Die 3 Motive des Schreibers

Schreiben ist eine Tätigkeit, die viele als eine Art von Lebensmittel ansehen. Wem das Schreiben „im Blut“ liegt, der kann es einfach nicht lassen. Der Aspekt der Leidenschaft ist gerade bei kreativen Schreibern ausgesprochen wichtig. Die zweite Kategorie der Schreibenden sind die Menschen, die zum Zweck der Selbstherapie schreiben. Schreiben bedeutet für sie, sich zu befreien und sich Luft zu verschaffen. Eine dritte Kategorie sind Personen, die über ein gutes Sprachvermögen verfügen und ihre Kompetenz nutzen, um Geld zu verdienen. Die meisten Schreibenden sind Mischtypen. Leidenschaftliche Selbsttherapie mit wirtschaftlichen Vorteilen. Eine tolle Art der Beschäftigung, Schreiben ist quasi ein all-in-one-Luxus. Betrachten wir aber den Schreibenden einmal aus der Sicht der modernen Psychologie, wird es viel spannender. Wir dürfen davon ausgehen, dass der Mensch verschiedenen Grundbedürfnissen nachgeht. Ernährung und ein Dach über dem Kopf haben in unserer Gesellschaft alle, die es wollen. Diese drängenden, existentiellen Bedürfnisse haben keine wirklich motivierende Wirkung mehr wie etwa vor 60 oder 70 Jahren. Es bleiben andere Bedürfnisse, die uns motivieren und bewegen können. Grob gesagt handelt es sich um

  1. Macht
  2. Verbundenheit
  3. Wachstum

Macht ist hier nicht die Macht über andere sondern durchaus auch die macht über das eigene Leben. Verbundenheit spielt eine große Rolle, weil Feedback und Anerkennung uns helfen, uns selbst zu erkennen. Das Bedürfnis nach Wachstum und Entwicklung verbindet die Menschen mit allen anderen Lebewesen auf der Erde. Es ist ein Bestandteil des Lebens per se.

Eigene Motive erkennen lässt effizienter arbeiten

Wer seine eigenen Motive erkennt, findet schneller die Art von texten, die er schreiben sollte, heraus. Wo das Motiv „Macht“ vorn steht, der braucht möglichst viele Freiheiten, er ist als klassischer Self-Publisher glücklicher als Auftragsschreiber. Wem es um Wachstum geht, der sollte sein Spektrum möglichst breit halten und wer Verbundenheit durch das Schreiben sucht, der ist als Ghostwriter vollkommen falsch.

Verbindung mit dem Leser

Das Erkennen der eigenen Motive (auch hier sind meist Mischtypen gegeben) erhöht die Empathie mit dem Leser bzw. der Zielgruppe. Denn auch der Leser wird von einem oder mehreren Motiven angetrieben. Er liest etwas, um seine betreffenden Bedürfnisse zu befriedigen. Aus dem selben Grund geschieht alles, was Menschen handeln. Wir sehen die Motive manchmal nicht, aber sobald wir die Oberfläche verlassen, werden die Motive sichtbar. Das hat eine große Bedeutung für die Ermittlung der Zielgruppe. Was hat der Leser davon, gerade dieses Buch zu lesen? Wir sollten es unseren Lesern mitteilen, wenn wir gelesen werden wollen.

Einfluss auf die Figuren

Wer Figuren erschafft, will realistische Figuren schaffen. Das ist wichtig, damit der Leser sich identifizieren kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Held fünf Augen oder drei Beine hat. Die Äußerlichkeiten sind zwar für die Vorstellungskraft wichtig, nicht aber für das Begreifen der Figuren. Jede Figur hat ein Grundmotiv. Meist entstehen Konflikte in Storys dadurch, dass die Personen sich in der Erfüllung der Grundbedürfnisse gegenseitig behindern. Die Frau verlässt den Mann, der ihr das Arbeiten verbieten will (Wachstum). Der Vater jagt den Mörder seiner Tochter (Verbundenheit). Auch weniger dramatische Konflikte haben die Grundmotive im Hintergrund. Die Beziehungskrise, weil er wegen seiner Karriere nicht mit ihr zusammenziehen will (Verbundenheit contra Wachstum). Die Ablehnung von eigenen Kindern, die zur Scheidung führt (Macht über sich selbst contra Verbundenheit und Wachstum).

Innere Konflikte erkennen

Es macht Freude, die inneren Konflikte bei sich selbst zu entdecken. Anschließend können sie glaubhaft auf die Helden unserer Geschichten übertragen werden. So entsteht Authentizität. Unsere inneren Konflikte entstehen, wenn wir einen festen und gut bezahlten Auftrag ablehnen, weil in uns die Motive Wachstum (hier finanziell) und Macht (hier Autonomie) streiten. Warum haben wir uns entschieden, wie wir entschieden haben? Auch unsere Helden stecken immer wieder in diesen Konflikten. Das ändert sich erst, wenn wir über Roboter schreiben. Das würde gar nicht funktionieren, deshalb wird den Maschinen in der Literatur immer so etwas wie menschliches Leben angedichtet. Wo keine inneren Konflikte vorliegen, gibt es keinen Spannungsbogen. Und wo es keine Spannung gibt, so sehr es zu bedauern ist, kann es keine Entspannung geben.

Suchen Sie Ihre inneren Konflikte

Liebe Schreibenden, suchen Sie Ihre inneren Konflikte. Begeben Sie sich auf die Reise in das Innere Ihrer eigenen Existenz und finden Sie nicht nur heraus, welche Motive Ihre Tätigkeit bestimmen. Finden Sie auch viele neue Vorlagen für ihre kommenden Geschichten.


Vom 23. – 25. März 2017 findet im Salzlandkreis ein Workshop für Autorinnen und Autoren statt.

Autorentraining: Lebendigere Figuren erschaffen

Inhalte:

Lebendigere Figuren erschaffen durch

  • Erkennen der eigenen Motive
  • Begegnung mit den eigenen Archetypen
  • Kreativitätsübungen

Für acht Teilnehmer gibt es Platz. Der Workshop bietet abwechselnd jeweils Entspannungsaspekte von Meditation bis Tanz, Kreativitätsübungen mit Wörtern, Farbe und in der Natur und die Arbeit an den eigenen Motiven und den Archetypen. Die Arbeit wird auf der Basis psychologischer Grundlagen und nur von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt.

Frühbucher bis zum 30. Januar 2017 zahlen für den gesamten Workshop inklusive 2 Übernachtungen mit Frühstück und den Skripten nur 150,00 €. Informationen gibt es hier per Mail.

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2 Kommentare zu “Die 3 Motive des Schreibers

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