ende des Workshops seine eigene Strategie erstellt und wird drei Monate lang weiter betreut, damit die Strategie auch auf einen guten Weg kommt. Die Betreuung umfasst eine E-Mail pro Woche.

Termin: 23. Oktober: 10 bis 20 Uhr (einschließlich Pausen für Mittagessen und Abendbrot)

24. und 25. Oktober jeweils 10 bis 15 Uhr

Kosten: 85,00 €

Maximale Teilnehmerzahl: 12

Durchführung:

Stefanie Glaschke, psychologische Beraterin (Dipl. IAPP) und Buchautorin

Coachingerfahrung in den Bereichen Zeitmanagement, Strategie und Vision seit 1999, Journalistische Arbeit seit 2015, Buchautorin bei namhaften Publikumsverlagen seit 2001.

Fordern Sie weitere Informationen gibt es über das Kontaktformular.