Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Warnung: Dieser Beitrag hat Überlänge. Ich empfehle das Lesen mit gewürztem Popcorn und einem leckeren Smoothie.

Autoren brauchen keine Ausbildung – oder?

Diese Frage stürmt gerade mein Umfeld im WWW.

Eine typische Frage, die sich jeder einzelne Schreibende stellen sollte, die aber niemals kollektiv beantwortet werden kann.

Sicher habe ich eine persönliche Antwort und jeder andere hat sicher seine eigene Antwort auf die Frage.

Aber es gibt auch Informationen auf der Sachebene, die ich hier zusammengestellt habe.

Im Jahr 2003 waren bei der VG Wort über 100.000 Autoren registriert. Und es werden immer mehr. Die Zweitrechte aller registrierten Autoren zu wahren macht eine Menge Arbeit, wenn man bedenkt, dass nach
C.V.Rock (leider gibt er seine Quelle nicht an) von allen Bundesbürgern

ca. 15 Prozent geeignet sind, sich schriftstellerisch zu betätigen,
ca. 20 Prozent nach erfolgter Ausbildung gut und verständlich schreiben können,
ca. zehn Prozent es niemals lernen werden,
und man die restlichen 55 Prozent „als Durchschnitt bezeichnen kann“.

Auf der Buchmesse in Frankfurt waren im letzten Jahr an die 300.000 Titel zu sehen. Mehr als zwei Drittel kamen aus dem Ausland, denn in der Bundesrepublik erschienen nur knapp 100.000 neue Titel.

Es sieht also gar nicht so gut aus mit den deutschen Autoren. In den USA beispielsweise lernen die späteren Autoren das Schreiben – und stürmen die weltweiten Bücherlisten. Auch die Lieblingsautoren der deutschen Leser sind nicht immer Landsleute.

Landläufige Meinung scheint zu sein, dass ein Autor keine Ausbildung braucht. Das ist typisch für unsere Nation. Eltern brauchen keine Ausbildung, Partner schütteln alles aus dem Ärmel und Ernährungs- und Gesundheitsexperten sind wir auch von Geburt an. Dagegen stehen die alarmierenden Zustände, in denen wir und unsere Kinder leben. Ach, fast hätte ich es vergessen, die Demokratie ist uns auch in die Wiege gelegt. Also alles in Butter. Ausbildung geht gar nicht. Das setzt sich ja inzwischen in der Bildung auch schon konsequent durch. Sind wir unbelehrbar oder einfach nur belehrungsresistent? In anderen gesellschaftlichen Bereichen scheint es nicht besser zu laufen.

Wir können eben alles allein und von selbst. Deshalb haben sehr viele von uns ernährungsbedingte Erkrankungen, stressbedingte Probleme und knappe Kassen. Der deutsche Michel und sein angeborenes „Schlau-Sein“. Statt auch mal über die Grenzen zu schauen, und zu sehen, das BILDUNG etwas mit der Gestaltung der eigenen Kompetenzen und Persönlichkeit zu tun haben könnte, fällt vielen in diesem Land nur ein, dass sie die Schule schließlich hinter sich haben.

Bildung hat mit Werten zu tun. Und ein Wert ist, seine Fähigkeiten zu erweitern und zu wachsen. Wer glaubt, nichts lernen zu müssen oder das Training hinter zu haben, der – der Leser möge den Ausdruck verzeihen – hat den Bezug zu sich selbst verloren.

