Schreiben Sie doch mal wie die alten Griechen

Kleine Stilkunde
Sicher ist der Stil eines Autors frei und das soll auch so bleiben, denn nur durch eine lebendige Sprache kann sich die Gesellschaft entwickeln. Noch vor wenigen Jahres das Denglisch verpönt. Wörter wie geil waren undenkbar. Diese und andere Neuerungen der Sprache haben sich inzwischen sogar im Duden einen Platz erobert. Das ist auch richtig. Sprache lebt. Wir sprechen nicht mehr Latein oder althochdeutsch wie unsere Vorfahren. Dennoch gibt es allgemeine Stilregeln.

Ein Autor sollte sie in seinem Repertoire haben. Wissen schadet einem Text nicht. Darüber hinaus entwickelt aber jeder, der schreibt, im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil. Er ist das Ergebnis intensiven Trainings. Niemand sollte Schiller oder Goethe, Thomas Mann oder John Irving werden. Doch wer regelmäßig schreibt, hat Chancen darauf, selbst eines Tages in einer Reihe mit den genannten Autoren zu stehen. Schreiben ist der einzige Weg, seinen Stil zu finden. Theorie ist hier weit weniger wert als Praxis. Und wenn Sie sich heute ans Schreiben setzen, beachten Sie doch einfach einen kleinen Stilhinweis, mehr nicht. Nutzen Sie diesen Hinweis aber erst während Ihrer Überarbeitung . Unterbrechen Sie Ihren Schreibfluss nicht.

Jetzt geht es los mit der heutigen Trainingseinheit, betrachten Sie sie als Spiel und haben Sie Freude daran!

Es gibt einen Textfluss, der sich besonders durch Abwechslung in der Satzlänge zeigt. Achten Sie darauf, einen langen und zwei kurze Sätze abzuwechseln. Oder wählen Sie einen anderen Rhythmus. Leider wird der Rhythmus in einem Prosatext oft vernachlässigt, so dass Texte schwerfällig oder eintönig werden. Das macht das Lesen selbst zu einer Freude für den Leser. Diese Art, Texte zu verfassen, stammt aus der Dichtung. Schon die alten Griechen verfassten ihre Werke rhythmisch und erreichten so einen hohen Genuss bei Vorträgen.

Die Dichtungen des Homer waren in Daktylen und Spondeen verfasst. Das griechische Wort Daktylos bedeutet Daumen. Das Versmaß war den Gliedern des Daumen entsprechend für die Silben lang – kurz- kurz. Versuchen Sie es. Testen Sie, ob Ihre Texte dadurch gewinnen. Statt auf Silben beziehen Sie diese Angabe auf die Länge Ihrer Sätze. Oder testen Sie ein anderes Versmaß aus. Spondeen sind übrigens Daktylen, in denen die beiden kurzen Silben (oder hier: Sätze) durch eine lange ersetzt werden. Es handelt sich um einen Bruch, der Eintönigkeit vermeiden soll.

Ein Hexameter besteht demnach aus sechs Daktylen. Ihr Text würde wie folgt aussehen:
__ – – / __ – – / __ – – / __ – – / __ __ / __ – – . Im fünften Segment findet sich ein Spondeus. Dieser Text ist übrigens bis auf wenige Abweichungen im vorgeschlagenen Rhythmus geschrieben. Machen Sie kein Dogma aus diesem Hinweis. Finden Sie Ihren eigenen Stil! Manchmal macht es einfach Freude, einen Text hinsichtlich seines Versmaßes zu überarbeiten. Und wenn Sie sich diesen Text laut vorlesen, werden Sie hören können, dass Sie Musik geschrieben haben.

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