Warum dein bester Freund nicht dein Testleser sein kann

Wir Autoren arbeiten recht einsam. Es gibt selten Arbeitsgruppen, die gemeinsam an einem Werk arbeiten. Das macht unsere Arbeit einerseits reizvoll, auf der anderen Seite aber wünschen wir uns auch Feedback, um unsere Selbstzweifel zu besiegen oder um einfach eine neue Orientierung oder Ermutigung zu bekommen. Wenn wir etwas geschrieben haben, möchten wir auch wissen, wie es beim Leser ankommt. Wir brauchen Testleser. Doch unsere Familie und Freunde oder gar unser Partner eigenen sich für diese Aufgabe ganz und gar nicht. Warum nicht?

  1. Wer uns gut kennt, liest oder hört unseren Text mit all den Informationen, die er über uns hat. Er merkt nicht, wenn Gedankengänge nicht ausgereift sind oder Prämissen nicht klar definiert sind. Ein Testleser, der uns kennt, hat viel zu viele Informationen, um den Text objektiv auf sich wirken zu lassen.
  2. Ein Mensch, dem wir sympathisch sind, wird immer Rücksicht auf unsere Gefühle nehmen. Das geschieht unbewusst und unmerklich. Deshalb wird die Kritik immer weniger ehrlich sein als die Kritik eines Fremden. Der fremde Testleser hat nicht den Autor im Blick, ihm geht es viel stärker und ausschließlich um den Text.
  3. Manchmal verwenden wir unsere eigene Alltagssprache in unserer Schreiberei. Das merken Bekannte und Freunde gar nicht, denn sie verwenden meist den gleichen Sprachcode. Ob der sich aber für Veröffentlichungen eignet, ist manchmal fraglich.
  4. Wir könnten übersehen, dass der gute Freund oder die Partnerin unseren Text nur aus Gefälligkeit lesen. Detailfreude und erhöhte Aufmerksamkeit dürfen wir dann nicht erwarten.
  5. Der wichtigste Grund ist aber noch ein anderer: Beruf und Privatleben sollten getrennt bleiben. Ein Autor ist auch ein Mensch, der sich von seiner Arbeit erholen muss. Und eine Freundschaft ist keine Arbeitsgemeinschaft. Es ist einfach gesünder, nach der Arbeit frei für private Dinge zu haben. Das nennt man eine gesunde „Work-Life-Balance“. Wer beruflich schreibt und privat seine Arbeit diskutiert, wird merken, dass er viel zu wenig Ausgleich hat. Es ist sinnvoller, sich seine Kritiker auf der beruflichen Ebene zu suchen. Hier gibt es Communities und Foren, die diese Arbeit zu erledigen helfen können. Also sollte der Autor schreiben, Kritik einstecken, sich eine blaue Nase holen und dann nach Hause (ins Privatleben) gehen und den Feierabend mit anderen Themen verbringen. So erhält er die notwendigen Streicheleinheiten und immer neue Inspirationen.

Diese und andere Tipps gibt es im Autorenkalender 2016, jetzt für 15,90 € bestellen und das Porto sparen!

Cover

Advertisements

Ein Kommentar zu “Warum dein bester Freund nicht dein Testleser sein kann

  1. Das sind wunderbare und hilfreiche Ratschläge. Ich habe „aus den Bauch heraus“ entschieden, meine TestleserInnen vorwiegend (dazu später) nicht im Freundes- oder Bekanntenkreis zu suchen.
    Gerade frauenorientierte Themen (zu meinem Buch „Frauenwunder“ beispielsweise) gebe ich auch mal einem männlichen Testleser. Mich interessiert es, wie dieses „Frauenthema“ (es geht um das Klimakterium mit all seinen Tücken) von einem Mann aufgenommen wird. Ist es für ihn verständlich? Kann er sich als Mann in das Thema einfühlen? Auch hier war es für mich sofort von großer Bedeutung, keinen Herren aus dem Bekanntenkreis zu suchen. Der Teufel steckt eben im Detail. 😉
    Dennoch – Asche auf mein Haupt – fällt mir ein Fehler in meinem Testleserkreis auf, den ich zukünftig auf Grund Deines Beitrages zu beachten weiß.

    DANKE

    Herzliche Grüße

    Sylvia

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s