Die Zahl der veröffentlichten Manuskripte liegt zwischen einem von 3000 bis zu einem von 10.000 (je nach Verlag). Eine Vielzahl der Manuskripte fällt schon deshalb durch, weil das Exposé schlecht geschrieben ist. (siehe Annes Schreibstube) Autoren brauchen aber keine Ausbildung. Aber damit gehen wir ganz locker um, ungefähr so wie Teenager: „Ich brauch keinen Verlag, ich mach das alles selbst.“ Das hab ich mit 14 auch so gemacht. „Ohne Titel“ hieß mein Jugendwerk. Nett, bei allen Freunden beliebt…. Ich war eine von den etwa 25 Prozent aller jungen Menschen, die schreiben wollen. Heute weiß ich, dass dieser Ansatz zur Eigentherapie entwicklungspsychologisch bedingt ist. Der Wunsch sich mitzuteilen in der „Sturm und Drang“ Phase der Adoleszenz. Dass ich gelesen werde habe ich erst geglaubt, als ausländische Verlage sich für Bücher aus meiner Feder interessiert haben. Denn mir war klar, jetzt kaufen keine Bekannten mehr, jetzt kaufen echte Kunden. Allerdings ist das sicher keine Bedingung, die erfüllt werden muss. Also keine hinreichende aber eine bereichernde Erfahrung.

Heute ist der Autor sehr oft sein eigener Zuschussverlag. Er bezahlt zwar keinen Druckkostenzuschuss aber er sitzt Tag für Tag auf seinem Posten und  betreibt stundenlang Marketing in den sozialen Medien. Manchmal kann Marketing viel erreichen. Zeit ist Geld.

Wir kennen das Phänomen aus vielen Bereichen. Es stimmt einfach nicht, dass weniger gelesen wird. Es stimmt auch nicht, dass Verlage keine Autoren suchen. Aber wenn wir ehrlich sind, dann haben das digitale Lesen und die Möglichkeiten, die sich heute jedem bieten, einen Ponyhof bereitgestellt. Und das ist gut. Denn es schadet niemandem. Aber ob wir wirklich etwas davon haben, wenn ein ganzer Berufszweig in der geregelten Armut lebt, ist eine andere Frage.

Die Klagen darüber, dass Autoren oft unter dem Mindesteinkommen in Deutschland leben, kommen nicht von ungefähr. Autoren brauchen keine Ausbildung. Amazon gibt an, dass die Mehrzahl der Self-Publisher unter 500,00 € im Jahr umsetzen. Am schlimmsten sieht es für die Genres Fantasy und Thriller aus, Sie gelten als überfüllt und daher – bis auf wenige Ausnahmen – chancenlos.

Autoren brauchen keine Ausbildung – sie leiden gern, lieben es, arm zu sein und sind stolz auf ihre Berufsbezeichnung. Schließlich schwingen da Autonomie und Freiheit mit, oder?

Ich halte es für falsch, diese Frage überhaupt zu stellen. Und damit komme ich an den Anfang zurück. Jeder Mensch, der sich verbessern will, wird einfach immer wieder voller Freude und Interesse seine BILDUNG in seinem Fachgebiet erweitern.

Und ich denke, das ist die Antwort: Autoren pauschal gibt es nicht. Es gibt, wie unter den Ärzten, Lehrern, Buchhaltern und allen anderen auch die, die irgendwann fertig sind mit ihrer Entwicklung und die, die Freude daran haben, etwas für sich selbst zu tun. Was für meinen Zahnarzt, meinen Biobauern und sogar meinen Floristen gilt, gilt auch für Autoren. Wer sich nicht weiterbilden will, wird meinen Ansprüchen irgendwann nicht mehr gerecht. Und Autoren sollten von ihrem Ross herunterkommen. Wir arbeiten in einer sich verändernden Branche. Welchen Grund sollten wir haben für ein: „Ich will so bleiben wie ich bin…trara.“

Die Frage nach einer Ausbildung für Autoren beantworte ich zusätzlich noch mit einem ganz respektvollen „Danke“ an Menschen wie Marcus Johanus, der mit seinen Beiträgen oft wie ein virtueller Coach fungiert und Katja Brandis, deren Artikel hilfreich und vor allem sehr freundlich sind.

Buchempfehlungen für Autoren habe ich hier zusammengestellt. Meine Empfehlungen sind nur eine Auswahl. Alles Blogbetreiber, Ratgeberschreiber u.a., die wirklich gut sind und hier einfach keinen Platz mehr gefunden haben, mögen mir verzeihen., denn nun muss ich zum zweiten Teil des Artikels übergehen, sonst ist das Popcorn gleich aufgegessen.


