Schreiber sind sensible Seelen

Dieser Artikel entsteht spontan, weil ich über eine tolle Frau, Tina Gallinaro, auf ein Thema gestoßen wurde, das auch Autorinnen und Autoren angeht. Tina schreibt über die Raffgier und den Neid in den sozialen Medien. Recht hat sie. Der Artikel kann hier nachgelesen werden. Und mir kam beim Lesen Ihres Artikels eine Idee. Ich denke, gerade Schreiber haben eine sachliche und positive Kritik verdient, die der Kritiker sich wirklich durch den Kopf gehen ließ. Wer 200 Stunden an einem Buch arbeitet, darf aus gutem Grund beleidigt sein, wenn eine negative Kritik in drei Sekunden das Werk in den Kakao schubst. Das schlimmste Symbol für die Verballhornung von Kritik (aus dem griechischen, „Entscheidung“) ist der „gefällt mir“-Daumen. Als Autorin wüsste ich gern, warum etwas gefällt oder nicht gefällt. Schließlich lernt der Verfasser sonst nichts. Und Schreiber lernen von Lesern – und umgekehrt. Sonst haben wir keinen Austausch, sondern ausschließlich Geldfluss. Dieser Daumen ist nur ein Blöken, egal ob er geklickt wird oder nicht. Und er gewöhnt uns daran, nicht mehr „warum“ zu fragen. Statt dessen fragen wir „wie viele“. Eindimensional und oberflächlich wird Kritik dadurch und egozentrisch.

„Warum hast du das geliked?“

„Weiß ich nicht, gefällt mir eben.“

„Hast du das Buch denn gelesen?“

„Nein, aber das Bild ist schön. Hat auch schon ganz viele Likes.“

Kritik auf dem Niveau des Groschenromans oder schlimmer. Daher meine Idee: Liken wir doch einfach Bücher und die Werke von Schreibern nicht sondern nehmen wir uns die zeit, mindestens mit 10 Wörtern auf sie zu reagieren. Schreiben wir für Schreibende, sie sollten es uns wert sein. Ich bin gespannt ob mir mein #Daumenstreik in den nächsten Tagen irgendwo begegnet. Ich würde mich freuen, wenn wir gleiches mit gleichem vergelten, allerdings positiv: Wörter für die, die Wörter schenken.

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3 Kommentare zu “Schreiber sind sensible Seelen

  1. Hallo Stefanie, vielen dank für die Verlinkung meines Beitrages. Die Idee, schreiben statt liken finde ich mehr als genial. Ein Kommentar ist für einen Blogger wie für den Musiker der Applaus für ein Werk.
    Ich habe schon lange aufgehört, „nur“ ein Like dazu lassen, sondern kommentiere lieber regelmäßig bei den entsprechenden Beiträgen.
    Stellen wir uns einmal vor, die sozialen Netzwerke werden abgeschafft, dann wären auch alle Däumchen sowie Emojis weg. Ein Kommentar im Blog jedoch bleibt!
    LG Tina

    Gefällt 1 Person

  2. Toller Aufruf!
    Gerade hier in der Bloggerszene ist mir das auch schon viel aufgefallen: Einträge werden geliket, aber auch auf direkte Leserfragen geht kaum jemand ein. Dabei finde ich gerade den Austausch, den das Bloggen von und für Autoren bereitstellt, eine großartige Sache!

    Gefällt mir

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