Vom Ghostwriting und anderen Selbstschädigungen

Autoren wollen leben. Dazu gehört auf körperlicher Ebene auch Essen, Trinken, Wohnen. Ihre Kompetenz und ihre Ware ist das Wort, der Umgang mit der Sprache. Damit haben sie die höchste Kompetenz in dieser Gesellschaft. Es geht definitiv nicht ohne Wort. Das tollste Produkt muss über das Wort erklärt, beschrieben, vermarktet werden. Die größte Wissenschaft wird über Wörter vermittelt. Sprache ist ein Kulturgut, das wegen seiner Selbstverständlichkeit kaum noch geachtet wird.

Was können Autoren verkaufen? Wörter. Die Wörter sind ihr Eigentum, sie können damit tun und lassen, was sie wollen. Betrachten wir aber einmal eine andere Komponente. Fragen wir uns, wer die Käufer sind. Immer mehr greift es um sich, dass erfolgreiche Menschen sich Wörter kaufen. Sie verkaufen damit ihre Produkte und Dienstleistungen.

Nehmen wir allein das moderne Dropshipping. Waren werden hergestellt und in Online-Shops präsentiert und verkauft. Der Hersteller verpackt und liefert die Ware an den Kunden. Alles das geht nicht ohne Wörter. Denn die Online-Shops brauchen Texte. Kategorie-Texte, SEO-Texte, Produktbeschreibungen, Newsletter, Blogartikel und viele Texte mehr.
Der Texter, der vielleicht nicht bis zum Schriftsteller gekommen ist, weil er einfach keine Zeit und kein Geld für seine Entwicklung gefunden hat, liefert diese Texte.

Warum eigentlich? Er könnte diese Texte auch in seinen eigenen Shop oder seine eigene Website investieren. Was hält den Texter davon ab, sich zuerst selbst mit allen Gewinnen zu versorgen, die mit Wörtern gemacht werden können? Fehlt das Selbstwertgefühl? Würde eine Köchin hungern? Oder ein Schneider nackt herum laufen?

Ich finde diese Frage bedenkenswert. Wenn wir einen Ausflug in die Welt der Märchen machen, begegnen wir den Kaiser und seinen neuen Kleidern. Manchmal, wenn ich sehr, dass Menschen mit Wörtern Erfolg haben, die Ihnen nicht gehören, dann frage ich mich, ob wir als Schreibende nicht unsere Wörter besser schützen sollten. Wir kleiden nämlich Menschen, die nicht kommunizieren können. Und wir helfen Ihnen, Macht und Einfluss zu bekommen.

Jeder, der Wörter besitzt und sie verkaufen möchte oder muss, sollte wenigstens einmal am Tag, mindestens 300 Wörter nur für sich selbst schreiben. Das sollte er sich wert sein. Denn eine Köchin hungert nicht und ein Schneider ist nicht nackt. Aber es ist vielleicht gefährlich, eine Strömung zu unterstützen, bei der es eine Frage von wenigen Cents ist, ob sich ein Mensch mit fremden Federn schmücken darf oder nicht. Und wir wissen ja alle noch nicht, ob die Wörter nicht irgendwann einmal aufgebraucht sind. Dann bleibt dem Schreiber nichts.

Das ist mein Tipp für das Selbst-Management des Autors: Versorge dich zuerst selbst mit dem, was du kannst und hast. Jeder anderee würde es ebenso machen.

Und hier noch ein Tipp zum Lesen, zum Verschenken, zum Genießen:

Das Magazin HOHE LUFT befasst sich mit aktuellen und bewegenden Themen aus Gesellschaft & Kultur, Politik & Wirtschaft aus einem philosophischen Blickwinkel. Eine etwas andere Philosophie-Zeitschrift, die den Leser jedes Mal auf eine Denkreise einlädt.

HOHE LUFT [Jahresabo]

 

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