Autoren sind nicht grau

In den letzten Wochen habe ich Autorenseiten gelesen. Das mache ich immer dann, wenn ich neues Lesefutter suche. Mein Vorhaben war, im Jahr 2017 viel von Autoren zu lesen, die mit mir in dieser Zeit leben und schreiben. Ich persönlich lese

  • um meinen Horizont zu erweitern
  • um mein Selbst- und Weltbild zu reflektieren
  • um zu wachsen
  • um in einen inneren Austausch mit dem Autor zu gehen.

Nach etwa 50 Autorenseiten habe ich noch keinen neuen Lesestoff gefunden. Das liegt nicht daran, dass die Autoren schlecht sind. Das weiß ich gar nicht. Ich bin über die „Über mich“-Seite gar nicht hinausgekommen. Die Autorenseiten waren immer nach dem gleichen Schema aufgebaut:

Ich bin mal geboren. Meine Kindheit hat mich zum Schreiben motiviert. Ich habe das Buch, die Bücher XY, geschrieben.

Die Autoren haben sich so blass dargestellt, dass ich befürchten muss, ihre Figuren könnten ähnlich karg sein. Die Welt mag digital geworden sein, Menschen sind es nicht. Der Kontakt zwischen Autor und Leser folgt noch immer menschlichen Regeln. Eine Person, die geboren ist und in der Kindheit ans Schreiben kam, kann kaum einen anderen Horizont erweitern. Und jemand, der über sich nichts anderes zu sagen weiß als seine Buchtitel gleicht einem Arbeitnehmer, der seinen Arbeitgeber nennt, sonst nichts. In meiner Vorstellung ist ein Autor eine Persönlichkeit. Ein Mensch aus Fleisch und Blut. Wenn er Leser sucht, muss er überzeugen.

Erzählen Sie etwas über sich als Mensch. Denn Lesen und Schreiben ist Kommunikation. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass ein Autorenpotrait Persönlichkeit enthalten sollte. Damit sind keine privaten Details gemeint. Wer welchen Hund liebt ist meistens ziemlich egal, denn es geht ja nicht um eine Tierarztpraxis sondern und Bücher.

Leidenschaften, winzige Anmerkungen, die den einen Autor zu etwas besonderem machen gehören dazu. Immer, wenn ich ein neues, großes Projekt beginne, fange ich an, Muffins zu backen. Das ist eine Marotte. Ich backe so lange, bis ich mich der Verantwortung gewachsen fühle, genau diese Aufgabe zu erfüllen. Denn Kommunikation ist Verantwortung. Ich will meinen Lesern kein Klavier an die Backe labern, ich will sie bereichern, aufrütteln, erheitern. Ich will Fragen und Antworten.

Manche Autoren aus meinem realen Umfeld schreiben immer nur mit einem Stift. Und wenn der nicht funktioniert, werden sie nervös. Andere können nur zu ganz bestimmter Musik schreiben. Eine Freundin, die recht erfolgreiche Bücher mit mehreren Auflagen verfasst hat, wirft ein paar Tage vor der Abgabe alles weg und schreibt dann alles noch einmal neu, in Windeseile.

Solche Informationen sind hilfreich für den Leser. Sie lösen ein: „Dieser Mensch ist interessant, ich möchte mit ihm kommunizieren“ aus.

Autoren sind doch schließlich keine Heimarbeiter, die Wörter tippen. Und jeder Autor sollte das auch zeigen können.

Die Erfahrungen mit Autorenportraits motivieren mich zu einem Wettbewerb:

Ein eigenes Autorenprofil verfassen. Spannend, knackig und vor allem echt – zur Kommunikation geeignet. Der Umfang soll zwischen 300 und 600 Wörtern liegen.

Die besten 10 Portraits erhalten eine Veröffentlichung und eine Pressemeldung. Außerdem erhalten die Gewinner alle Arbeitshefte des TextTime Autorentrainings kostenfrei in digitaler Form. Die besten drei Portraits bekommen zusätzlich die Arbeitshefte in Papierform.

Einsendeschluss ist der 30. Januar 2017. Bitte senden an: stefanie.glaschke[bei]t-online.de

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s